Gedanken zum 9. November

Da ist es wieder, das Datum, mit dem keiner so richtig klar kommt. Schon eine Art Gedenk-Tag, aber für was eigentlich? Was war da noch genau, und wann?

Ach so, ja, die eher beiläufig plazierte Bemerkung eines ranghohen Apparatschicks der DDR führte zum Fall der Mauer. Wie hiess der noch gleich? Egal. Eigentlich also ein Tag zum Feiern, oder? Kommt natürlich auf den Standpunkt an. Zum Nationalfeiertag hat’s auf jeden Fall nicht gereicht. Warum eigentlich nicht? Weil das Ganze von einem führenden Parteigenossen der SED losgetreten wurde? Jaja, wenn’s doch nur so einfach wäre …

Wie wir aber wissen, steckt da halt noch viel mehr dahinter. Nein, nein, hat nix mit Verschwörungstheorien zu tun. Verschwörungen gab’s zwar auch zu Genüge, aber nicht so, wie man sich das in esoterisch angehauchten Kreisen vorstellt. Wie dem auch sei, ist keine angehme Sache, wenn man drüber nachdenkt. Was da so alles hochkommt …

Zum Beispiel:

Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde an dem Tag vor genau 90 Jahren nicht nur einmal, sondern gleich zweimal die erste Republik ausgerufen. Die Herrschaften damals waren sich zwar nicht gerade einig darüber, wie denn –  bitte schön – das Ganze auszusehen hätte, aber – immerhin – die schwarz-weiss-rote Fahne war endlich weg vom Fenster.

Weg vom Fenster war auch Hitler – für’s Erste – als er fünf Jahre später vergeblich versuchte, eine grosse Nummer zu werden. War die Sache wohl trotzdem wert: Gescheitert oder nicht, der 9. November verschaffte ihm und seinem “Verein” zum ersten Mal so was wie – äh – internationale Publicity.

Die wiederum spielte fünfzehn Jahre später eine nicht unbedeutende Rolle, als es darum ging, staatlich organisierte Progrome als “spontanen Volkszorn” zu verkaufen. Von “Volkszorn” keine Spur. Das “Volk” zog lieber den Schwanz ein und machte Türen und Fenster zu. Abgesehen natürlich von den asozialen Schlägern, die sich endlich mal so richtig austoben durften. Allein schon deshalb stinkt der Begriff “Reichskristallnacht” bis heute meilenweit gegen den Wind. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Funkelt’s da oder geht da was in die Brüche? Oder war’s einfach nur arschkalt in der besagten Nacht?

Wie gesagt, da kommt einiges hoch.

Ist auch noch lang nicht alles. Aber lassen wir das. Die oben erwähnten Ereignisse sind schon mehr als ausreichend, um den 9. November zu einem aussergewöhnlichen “deutschen” Datum werden zu lassen. Eigentlich ideal für den ultimativen, ehrlichen deutschen Gedenktag. Viel deutscher geht’s eigentlich gar nicht mehr. Alles andere ist dagegen Kinderkram. Ohne jemandem auf den Schlips treten zu wollen, aber der 3. Oktober 1990 war im Vergleich dazu eine sektselige, vorgezogene Sylvesterparty, sonst nix.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Kleines Update am 11.11.09:
Sogar Die Welt kommt langsam dahinter.

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