Über Autofahrer, Fussgänger und Parias …

Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir der Verkehr in São Paulo nicht auf den Sender geht. Auf die eine oder andere Weise: Lärm, Gestank, Aggression, Ignoranz.

Eine nicht ganz unähnliche Sichtweise vermittelt auch folgendes Post:

http://ocetico.wordpress.com/2008/12/01/288/

Leicht überzogen, aber gut geschrieben – zumindest im Original.

Sagen wir so: ich weiss, was er meint …

Auf Deutsch liest sich das ungefähr so:

Der brasilianische Fussgänger ist ein Paria. Er ist ohne Bedeutung. Es gibt keinen Platz für ihn. Er wird ständig mit dem Tod bedroht und oft genung ist er sich dessen nicht mal bewusst. Als ich meinen Führerschein machte, wurde mir eingetrichtert,  dass das Auto eine Waffe sei. Scheint allerdings so, als ob das nicht gerade bei der Mehrheit der Autofahrer in Brasilien angekommen ist. Wenige Leute machen sich wirklich klar, dass Autofahren so was wie ein ständiger potentieller Akt der Aggression sein kann. Ein Fahrer, der zum Beispiel nicht bremst, wenn er sieht, dass vor ihm jemand die Strasse überquert, will damit ganz selbstverständlich sagen: “Geh mir aus dem Weg, sonst gibt’s Verletzte. Vielleicht bringe ich dich sogar um die Ecke!”

In den vergangenen Jahrzehnten führte die fatale Kombination aus einer exponentiell wachsenden Anzahl von PKW’s, einer miserablen Politik in Bezug auf den öffentlichen Personennahverkehr und eines konsequenten Ausbaus des Strassennetzes dazu, dass es immer weniger sicheren Raum dafür gibt, sich zu Fuss fortzubewegen. Das beschneidet ganz eindeutig die Lebensqualität und das Zusammenleben jener Bürger, die nicht hinter dem Steuer sitzen. Der gewönliche Fussgänger wird mehr und mehr eingeschränkt und ist selbst auf den für ihn bestimmten Wegen einem ständigen Risiko ausgesetzt.

So kommt es, dass das Leben derjenigen, die zu Fuss gehen, immer unerträglicher wird und dass sich wohl der eine oder andere Betroffene wünscht, selbst ein Auto unter dem Hintern zu haben und die Rolle des Unterdrückten mit der des Unterdrückers zu tauschen.

Ich lebe in Porto Alegre aber ich denke, dass der sogenannte öffentliche Verkehrsraum nicht nur hier, sondern auch in allen anderen brasilianischen Metropolen mehr und mehr zugunsten des motorisierten Individualverkehrs “umgestaltet” wird. Was Porto Alegre angeht, so kommt noch hinzu, dass jemand die umwälzende Idee hatte, der Brigada Militar die Zuständigkeit für die Verkehrsüberwachung zu entziehen und zum Ausgleich dafür ein weiteres Kontrollorgan ins Leben zu rufen, die Fiscais de Trânsito. Ein schlechter Tausch. Die werden nämlich nicht besonders respektiert. Dank dieser grandiosen Idee sind kaum noch Polizisten unterwegs, die allgemeine öffentliche Sicherheit leidet darunter und Verkehrsvergehen werden kaum geahndet.

So lässt sich zunehmend beobachten, wie Autofahrer rote Ampeln missachten, am Handy kleben, wenn sie hinterm Steuer sitzen und Fussgänger regelrecht aufscheuchen, wenn die so dreist sind, die Strasse überqueren zu wollen. Und man muss sich vor den Motoboys in Acht nehmen, die mehr und mehr auf Fussgängerwege ausweichen.

Mit Spannung warte ich auf den Tag, an dem mein Wohnsitz niedergerissen wird, um einer Strasse oder einem Parkplatz zu weichen. Ich stelle mir schon jetzt vor, wie ich dann auf dem Bürgersteig campe und bete, dass ich nicht von einem Motorrad übefahren werde.

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