Medienei oder Nutzerhuhn?

Frage mich gerade, wer eigentlich wirklich die Druckerpresse erfunden hat: Johannes Gutenberg oder der “Zeitgeist” einer Gesellschaft, die eine solche Form der Kommunikation suchte?

Ähnliches könnte man über die digitalen Medien denken. Vielleicht suchten wir ja einfach nur einen guten Vorwand dafür, uns menschlich einigeln zu können. Wie auch im Falle Gutenbergs wären dann die Erfinder von Netzwerken wie Facebook nichts anderes als Seismographen, die unsere Wünsche registrieren und zu verwirklichen helfen.

“Wären”, wohlgemerkt. Klar ist das nämlich nicht. Siehe ganz oben.

Nachtrag vom 2. Juli
Apropos “Henne und Ei”: Ein lesenswertes Post darüber, welchen Einfluss das Internet auf unser Denken hat, findet man hier. Und – man mag mir diesen Reflex entschuldigen – was hat Reflexion eigentlich mit Reflektion zu tun? Asche auf mein nicht reformiertes Sprach-Haupt!

8 Respostas para “Medienei oder Nutzerhuhn?

  1. Hier habe ich, denke ich, einen interessanten Link zum Thema für Dich gefunden.

  2. Interessant finde ich auch noch das hier. War Platon der erste Seismograph?

    • Scheint laut dem von Dir verlinkten Artikel tatsächlich so gewesen zu sein. Zwar nicht im dem Sinne, dass Platon etwas “Konkretes” realisierte, wie zum Beispiel die Druckerpresse oder so eine blödsinnige Social-Media-Seite wie Facebook.

      Sondern eher, weil die von Kennedy untersuchten “Muster” ein Lebensgefühl, also einen “Zeitgeist” auszudrücken scheinen, der bei vielen von Platons klarsichtigen Zeitgenossen vorherrschend gewesen sein mag. Anders gesagt konnten jene von Platon mittels “poetischer Technik” angedeuteten Ideen – welche seinen Meister das Leben kosteten – nur deshalb “ankommen”, weil es wohl damals eine “aufnahmebereite Leserschaft” gegeben haben muss, die ähnlich dachte wie er.

      Der “Seismograph Platon” muss sich schon seines “Publikums” bewusst gewesen sein, als er die Politeia mit seinen kunstvoll eingewebten Andeutungen versah.

      • Naja, Platon (und Sokrates) waren eben weniger Handwerker, denn Philosophen. Jeder Fortschritt zu seiner Zeit? War es hier das Bedürfnis Erkenntnisse zu sammeln und weiterzuvermitteln und fand es hier seine Befriedigung und Erfüllung in der Person des Platon – auch im Sinne einer Katharsis?

        Und (fast) ebenso: läutete Gutenberg mit der Erfindung der Druckerpresse gleichzeitig das Ende dieses schrecklichen Mittelalters ein – und damit wiederum den Beginn von etwas Neuem? Es gab die Mittel und das Bedürfnis. Das Bedürfnis, dass auch das gemeine Volk, das Bürgertum – und nicht nur die Kirche, die Gelehrten (oft genug identisch) und der Adel – die gelehrten Ideen (u.a.) lesen können sollte.

        Und Leonard Kleinrock (s.o. der erste von mir verlinkte Artikel (inkl. Video))? Es gab Computer (schon lange). Das konkrete Bedürfnis – denn an ihn wurde es direkt herangetragen –, aber war, zwei Computer miteinander zu verbinden. Das Internet ward geboren.

        Jeder Fortschritt zu seiner Zeit.

        Übrigens: Blödsinnige Social-Media-Seite Facebook…?🙂

        • War es hier das Bedürfnis Erkenntnisse zu sammeln und weiterzuvermitteln und fand es hier seine Befriedigung und Erfüllung in der Person des Platon – auch im Sinne einer Katharsis?

          Interessanter Gedanke. Vielleicht könnte man auch sagen, dass solche Leute immer schon “Prismen” waren, in denen sich die Gedanken der Zeit “bündelten” und “manifestierten”. Die Zeit brachte das Prisma hervor und dieses wiederum bündelte ihren “Geist”. Zu gewagt? Vielleicht …

          Oder: zuerst wurde der Computer entwickelt, um Daten besser zu verarbeiten und speichern zu können. War es da nicht abzusehen, dass sich schier zwangsläufig auch irgendwann die Idee “ergeben” musste, diese zwischen den einzelnen “Geräten” auszutauschen?

          Der Computer als Prisma seiner Zeit, welcher wiederum selbige verändert …

          Womit wir dann, wenn auch etwas holperig, wieder bei Facebook wären. Für mich ist es nach wie vor nicht klar festzumachen, ob so eine Seite das Ei ist oder das Huhn.

          Was mich aber trotzdem nicht davor hat zurückschrecken lassen, mein Account dort endgültig zu löschen.

          • HarryH_III

            Dass Du ihn endgültig gelöscht hast!?

            (Facebook) Vielleicht so: Der Mensch dahinter ist das Huhn, Facebook ist das Ei. – Facebook ist das Huhn und seine Nutzer sind die Eier. – Die Nutzer sind die Hühner und die Kommentatoren, Bilder, Posts, Mitglieder und was nicht noch alles sind die Eier.

            Auf der Ebene Facebook – User: Je nachdem wie die Nutzungsbedingungen sind, gibt es braune, gesprenkelte, runde, glipschige, hohle, befruchtete, eindrückbare, kristallklare usf. Eier.

            Ansonsten: Prisma – weiß nicht so recht.
            Rückbezüglichkeit, Rückkoppelung diesen Begrifflichkeiten könnte ich mich sehr wohl anschließen.

          • philgeland

            Rückkoppelung. Das ist es.

            Wobei man vermuten kann, dass es sich hierbei um einen permanenten Prozess handelt.
            Nicht nur “zeitgeisttechnisch” gesehen …

            Ursache und Wirkung bedingen sich gegenseitig.
            Das Eine würde es ohne das Andere nicht geben.
            Und vice-versa.

  3. ad. Nachtrag vom 2.Juli)

    Ich habe hier noch etwas für Dich gefunden, was nochmals die Thematik des von Dir angegebenen Links bespricht. (Nebenbei, Peter Kruse war einer meiner früheren Professoren.)

    Apropos: mein verlinktes Interview könnte für Dich auch jenseits Deines aktuellen Artikels, nämlich bezüglich Deiner weitergehenden Fragestellungen an das Web 2.0 von Bedeutung sein, so denke ich.

    Das Interview mit Peter Kruse wird für Dich vermutlich so richtig interessant ab der Frage: „Menschen, die die vielen kleinen Info-Happen in ein größeres Bild einordnen können?“

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