Arquivo do mês: novembro 2009

Angesammelt

Kenn Dein Limit!

Was solche “Aktionswochen” bewirken können, sei mal dahingestellt. Malt man sich aber nur für einen Augenblick aus, wie viele leere Pullen bundesweit jeden Tag allein in die Container wandern, dann scheint sich die Frage zu erübrigen, welches Rauschmittel sich nach wie vor bester Beliebtheit erfreut, für glänzende Umsätze sorgt und dessen exzessiver Konsum nur zu oft ein Verhalten herbeiführt, das sich in Form von Gewaltdelikten und Verkehrsunfällen in den Statistiken niederschlägt.

Sick Thing!

The worst thing about this modern world is that people think you get killed on television with zero pain and zero blood. It must enter into kids’ heads that it’s not very messy to kill somebody, and it doesn’t hurt that much. That’s a real sickness to me. That’s a real sick thing.

David Lynch

Übernatürliche Phänomene?

Nun mögen das ja Erscheinungen oder Geschehnisse sein, die wir uns rational nicht erklären können. Und es macht dabei im Übrigen keinen Unterschied, ob’s nun um kollektive (theologisch und esoterisch inspirierte) oder individuelle “Überzeugungen” und “Weltbilder” geht – ganz abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei vielen dieser “Visionen” und “Erlebnisse” nur um “Ausgeburten” der menschlichen Phantasie und um Wunschdenken handelt. Das ist nicht der Punkt.

Der Punkt liegt im Begriff selbst: übernatürlich. Was, bitte schön, soll man darunter eigentlich verstehen? Ist die Unfähigkeit, Dinge rational erklären zu können schon eine ernsthafte Grundlage für die Behauptung, sie stünden über der Natur und dem Wesen jener Welt, die uns hervorgebracht hat und in der wir existieren?

Bullshit.

Ironischerweise wird selbst in wissenschaftlichen und philosophischen Kreisen allgemein anerkannt, dass wir nur einen winzigen Ausschnitt der uns umgebenden Realität wahrnehmen können. Mehr noch: es ist eine Binsenweisheit. Obwohl oder gerade weil das nun wirklich keine bahnbrechende Neuigkeit ist, stellt sich die Frage, warum dieser erwiesene Sachverhalt in der ganzen polemisch geführten Auseinandersetzung zwischen Theisten und Atheisten so gut wie keine Rolle spielt. In den mir bekannten Aussagen bekennender Atheisten und in den meisten der (wenigen aber guten) von mir verschlungenen populärwissenschaftlichen Werken, die ein positivistisches Weltbild vertreten, kommt dieser Aspekt wenig oder gar nicht zur Sprache. Und, was noch viel merkwürdiger ist: die Theologen scheinen sich nicht wirklich über die Tatsache im Klaren zu sein, das da jenes Bollwerk positivistischer Argumentation eine nicht unbedeutende Schwachstelle aufzuweisen hat. Sehr seltsam, das Ganze, oder? Dabei böte das doch die Chance zu einem wirklichen Dialog, bei dem unter anderem Begriffe wie “Jenseits” und “Transzendenz” eine ganz neue Bedeutung erhalten könnten.

Eins ist schon mal klar: beide Seiten würden Federn lassen müssen, mit denen sie sich bis dato so gerne schmücken.

Über die Freiheit

Schon die Väter und Mütter des modernen Europa wussten, dass Freiheit keine reine Selbstbefriedigung ist. So gehören Freiheit und Verantwortung unabdingbar zusammen. Nur wer frei ist und immer die Wahl hat sich auch anders zu entscheiden, kann auch verantwortlich handeln. Andererseits sorgt auch nur der verantwortlich Handelnde dafür, dass die Freiheit des Anderen und damit letztlich auch seine eigene gewährleistet bleiben. Immanuel Kant hat mit seiner Definition des kategorischen Imperativs ein brauchbares Instrument zur Überprüfung verantwortlichen Handelns geliefert: “Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.” Das ist mit dem Begriff “Gleichheit” gemeint. Um dem persönlichen Kanon aus Freiheit und Verantwortung noch eine gesellschaftliche Dimension zu geben, wurde der Freiheit und der Gleichheit noch die Brüderlichkeit zur Seite gestellt. Die Brüderlichkeit soll andeuten, dass das Handeln des Einzelnen auch zum Wohle der Allgemeinheit, den Brüdern und Schwestern innerhalb der staatlichen Gemeinschaft dienen soll. Damit ist der Nutzwert einer Gesellschaft definiert. Der Nutzen soll also nicht in der Bereicherung Einzelner liegen, sondern ist in einem sozialen Utilitarismus begründet: “Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück (für alle) entsteht.”
Dieser Dreiklang findet sich im Selbstverständnis aller modernen westlichen Staaten wieder. So auch in der deutschen Interpretation: “Einigkeit (=Brüderlichkeit) und Recht (=Gleichheit) und Freiheit”. So gesehen wendet sich der Neoliberalismus oder auch Marktradikalismus gegen das Grundverständnis der Bundesrepublik Deutschland und ist damit im Grunde verfassungsfeindlich. Und noch etwas sei den Ideologen des Wettkampfes ins Stammbuch geschrieben: jede Ideologie ist ein Feind der Freiheit. Denn aus den eng begrenzten Handlungsmöglichkeiten, die eine Ideologie bietet, entstehen immer wieder Sachzwänge. Es gibt mit der ideologischen Brille betrachtet keine Alternative zu Hartz IV, zum Niedriglohnsektor, zur Rente mit siebenundsechzig oder zum Krieg in Afghanistan. Wer sich jedoch in den warmen Schoss des ideologischen Sachzwangs begibt, entledigt sich der Bürde der Verantwortung wie auch der Ungewissheit der freien Entscheidung. Wenn Ideologen Verantwortung übernehmen und von Freiheit reden kann man sicher sein, dass beides zum Nutzen einer bestimmten Klientel abgeschafft wird.

Von Wolfgang Buck