Über die Freiheit

Schon die Väter und Mütter des modernen Europa wussten, dass Freiheit keine reine Selbstbefriedigung ist. So gehören Freiheit und Verantwortung unabdingbar zusammen. Nur wer frei ist und immer die Wahl hat sich auch anders zu entscheiden, kann auch verantwortlich handeln. Andererseits sorgt auch nur der verantwortlich Handelnde dafür, dass die Freiheit des Anderen und damit letztlich auch seine eigene gewährleistet bleiben. Immanuel Kant hat mit seiner Definition des kategorischen Imperativs ein brauchbares Instrument zur Überprüfung verantwortlichen Handelns geliefert: “Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.” Das ist mit dem Begriff “Gleichheit” gemeint. Um dem persönlichen Kanon aus Freiheit und Verantwortung noch eine gesellschaftliche Dimension zu geben, wurde der Freiheit und der Gleichheit noch die Brüderlichkeit zur Seite gestellt. Die Brüderlichkeit soll andeuten, dass das Handeln des Einzelnen auch zum Wohle der Allgemeinheit, den Brüdern und Schwestern innerhalb der staatlichen Gemeinschaft dienen soll. Damit ist der Nutzwert einer Gesellschaft definiert. Der Nutzen soll also nicht in der Bereicherung Einzelner liegen, sondern ist in einem sozialen Utilitarismus begründet: “Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück (für alle) entsteht.”
Dieser Dreiklang findet sich im Selbstverständnis aller modernen westlichen Staaten wieder. So auch in der deutschen Interpretation: “Einigkeit (=Brüderlichkeit) und Recht (=Gleichheit) und Freiheit”. So gesehen wendet sich der Neoliberalismus oder auch Marktradikalismus gegen das Grundverständnis der Bundesrepublik Deutschland und ist damit im Grunde verfassungsfeindlich. Und noch etwas sei den Ideologen des Wettkampfes ins Stammbuch geschrieben: jede Ideologie ist ein Feind der Freiheit. Denn aus den eng begrenzten Handlungsmöglichkeiten, die eine Ideologie bietet, entstehen immer wieder Sachzwänge. Es gibt mit der ideologischen Brille betrachtet keine Alternative zu Hartz IV, zum Niedriglohnsektor, zur Rente mit siebenundsechzig oder zum Krieg in Afghanistan. Wer sich jedoch in den warmen Schoss des ideologischen Sachzwangs begibt, entledigt sich der Bürde der Verantwortung wie auch der Ungewissheit der freien Entscheidung. Wenn Ideologen Verantwortung übernehmen und von Freiheit reden kann man sicher sein, dass beides zum Nutzen einer bestimmten Klientel abgeschafft wird.

Von Wolfgang Buck

8 Respostas para “Über die Freiheit

  1. Zum Nutzen einer bestimmten Klientel werden Ideologien immer verwendet.

    Und: Ideologien verkehren das mit der Menschlichkeit immer in Richtung Unmenschlichkeit. – Auf Dauer: Alles was nicht für sie ist, ist ausnahmslos gegen sie, nämlich gegen die Chefideologen.

    • Genau das ist eigentlich schade, weil die meisten Ideologien (nicht alle!) sich ja auf Ideen, Gedanken und Hoffnungen berufen, die im Grunde positiver Natur sind (oder waren). Anders gesagt: zwischen Adam Smith und dem Neoliberalismus liegen im Grunde genauso Welten wie zwischen Marx und Stalin.

  2. Es hat auch was von: “Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du Knoblauch essen!”

  3. Ja, Knoblauch ist wirklich gesund: Atheroskleroseprohylaxe, Blutdruck senkend. Man muss ihn aber täglich und das ein Leben lang einnehmen; von daher empfehlen sich Fertigpräparate, diese riechen nicht. – Und, um beim hiesigen Thema zu bleiben, der Wahrheit letzter Schluss ist es auch nicht. Ich meine es nämlich auch so:

    Eine Minderheit getraut sich, trotz „sozialer Ächtung“, Knoblauch in der empfohlenen täglichen Dosis einzunehmen: 4 Gramm frische(!), zerkleinerte Knoblauchzwiebeln. Dazu gehört seitens des Anwenders eine gewisse starke, wenn nicht starre Überzeugung bezüglich des Wahrheitsgehalts der Aussage: Knoblauch ist gesund! (Entweder ist es der fanatische Typ; oder: so ganz hundertpro ist diese Person vielleicht sogar selbst nicht überzeugt: Anhänger werden hingegen (weitere innere) Überzeugungskraft geben.)
    Er/Sie möchte jetzt auch gerne andere davon überzeugen (auch ein bisschen dazu erpressen): „Mit Knoblauch wirst du gesund alt! Glaub´s mir! – Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du Knoblauch essen!” – Mit anderen Worten: Du musst Dich nur überwinden, dann wirst Du das Heil sehen. Allgemein wichtig zu beachten ist: Die eingeforderte Liebe hat nichts mit dem Wahrheitsgehalt der Aussage „Knoblauch ist gesund“ zu tun!
    Jetzt nimmt die andere Person auch täglich Knoblauch und merkt, dass sie jetzt auch etwas Besonderes ist. Sie verfährt ebenso mit weiteren Personen, vielleicht noch ein wenig unfreundlicher als es eben noch der Urheber der ganzen „Rettungs“-Aktion war. (Bis zum „Schluss“ werden es wenige Anhänger bleiben; sie haben aber die Kraft die „Mehrheit“ zu tyrannisieren.)
    Sind alle „Sentenzen“ richtig installiert, heißt das für die heilsgläubigen beziehungsweise abhängigen Personen nun:
    Wenn ich jetzt aufhörte, dann glaubt XY ich liebe ihn nicht mehr und wird mir böse – an wen sollte ich mich dann noch wenden? (Ich habe mich ja schließlich auch aufgrund der sozialen Ächtung (Knoblauchmief) zuvor schon schön von anderen Menschen isoliert gehabt.)
    Wenn ich jetzt aufhörte Knoblauch zu essen, werde ich krank – wenn nicht jetzt, so doch spätestens im Alter.
    Also, wie auch immer: Ich muss weiter machen.

    Ich hoffe, das waren jetzt nicht zu viele „Infos“ zu dicht gedrängt. Ich denke, so ist einer der Mechanismen, einiger der von Dir angesprochenen Lehren. – Der Grat zur „Destruktiv“-Ideologie und damit zur Freiheitsberaubung beziehungsweise Freiheitseinschränkung ist halt immer schmal.

    Der Vergleich Ideologie und Knoblauch hinkt vielleicht etwas dahingehend, dass man beweisen kann, dass Knoblauch die oben angegebenen gesundheitlichen Wirkungen hat. Die Wahrheit von („Destruktiv“-)Ideologien kann gerade eben nicht bewiesen werden – das ist ein weiteres ihrer Kennzeichen. Aber, wie gesagt: Knoblauch jeden Tag, pur und frisch und klein geschnitten?

    Vielen Dank für Deinen Hinweis mit dem Humor: Ich fasse das sehr gerne als Kompliment von Dir auf.

    • Danke für die ausführliche Antwort. Der Kommentar, auf den Du dich bezogen hast, hatte ich zwar wieder gelöscht (ich fand ihn nicht ganz angemessen; mir kamen ähnliche Zweifel in Bezug auf den Vergleich “Knoblauch=Ideologie/politische Meinung” auf wie Dir), aber das tut jetzt auch nichts mehr zur Sache.(Ich esse zum Beispiel gerne frischen Knoblauch – zwar nicht regelmässig, aber in einigen Gerichten darf er einfach nicht fehlen).
      Abgesehen davon: dass man die Wahrheit destruktiver Ideologien nicht (!) beweisen kann, halte ich für eine interessante Beobachtung. Den Neoliberalismus halte ich für eine solche, da sie – siehe Post – die Selbstsucht zum alleinigen Heilmittel erklärt. Das steht nicht unbedingt im Widerspruch zu dem Gedanken, dass marktwirtschaftliches Handeln positive gesellschaftliche Impulse zu geben vermag. (Wir sind halt nicht nur soziale Wesen, sondern auch auf unsere ureigenes persönliches Interesse bedacht). Auch hier handelt es sich mal wieder um eine Grat-Wanderung: immer dann, wenn sich die “Gewichte” zu stark auf eine einzige Seite verlagern, ist Gefahr (Ideologie) in Verzug.
      Und “Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du Knoblauch essen”, halte ich in der Tat für ein Zeichen von Humor.

  4. Hatte mich schon gewundert, und dachte, dass es mal wieder irgendwie an mir gelegen hätte, dass ich da irgendwas nicht mitgekriegt habe mit Deinem “verschwundenen” Kommentar. Und dann dachte ich, wolltest Du lieber, dass ich Dir nur per E-Mail antworte, aber dann dachte ich, löschen kannst Du meinen Kommentar immer noch. Naja, das ist aber mein Problem.

    “Und noch etwas sei den Ideologen des Wettkampfes ins Stammbuch geschrieben: jede Ideologie ist ein Feind der Freiheit. Denn aus den eng begrenzten Handlungsmöglichkeiten, die eine Ideologie bietet, entstehen immer wieder Sachzwänge.” So steht es in Deinem Post. Und: eben!

    Nicht nur die destruktiven Ideologien lassen sich nicht beweisen, auch der Wahrheitsgehalt positiver Ideologien lässt sich nicht beweisen, nicht überprüfen.

    Gemeinsam ist allen: Aufgrund dieser, verkürzt gesagt, oft schwammigen, da eben nicht beweisbaren, Aussagen solcher Ideologien, lässt sich allerlei “Zeugs” (auch menschenverachtendes) im Namen dieser Ideologien diktieren (die vom eigentlichen Urheber evtl. gar nicht immer so gemeint waren; oft sind die Nachfahren (Schüler) radikaler als die Meister). Und: Alles, was nicht für uns ist, ist gegen uns, und muss kontrolliert (der Freiheit beraubt) werden, nötigenfalls beseitigt werden – diese Tendenz ist allen Ideologien implizit und stellt deren große, große Gefahr dar, derentwegen sie nicht nur berühmt sondern auch zurecht berüchtigt sind!

    Ich freue mich wirklich über Dein Lob meines Humors! Ich hatte im Nachhinein erst schon gedacht, Du hättest vielleicht diesen Kommentar falsch auffassen können. Es geht übrigens noch stärker, da kommt dann das Repressive, Vereinnahmende noch besser raus: “Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du gerne Knoblauch essen.”

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