Angst vorm Fliegen …

“Du bist ein Angshase!” dachte ich jedes Mal, wenn ich in den letzten Jahren von São Paulo nach Europa in einem Linienflug hockte und der Bildschirm mich darüber informierte, dass die Maschine sich nun über dem Atlantik befinden würde. Dabei bin ich eigentlich ganz gerne in der Luft uterwegs. Gut, beim Start liegt mein Adrenalinspiegel schon über dem Durchschnitt: ich drücke dann die Daumen, dass die Maschine den Hintern hochkriegt, voll besetzt und betankt. Und obwohl ein transatlantischer Linienflug zwar öde ist wegen der langen Zeit, die man in einer solchen klimatisierten Röhre verbringen muss, so ist das Ganz doch nicht unbedingt ein unangenehmes Erlebnis. Ausserdem freut man sich auf das Reiseziel, vor allem dann, wenn man Europa, Deutschland nur noch als Besucher wahrnimmt und eine Chance hat, sein Heimweh zu verarbeiten.

Trotzdem hatte ich jedes Mal ein mulmiges Gefühl über dem Atlantik, wenn das Fasten-Seatbelt-Zeichen aufleuchtete. Wer diese Route kennt, weiss, dass dort Turbulenzen so gut wie regelmässig vorkommen. Auch Witze wie: “Du bist zu alt für so was”, halfen wenig. War der Flug tagsüber, so linste ich dann besorgt nach draussen auf die zitternden Spitzen der Tragflächen. Das mag überzogen klingen, aber ich habe mich schon immer gefragt, wie es denn wohl um die Belastbarkeit der Maschine bei starken Turbulenzen bestellt sein könnte. Bei fast tausend Kilometern pro Stunde.

Nun mag das ja alles übertrieben klingen. Schliesslich ging bisher immer alles gut. Transatlantikflüge sorgen nicht für Schlagzeilen. Sie sind Routine. Will heissen: sie waren Routine. Jedenfalls bis heute.

Mein Ungemach bei Turbulenzen war also nicht ganz so kindisch, wie es scheint. Und meine Vermutung, dass sie auch die eigentliche Ursache für den Absturz des Airbus gewesen sind, mag irrational sein. Na, vielleicht war’s ja auch eine fatale Kombination aus starken Böen und elektrischer Entladung. Ich harre der Dinge, die da kommen und hoffe, dass es den Experten gelingt, die Unglücksursache zu klären. Fest steht, dass mir das Unglück auf meine Weise in den Knochen sitzt. Ich durchlebe das Gefühl, das ich in solchen Momenten hatte und weigere mich, mir auszumalen, was dann weiter passiert ist. In den letzten Minuten: Panik, Verzweiflung, lähmende Angst. Eine nächtliche Tragödie.

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