Arquivo do mês: junho 2010

Medienei oder Nutzerhuhn?

Frage mich gerade, wer eigentlich wirklich die Druckerpresse erfunden hat: Johannes Gutenberg oder der “Zeitgeist” einer Gesellschaft, die eine solche Form der Kommunikation suchte?

Ähnliches könnte man über die digitalen Medien denken. Vielleicht suchten wir ja einfach nur einen guten Vorwand dafür, uns menschlich einigeln zu können. Wie auch im Falle Gutenbergs wären dann die Erfinder von Netzwerken wie Facebook nichts anderes als Seismographen, die unsere Wünsche registrieren und zu verwirklichen helfen.

“Wären”, wohlgemerkt. Klar ist das nämlich nicht. Siehe ganz oben.

Nachtrag vom 2. Juli
Apropos “Henne und Ei”: Ein lesenswertes Post darüber, welchen Einfluss das Internet auf unser Denken hat, findet man hier. Und – man mag mir diesen Reflex entschuldigen – was hat Reflexion eigentlich mit Reflektion zu tun? Asche auf mein nicht reformiertes Sprach-Haupt!

Mesmo sem bola de cristal …

Christian Wulff, no 23 de maio de 2009, após da reeleição do seu antecessor.

… já é possível prever o resultado das eleições presidenciais de hoje. Embora a oposição tenha lançado um concorrente popular, o candidato de Merkel será o novo Presidente da Alemanha.

Kleine Kometenprosa

Wenn der Schweif des Mutterkometen die Erdumlaufbahn kreuzt, gehen die unzähligen mitreisenden Partikel in Form von Sternschnuppen vom Himmel nieder.

Mit den besten Grüßen von Giacobini-Zinner.

Critérios para escolher um amigo

Primeiro, ficar alegre com a minha alegria. Pessoas invejosas, críticas e destrutivas não nos ajudarão na nossa sanidade e dignidade.

Segundo, aceitar o meu “não”. Amigos controladores, que querem me submeter e não aceitam minha autonomia, vão atrapalhar meu equilíbrio emocional.

Terceiro me ajudar a conviver com minhas fraquezas em vez de estar o tempo todo me criticando. Amigos que se arvoram em ser meus educadores, terapeutas e guias espirituais acabam minando minha auto-estima e dificultando minha aceitação como pessoa humana, o que é essencial para minha felicidade.

Antonio Roberto Soares

E vice-versa: Não adianta esperar aquilo de um amigo sem poder cumprir o mesmo.

Superbe! (Nix für Twitter!)

Das Substantiv
ist primitiv.

Das Verb dagegen
ist superbe.

Das ist doch mal was …

Kommt mir bekannt vor, von A bis Z:

Abwechslung, Gedanken, klarer Kopf, Wetter …

Nur dass es heute nieselt.

Und dass es nicht Tag ist,
sondern Abend.

Und dass es nicht Frühling ist,
sondern Herbst.

Und dass ich keinen Schnee zu riechen meine.

Und dass ich kein Heimweh habe.
Zumindest nicht heute.

Aber sonst …

Liebe Weltverbesserer!

Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden. Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selbst zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei. Sei du selbst, so ist die Welt reich und schön! Sei nicht du selbst, sei Lügner und Feigling, so ist die Welt arm und scheint dir der Verbesserung bedürftig.

Gerade jetzt, in dieser wunderlichen Zeit, wird das Lied von der Weltverbesserung wieder so heftig gesungen, so heftig gebrüllt. Wie übel und trunken es doch klingt, hört ihr es nicht? Wie wenig zart, wie wenig glücklich, wie so wenig klug und weise es klingt!

Es wird von euren Feinden gesungen, in einem Chor, wo einer wider den anderen singt, einer den anderen totsingen möchte. Merkt ihr nicht: überall, wo das Lied angestimmt wird, da sind Fäuste in der Tasche geballt, da geht es um Eigennutz und um Selbstsucht – ach nicht um die Selbstsucht des Edlen, der sein Selbst zu erhöhen und zu stählen sucht, sondern um Geld und Geldbeutel, um Eitelkeiten und Einbildungen.

Höret auf die Stimme, die aus euch selbst kommt! Wenn sie schweigt, diese Stimme, so wisset, dass etwas schief steht, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass ihr auf dem falschen Wege seid.

Geklaut aus “Zarathustras Wiederkehr”, Hermann Hesse

Kurze Zitate sind besser als lange. Gerade und vor allem im Netz. Trotzdem komme ich mir in diesem Falle vor wie ein mieser Schnipsler. Das hat das Hesse-Bändchen “Eigensinn macht Spass” (Suhrkamp-Verlag) nun wirklich nicht verdient. Denke aber schon, dass das Wesentliche ganz gut herausgepickt wurde. Bis auf ein Detail, den Preis, den man für die Suche nach dem Selbst bezahlen muss. Auf die eigene Stimme zu hören, ist mit unangenehmen Risiken und Nebenwirkungen verbunden: man hat Zweifel, man ist einsam, man leidet. Selbstfindung ist ein schmerzhafter Prozess. Kein Wunder, dass man dazu neigt, ihn zu meiden wie den Zahnarzt.

Und dann ist da noch die Sprache: der Begriff der Selbstsucht ist ja heutzutage – und nicht ganz grundlos – eher negativ behaftet. Stichwort Hedonismus. Und wenn vom “Edlen” die Rede ist, der sein Selbst zu “stählen” sucht, dann mag sich Befremden breit machen. Missdeutung und Missbrauch sind nicht ausgeschlossen. Hierzu ein Deutungsvorschlag: “Edle” sind eben keine Übermenschen, sondern gerade jene, die versuchen, das zu sein was sie sind, mit all ihren Eigenarten. Und “gestählt” werden sie, wenn sie auf der Suche nach ihrer menschlichen Individualität dazu in der Lage sind, den Konsequenzen ins Gesicht zu sehen und sich daraus ergebendes Leiden auf sich zu nehmen und es zu verarbeiten.

Offline 1

Notiert am 05.06.2010

Auf einer kleinen überdachten Veranda an diesem angenehm kühlen, verregneten Samstag die großblättrigen subtropischen Gewächse eines Gartens zu bewundern, der ständig von urwüchsiger Mata Atlântica “bedroht” wird, und dabei einen Laptop ohne Internet-Zugang auf dem Schoß zu haben, ist eine klärende Erfahrung. Der Laptop wird zur Schreibmaschine, der Schreiber ist kein Blogger, Tweeter, Forist, Surfer, sondern ein Individuum ohne virtuelle Resonanz, ohne “Öffentlichkeit”, ohne das mögliche, aber nicht unbedingt wahrscheinliche Feedback anderer, also ohne den “Spiegel”, den er sich selbst laufend vorhält, wenn er sich einloggt.

Wäre unser Ego nicht so gestrickt, dann würde es vieles im Internet nicht geben: so viele sinnlose Posts, so viele blödsinnigen, nichtssagenden Kurz-Kommentare auf Twitter oder Facebook, oder wo auch immer. Und dieser Text ist halt auch nicht so, wie er wäre, wenn es sich um eine persönliche Tagebuch-Notiz handeln würde; er verschwindet nicht in einer Schublade: jene dubiose Öffentlichkeit, die mir in diesem zauberhaften Augenblick mangels einer nicht vorhandenen Internet-Verbindung “versagt” ist, beeinflusst genau eben das, was ich gerade schreibe. Schließlich nehme ich die “Schreibmaschine” morgen mit nach Hause, um das “hässliche analoge Entlein” wieder in einen “digitalen Schwan” verwandeln zu können. Oder so ähnlich …

Kurz: ja, ich bin eitel! Ich poste nicht nur, weil ich gerne schreibe, sondern eben auch deshalb, weil ich mir wünsche, dass andere lesen mögen, was ich hier gerade herunter tippe.

Machen wir uns nichts vor: welchen anderen Sinn könnte ein Blog haben?

Tirem as mãos!

Estimados editores, diretores de TV, criadores de eventos, gerentes de shoppings! Estimados planejadores de parques temáticos, paradas gay, exposições e de qualquer outro tipo de nonsense. Tirem as mãos do nosso tédio! É a última janela do nosso ego, de onde ainda podemos observar o mundo sem sermos perturbados, sem sermos controlados. Parem de se apresentar a nós. Parem de criar algo para nós. Não nos digam mais o que queremos. Afastam-se; não mandem cortesias e não nos entreguem questionários. Parem de nos entrevistar, de nos filmar, deixem-nos em paz. Deixem-nos ociosos, pois a ociosidade significa liberdade. E contentem-se com o fato de que, às vezes, não queremos contar o que nos interessa a vocês.

Trecho do discurso de Wilhelm Genazino, após de receber o Georg-Büchner-Preis, em 2004.

Tradução: Peter Hilgeland

Finger weg!

Sehr geehrte Chefredakteure, Programmleiter, Fernsehdirektoren, Eventdenker, Kaufhauschefs! Sehr verehrte Planer von Freizeitparks, Loveparades, Expo’s und all dem anderen Nonsens! Laßt die Finger weg von unserer Langeweile! Sie ist unser letztes Ich-Fenster, aus dem wir noch ungestört, weil unkontrolliert in die Welt schauen dürfen! Hört auf, uns mit euch bekannt zu machen! Hört auf, euch für uns etwas auszudenken! Sagt uns nicht länger, was wir wollen! Bleibt uns vom Leib, schickt uns keine portofreien Antwortkarten und gebt uns keine Fragebögen in die Hand, interviewt uns nicht, filmt uns nicht, laßt uns in Ruhe! Laßt uns herumstehen, denn Herumstehen ist Freiheit! Und gebt euch zufrieden damit, wenn wir das, was uns interessant vorkommt, vielleicht niemandem erzählen wollen.

Kleiner, aber feiner Auszug aus der Dankrede von Wilhelm Genazino.

Schneeschmelze sei Dank!