Schwarzes Loch ohne Strahlung

Es gibt Kommentare über den Sinn des Schreibens im Allgemeinen und die Blogosphäre im Besonderen, die zu ignorieren einem “Sakrileg” nicht unähnlich wäre. Hier ist einer:

Ich ziehe kein Selbstvertrauen daraus, dass Menschen lesen was ich schreibe. Ich fühle mich nicht wertvoller oder wichtiger, seit ich damit angefangen habe. Mir ist kein realer Nutzen aus dem erwachsen, was ich hier mache. Und darum geht es mir auch nicht.
Meiner Ansicht nach ist die Natur dieses Mediums größtenteils ein Schwarzes Loch ohne Strahlung. Es absorbiert, doch es gibt nichts ab. Manche nutzen dieses Medium zur Kommunikation, viele sogar. Und dafür eignet es sich wohl auch. Aber nicht für mich. Ich nutze es als Loch ohne Ausgang, nicht als Kanal für meine Meinung. Was immer ich hineinstecke, es wird nicht voll werden, und es wird nichts an mich zurückgeben. Nichts von all dem hier ist real, nicht diese Antwort, die ich gerade schreibe, nicht das, was bereits auf dieser Seite steht. Es existiert nicht wirklich. Es ist wertlos für mich, doch sinnlos ist es nicht.

Ich schreibe, weil ich loswerden will. Ich will nichts an andere loswerden, ich will es einfach nur loswerden. In meinem Kopf entstehen permanent Ideen, Bilder und Sätze, ohne mein Zutun. Vielleicht liest man das heraus, ich bin nicht zufrieden damit. Ich genieße das nicht. Und ich genieße nicht den Schreibprozess. Doch das Schreiben ist die für mich ergiebigste Art, das loszuwerden, was mir ansonsten keine Ruhe lässt und mich zumüllt, bis ich das Gefühl habe zu zerbersten. Ich habe es auch mit Fotos versucht, mit Musik, mit Alkohol und Tabletten, doch nur das Aufschreiben lässt es mich rausschreiben und meinen Kopf sauberschreiben.
Dem Medium Internet habe ich mich zugewandt, weil es niemals voll wird und nichts von mir verlangt. Ich kann hineinstecken, was und wie ich will. Das zu verstehen, wirklich zu verstehen, hat ein paar Jahre gedauert. Der richtige Weg, doch lange mit falschen Schuhen beschritten. Ich stecke heute Wertloses hinein und werde es los, und das ist für mich der Sinn dabei. Das ist großartig. Wer es am Ende liest, ist mir relativ egal. Denn mir ist es nichts wert und ich kenne auch keinen Weg, es mir wertvoll zu machen, ohne drauflegen zu müssen. Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Und wenn ich diesen Kelch abgeben könnte, würde ich es tun. Ich hasse, dass mein Kopf nur irgendwelchen Plunder anstatt Leben produziert. Das hier ist ein Weg, wie ich es übersichtlich (Dokument-Dateien stapeln mir auch nur den Computer voll) loswerde, es sieht für eine Deponie missgebildeter Kopfgeburten schick aus, und es ist einfach. Wenn also jemand darüber stolpert und für sich Brauchbares findet, sich wiedererkennt oder sonst etwas Nützliches für sich heraus zieht, dann ist das schön. Das freut mich. Doch darum geht es mir nicht und das geht mich nichts an.

Vielleicht siehst Du tatsächlich etwas, was mir entgangen ist. Das kann sein. Aber ich sehe mich nicht auf der Suche nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob. (Gerade hier? Nein, das funktioniert in diesem Medium ohnehin nicht.) Ich bin kein Schriftsteller, ich bin kein Künstler. Ich bin nur ein Mensch, der niemandem etwas beweisen müssen will und sich selbst nichts beweisen kann. Ich habe zuviel Angst vor Menschen, um zu versuchen, irgendwie ihre Wege zu kreuzen. Alles was ich will, ist diese eine ruhige Minute in meinem Kopf. Ich bin süchtig danach, sauber zu sein. Und das hier ist ein Weg, der mich zufrieden stellt.

hoch 21

13 Respostas para “Schwarzes Loch ohne Strahlung

  1. Erquickend. Wonnig. Auch irgendwie beruhigend.

    Es wäre wahrhaftig ein Sakrileg gewesen!

  2. Befasst sich mit dem gleichen Thema, aber nochmals anders.

  3. @HarryHIII
    Sehr interessanter Text. Danke für den Link!

  4. Netter Text. Trotzdem klingt er ein wenig selbstsüchtig und sogar egoistisch: Dreck loswerden, in die Welt hinausschleudern. Der durchaus negativ-angehauchte Therapie-Gedanke hier ohne Rücksicht auf andere (vor allem auf die Leser) schimmert ein wenig durch. Frei nach dem Motto: das Internet als wildes sich-auskotzen nutzen. Wenn Du es so empfindest ok, aber ich sehe es ein wenig anders.

    Für mich ist das Schreiben, ist mein Blog durchaus auch dazu da, anzuregen, zum Nachdenken aufzufordern, Diskussionen und Debatten voranzutreiben. Mit der Welt Kontakt aufzunehmen, in sie einzutauchen und ein Teil von ihr werden. Genau diese Intention prägt doch auch den Schreibstil und die behandelten Themen, oder etwa nicht?

    Außerdem bin ich sehr wohl der Meinung, dass Gedanken sehr wichtig sind. Unsere ganze Gesellschaft, unsere Wert- und Lebensvorstellungen werden von Gedanken und Normen geleitet. Diese als “nutzloser Ballast”, der “nix nutzt” zu diffamieren, unterschätzt die Realitätswahrnehmung gewaltig und geht leider konform mit einem neoliberalen Kosten-Nutzen-Denken, in dem nur der Profit und das Eigeninteresse zählen.

    • @Epikur
      Danke für Deinen Kommentar.

      Der von mir zitierte Text ergab sich als Antwort auf einen Kommentar, den ich auf dem Blog von hoch21 hinterlassen habe und in dem ich unter anderem sinngemäss vorschlug, dass hoch21 ja auch ein Tagebuch auf Papier führen könne, da es es ihm ja egal zu sein scheint, ob jemand seinen Blog lese.

      Seine Antwort musste ich dann einfach posten, weil ich sie schlicht und einfach gut fand. Gut geschrieben, meine ich. Das heisst zwar nicht, dass ich in allem mit ihm übereinstimme, aber der Inhalt des Kommentars gab mir in zweierlei Hinsicht zu denken:

      1. Selbstdarstellung ist ein Bestandteil der Blogosphähre. Nun, das wussten wir ja schon vorher, aber hoch21 bringt das auf sehr sympathische, wenn auch “negative” Weise zum Ausdruck, indem er verlauten lässt, es gehe ihm am Allerwertersten vorbei, wer denn nun seine Texte lese. Fairerweise fügt er allerdings hinzu, es freue ihn, wenn jemand etwas “für sich” finden würde. (Hoppla, das gehört schon zu Punkt 2). Im Übrigen halte ich seinen Ausdruck “Schwarzes Loch ohne Strahlung” teilweise für gerechtfertigt. Das Internet, die sogenannten sozialen Netzwerke können das nämlich sehr wohl sein. Persönliche Eitelkeiten verschwinden in den “schwarzen Löchern” der Server; Seiten wie Facebook vermitteln das Gefühl von Gesellschaft, man “sammelt Freunde”, deren Avatare oder nette Photos den Eindruck vermitteln, man sei nicht allein. Dabei ist man es: man hockt vor dem Bildschirm und das war’s … Und so weiter und so fort. Es mag eine fatalistische Sichtweise sein; sie ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Kommentar hat mich dazu angeregt, erneut über solche Sachverhalte nachzudenken.

      2. Es ist vollkommen klar, dass auch ein “finsterer Kritiker” wie hoch21 gelesen werden will – selbst, wenn er das nicht offen eingestehen mag. Seine Texte und die Tatsache, dass auf seinen neuen Blog deutlich hingewiesen hat, nachdem er seinen ersten stillgelegt hatte, sprechen für sich. Auch “er” will auf seine Art und Weise “mit der Welt Kontakt aufnehmen”, wie Du es treffend formuliert hast. Sonst (siehe oben) würde eine DIN-A5-Kladde vollkommen ausreichen, stimmt’s?

      Ansonsten kann ich Deinem Kommentar nur zustimmen.

  5. der Autor schreibt scheinbar Wertloses in das Medium Internet, doch kann nicht auch dieses Wertlose für andere Menschen wertvoll sein?? Warum lässt er sich über sich und seine Gedanken so abfällig aus? Ich für meinen Teil würde andere Menschen gerne mit meinen Gedanken aufrütteln und dazu anleiten selbst etwas zu unternehmen.

    • @Katharina
      Was soll ich sagen? Auch für den Autor, den ich zitiert habe, scheint das Medium seinen Wert zu haben. Sonst würden wir ihn ja nicht kennen, richtig? Und ich finde, dass man in seinem Blog auch Gedanken finden kann, die “aufrütteln” können. Und was das Medium Internet angeht, so denke ich, dass es ein gutes Instrument zur Verständigung sein kann und Veränderungen bei Einzelnen oder gesellschaftlichen Gruppen bewirkt. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein ziemlich grosser Zirkus, in dem jeder schreit: “Hier bin ich!” (oder so ähnlich). Eine Münze mit zwei Seiten.

  6. Eigentlich zielte ich darauf ab, dass ich den Sinn seines Schreibens nicht verstehe? Ist es nur für seinen Geist von Belang, dass der Autor seine Gedanken loswerden kann? Wenn das so ist, verstehe ich nicht warum er das in einem ganz und gar durchleuchteten und extrem in der Öffentlichkeit stehenden Medium tut. Da kommt mir die Begründung der Unendlichkeit wenig stichhaltig vor. Es scheint als wolle er sich und sein Gewissen betrügen, indem er schreibt er würde kein Selbstbewusstsein aus dem Schreiben ziehen. Dann hätte er alternativ auch auf normales Papier schreiben und es anschließend verbrennen können, wie Kafka es beispielsweise zu tun beabsichtigte. Ihm kam dabei nach seinem Tod nur sein Freund in die Quere, der dessen Texte publizierte. Ich hoffe Sie verstehen nun was ich meine.
    Außerdem habe ich Ihre Begründung mit der Kenntnis des Autors nicht richtig verstanden. Vielleicht erläutern Sie mir diese genauer?

    Katharina

    • Er benutzt dieses Medium, weil er gelesen werden will – selbst, wenn er das “abstreitet” und die ganze “virtuelle Veranstaltung” für ein “Fass ohne Boden” hält. (Siehe meine eigene Andeutung, dass er ja sonst ein stinknormales Tagebuch führen – und es bei persönlichem Missfallen auch wieder verbrennen könnte). Im Grunde schreibt er gerne und einige Sachen vom ihm halte ich für kreativ. Hierbei handelt es sich allerdings um meine Meinung. Sie stützt sich auf den Eindruck, den ich von seinem Blog habe.
      Natürlich kenne ich ihn nicht. (War es das, was Sie meinten?)
      Noch eine Frage, aus verständigungstechnischen Gründen: Ist der erste Satz Ihres letzten Kommentars wirklich eine Frage oder war es nur ein Tippfehler?
      “Eigentlich zielte ich darauf ab, dass ich den Sinn seines Schreibens nicht verstehe?”
      Gruss von Peter

  7. Vorweg: Sie brauchen mich nicht zu siezen und das “?” in meinem ersten Satz war wirklich ein Tippfehler gewesen. Tut mir Leid.😀
    Was ich mit der Kenntnis meinte war, dass ich ihn nicht wie zum Beispiel Hemingway o.a. (es wäre jetzt natürlich übertrieben einen Blogautor mit einem Weltliteraten zu vergleichen) kenne. Ich wusste nicht ob es das war, worauf Sie hinaus wollten oder etwas anderes. Ich hoffe das ist nun klar geworden. Weiterhin stelle ich keinesfalls in Frage, dass der Autor kreativ schreibt. Ganz im Gegenteil. Ich finde den Text sehr, nun ja, auf gewisse Art und Weise aufbauend und stimme dem Autor in mancherlei Hinsicht zu, jedoch drängte sich mir die Frage auf warum er dies in solch einer abfälligen Art sich selbst gegenüber tut. Ich danke für Ihre Antworten. Nun noch ein Schlusswort zu Ihrem vorletzten Kommentar:Ist der Schrei “Hier bin ich!” eines jeden in der realen Welt nicht noch lauter und durchdringender? Ich finde das ist einer der Vorteile des Internets. Man hört die Menschen nicht.
    Liebe Grüße Katharina

  8. @Harry, @Epikur, @Katharina

    Noch mal danke für Eure Kommentare.
    Bitte erlaubt mir ein kleines “P. S.”

    Obwohl der von mir Zitierte mittlerweile die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen, gesperrt hat,
    komme ich doch nicht umhin, seinen letzten Kommentar zu dieser Angelegenheit
    zu zitieren. Es sei ihmgegönnt.
    Nobody is perfect.

    “Liebe Kritiker. Dies ist ein Blog und man kann es lesen.
    Ich schreibe es zum relativ freien Augengebrauch.
    Wenn ich Euch nicht gefalle, vom Schreiben oder Wesen,
    dann lasst doch das Lesen. Und lasst mich bitte auch.
    Ja, mein Stil ist grausig und mein Satzbau beschissen
    und ich schreibe über Kitschkram, Wahnsinn und Mist.
    Aber lasst es mich doch bitte nicht jedes Mal wissen,
    wenn ein Verb mal wieder falsch gebeugt worden ist.
    Oder welcher Text mal wieder einfach nur peinlich war,
    weil ich wohl selbst nicht sehe, wie erbärmlich ich bin.
    Dass ich mit Euch nicht mithalte, damit komme ich klar.
    In Eurer Selbstherrlich-Liga bin ich lieber nicht drin.
    Also spart Euch die Mühe, mich an- und abzuschreiben.
    Eure Rat- und Wortanschläge interessieren mich nicht.
    Ich schreibe wie ich will. Und so wird es auch bleiben.
    Fresst miese Lyrik, Ihr Wichser. Das ist Euer Gedicht.”

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