Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euer “Freund” ist und wer nicht.
Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euch “folgt” und wer nicht.
Macht Euch lieber Gedanken, weshalb ihr Euch darüber Gedanken macht.
Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euer “Freund” ist und wer nicht.
Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euch “folgt” und wer nicht.
Macht Euch lieber Gedanken, weshalb ihr Euch darüber Gedanken macht.
Pois somos como troncos de árvores na neve.
Como parece, apenas estão deitados na superfície escorregadia,
e um pequeno empurrão deveria deslocá-los.
Não, não é possível fazer isso porque eles estão firmemente unidos a terra.
Mas, veja, até isto é mera aparência.
Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee.
Scheinbar liegen sie glatt auf,
und mit einem kleinen Anstoß sollte man sie wegschieben können.
Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden.
Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.
Franz Kafka, “Die Bäume”
Aus: “Die Erzählungen – Originalfassung”, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Tradução: Peter Hilgeland
Das Wort besitzt eine Aura, die aus seinem Schriftbild, seinem Klang und den Assoziationen besteht, die es in uns hervorruft, und je wichtiger und gebräuchlicher ein Wort ist, desto intensiver und prägender ist diese Aura. Wer sie zerstört, der zerstört etwas in uns, er tastet den Fundus unseres Unbewußten an.
Reiner Kunze, Die Aura der Wörter, Radius Verlag Stuttgart
Wer Texten vorwirft, dass er sie nicht versteht, wirft nun einmal zunächst sich selbst etwas vor. Was kann ein Text für das Lesevermögen seiner jeweiligen Leserinnen und Leser? Sicherlich gibt es Texte, deren Inhalt und Güte sich nur jenen erschließen, die über eine gewisse Leseerfahrung und Bildung verfügen – und über die Frage, ob dies so sein muss, lässt sich streiten. Dies jedoch ist nicht der Kern des Vorwurfs, der Jahr um Jahr gegen komplexe Texte allgemein und gegen Lyrik insbesondere vorgebracht wird. Diejenigen, die nicht bereit sind, sich mit einem kurzen Text länger zu befassen, als die reine Erfassung der Buchstaben braucht, machen Texten zum Vorwurf, dass sie sie nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Sie werfen einem Text somit vor, dass er Arbeit macht.
Es ist eine kleine, einem lebenden Exemplar täuschend ähnliche Gummispinne, die ich meiner Mutter schenkte und die seitdem ein eher bescheidenes Dasein fristet – angesichts dessen, was voranging: ich fand sie im Zuckertopf der Küche eines Projektes zur nachschulischen Betreuung heranwachsender Jugendlicher. Ich adoptierte sie, denn mein Gesichtsausdruck in jenem Moment, als ich da ihre dunkle, vielbeinige Gestalt auf all dem hellen Zucker sah, brachte mich nicht nur den kleinen Rabauken, sondern auch mir selbst ein wenig näher. Meine Mutter will sie nicht mehr missen, sie hat sie auf den Kühlschrank gelegt, von wo aus sie seitdem für Verständnis wirbt.
Freunde,
die nie Fehler machen,
sind keine.
“Politik-Gedöns” zu kommentieren bringt’s in den meisten Fällen nun wirklich nicht. Gutti is bald wech – der spannt erst mal im Ausland ab; Merkel dagegen bleibt und sitzt aus – wie einst ihr Mentor; das Kachelmann-Theater ist für’n Arsch und die Broders und Sarrazins lassen sich auch nicht so leicht niederposten.
Leider!
Und in der Zwischenzeit
beißen sich
Wutbürger aller Couleur
am Euro
die Zähne aus.
Wenn in geselliger Runde jemand zu schreiben oder schreiben zu wollen behauptete, fragte ich nach, worüber sie denn schreiben wollten. Die Antwort blieben sie mir meistens schuldig. Ich fand das seltsam. Schon damals – und seither immer mehr – habe ich es komisch gefunden, daß unsere Kultur Menschen en masse hervorbringt, die schreiben können und wollen, aber nichts zu sagen haben. Warum wollen sie schreiben, wenn sie offen und ehrlich zugeben, daß es nichts gibt, was sie vermitteln könnten? Können sie nichts anderes tun?
Gaarder, J.: Der Geschichtenerzähler. München 2002.
(… davon ausgehend, dass es sich bei der “geselligen Runde” auch um das sogenannte Web 2.0 im Allgemeinen und die Blogosphäre im Besonderen handelt …)
“Toll, alle meine Freunde, ich bin vernetzt und beliebt. Doof irgendwie, mit dem Datenschutz, aber naja, die anderen machen das doch auch. Hey super, die Susi hat mir was geschrieben. Gesichtserkennung, hm, vielleicht ja ganz witzig, aber irgendwie fühl ich mich auch unwohl damit. Oh guck mal, der Tobi macht ne Party! Mensch, wolltet ihr mir nicht beim Umzug helfen, wo wart ihr denn? Och nö, schon wieder so ein Stalker, was kann man denn da machen? Hehe, witzig, was da jemand wieder gepostet hat, like ich doch glatt mal. Mann, die Werbung geht mir langsam echt auf den Sack, ich dachte, die wär personalisiert?! Ich bin ganz freiwillig hier, es ist meine eigene Entscheidung. Aber wenn ich den Account zumachen würde, würde ich schon Bekannte verlieren, und würde auch gar nicht mehr mitbekommen, was los ist. Ekliger Typ eigentlich, dieser Zuckerberg. Hey, die Susi hat Fotos gepostet, richtig schöne! Oh, schon halb fünf?!”
Der sanfte Facebook-Totalitarismus, aber ganz freiwillig, nur ein ganz bisschen Gruppendruck.
War ich ein Teil des Ganzen oder nur ein Beobachter? Es war bei Nacht, an einem Abschnitt jener Straße, die mir genauso bekannt wie fremd vorkam, an einem Stück Kurve aus plattgewalzter Erde.
Bewirtschaftete Felder auf beiden Seiten, wahrscheinlich Kaffee.
An der Kurve hockte in einiger Entfernung zu meiner Linken eine junge Frau am Rande der Pflanzungen. Die Frau, mit glatten Haaren und heller Haut, hatte etwas gefunden, war mit etwas beschäftigt, Schmuck oder edles Metall, auffallend verführerisch im Scheinwerferlicht glänzend und blinkend.
Plötzlich erschien ein Mann auf der anderen Seite der Kurve, eher jung, wohl unter 30, dunkelhäutig, kahl. Sein makelloser Anzug leuchtete in violetten und rosafarbenen Tönen. Abwesenden Blickes und schwindsüchtigen Wesens, eine Metallkette in Händen haltend, kam er näher, sah, was geschah, wandte sich ab und verschwand zu meiner Rechten in der Dunkelheit.
Glauco Cortez
Übersetzung: Peter Hilgeland