Moment mal!

Der “Moment” ist eingefangen, gezähmt und zur Plakette der dauerfeuernden Imformationsabteilung “Konsum” geworden, so dass bei allen Versuchen wenigstens temporäre Zufriedenheit im Nichtstun zu erlangen, erstmal die Mauern der biersüffelnden, waschmittelschnüffelnden und bergstraßenfahrenden Verheißungen nieder gerissen werden müssen, die einem den schönen Moment der Gegenwärtigkeit vernebeln. Die Welt wird nicht kleiner, sondern schneller – wir leider auch und nicht größer. Wir werden fragmentiert, teilchenbeschleunigt, aus dem Zusammenhang gerissen und in immer neue Verpackungen gestopft, beinahe unfähig uns auszupacken und anzuhalten. Ich habe Angst davor, von der Vergangenheit in die Zukunft ohne Gegenwart leben zu müssen.

Argwohn tut Not.

8 Respostas para “Moment mal!

  1. So etwas ist mir immer deutlich zu anstrengend, nachgeradezu enervierend.

    Besides, wir können nicht im Moment leben. Immer wenn wir meinen, wir wären im Moment (dieses im-Moment-sein) – ist er schon wieder weg.

  2. Dessen war ich mir auch bewusst: Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass ich obige “Angst” als ziemlich an den Haaren herbeigeschrieben empfinde.

    Gemeint war es wahrscheinlich eher im Sinne: Technik (und was so dazu gehört) als extrauterine Geburt. Also, die schöne neue Welt, inklusive der Welt des Konsums, als eine Frucht des Menschen – aber ohne Nabelschnur (und Muttermilch). Wir haben das Ganze in die Welt gesetzt, es aber virtuos handlen?!

    Dennoch, enervierend zu lesen bleibt so etwas für mich.

    • Nun zerfällt der Inhalt des Zitates ja ganz klar in zwei Hälften. “Zerfällt” ist das richtige Wort. Es gibt keine wirkliche “Überleitung” von einem “Thema” zum anderen.

      Und irgendwie hast Du schon Recht: es ist “dahingeschrieben”, vielleicht zu spontan, das Ganze mag nach Katharsis riechen, oder wie man das auch immer umschreiben mag. Hier greift, wie ich finde, Dein Eindruck, also Deine Kritik, wenn Du den Text als “an den Haaren herbeigeschrieben” empfindest. Und der letzte Satz mit der “Angst”? Nun ja, ich gestehe, dass ich kurz überlegt habe, ihn nicht zu zitieren. Vielleicht streiche ich ihn noch. Er hinterlässt einen leicht pathetischen Nachgeschmack … Das alles als “enervierend” (ist das eigentlich ein Synonym für “nervend”?) zu bezeichnen, kann ich von daher gut nachvollziehen.

      Was mir allerdings – inhaltlich wie sprachlich – sehr zusagt, ist der erste Teil. Und der bezieht sich nicht nur “inklusive” – also unter anderem – auf die Welt des Konsums. “Er” und dessen Auswirkungen sind das einzige und damit eigentliche Thema. Ich sehe da auch gewisse Gemeinsamkeiten mit einem anderen Zitat.

      Ehrlich gesagt: mir gefällt der Blog des “Verursachers” dieser interessanten Diskussion. Im Grossen und Ganzen. Ich habe gestern und heute ein wenig darin herumgestöbert und bin dabei auf anregende Beiträge gestossen. Teilweise wegen ihres Inhalts, teilweisen wegen ihres Stils. Nun, die Geschmäcker sind halt verschieden …

      P. S. Was meinst du mit “virtuos” handeln?

  3. enervierend bedeutet für mich mehr so etwas wie auf Dauer nervtötend, die Nerven reizend; nervend mit garantierter Steigerung auf der Zeit-Achse, mehr und mehr; es geht auch etwas (gewollt) Aktives vom enervierenden Objekt aus. nervend ginge vermutlich auch, würde für mein Empfinden eher so einen punktuellen Aspekt betonen. Nervend ist eher stechend, enervierend ist eher schabend – gemäß meinem Empfinden.

    Ich habe gerade mit dem ersten Teil so meine Probleme. (Der zweite Teil beginnt vermutlich bei: “Die Welt wird nicht…”) Hm, aber auch mit dem zweiten Teil hadere ich. Das fällt wahrscheinlich nur schon nicht mehr so ins Gewicht, meine Sinne sind noch zu vernebelt vom ersten Teil und schaffen es, bis zum Schluss, nicht mehr rechtzeitig wach zu werden. “An den Haaren herbeigeschrieben” – habe ich eben deswegen so geschrieben: Das soll meinen Eindruck betonen, dass da so manche Beschreibungen geschrieben wurden, einfach nur um des Wirbels Willen, der tiefere Sinn ist nur vorgegaukelt. Ich empfinde diese Art etwas darzustellen als zu verschnörkelt (Adjektivitis, Adverbiitis; aber wohl auch so etwas wie moderne Literatur). – Nun ja, wie Du schon sagtest, wohl einfach eine Geschmackssache.

    virtuos handlen (“händeln”) – intuitiv umgehen. Nimmt Bezug auf: Die Menschen haben die Technik (s. im Post: “dauerfeuernde Informationsabteilung”; z.B. “teilchenbeschleunigt”) beziehungsweise den Konsum in die Welt gesetzt. Verkürzt gesagt: Die Annahme ist nun, dass der Mensch diese seine Errungenschaften (Technik, Konsum) nicht virtuos handlen kann, mit ihnen nicht intuitiv umgehen (spielen) kann, eben weil sie eine extrauterine Geburt gewesen sind (und noch sind). (Manchmal taucht in ähnlichem Zusammenhang wohl auch der Begriff der Entfremdung auf.)

  4. P.S.: Dein Zitat via Schneeschmelze finde ich hingegen klasse!

  5. Nein, ich werde dieses Post nicht löschen, obwohl Du nicht von der Hand zu weisende Argumente dafür geliefert hast.

    Erlaube mir, einfach drauflos zu antworten, ok? Ganz ohne Reihenfolge.

    „Enervierend“ wäre also Deiner Auffassung nach die negative Variante von „anregend“ und „nervend“ dagegen einfach nur „abnutzend“. Eine sprachlich sehr feinfühlige, fast nicht zu greifende Differenzierung, die wohl nur in der deutschen Sprache zu finden ist.

    I love it.

    „Virtuos handeln“ („händlen“ gefällt mir weniger) erinnert an den intuitiven Umgang eines „Könners“ (Künstlers?) mit „vorgegebenen“, schon vorhandenen Instrumenten, Farben, Werkzeugen oder was auch immer. Ein Virtuose wäre dann also jemand, der das Gegebene in einer fast transzendent anmutenden Art und Weise zu nutzen und zu „erweitern“ versteht. Sich jener Dinge bedienend, die „extrauterin“ geschaffen wurden. (Das Wort war mir neu …)

    Ich kann Dir nur zustimmen: wir sind schon in der Lage dazu, selbständig zu handeln, trotz aller medialer Beeinflussung.

    Das ist aber nicht immer leicht.
    Stichwort „Entfremdung“.

    Die Tatsache, dass der Begriff im Text nicht erwähnt wird, Du ihn aber zur Sprache bringst, könnte (!) ein kleiner Beleg dafür sein, dass die Aussage des Textes, trotz seiner Spontaneität und der möglichen Absicht des Autors, einfach nur um „des Wirbels willen“ zu schreiben, nicht ganz ohne „Substanz“ ist.

    „Dauerfeuernde Informationsabteilung“ ist eine Wortschöpfung, der ich etwas abgewinnen kann. Sie ist der Versuch, etwas in sehr kompakter Form auszudrücken. Und das gelingt hier, wie ich finde. Ähnliches trifft auf die „Teilchenbeschleunigiung“ zu.

    Alles in allem also ein Vokabular, welches auf eine administrative, wissenschaftliche und sogar militärische Sprache zurück greift. Automatismus, Indifferenz, Krieg …

    Wie dem auch sei: obiges Zitat mit dem Auszug aus einer Büchnerpreis-Rede vergleichen zu wollen, ist natürlich kein Thema.

    • Um Gottes Willen, ich würde Dir niemals dazu raten oder Dich nachgeradezu überreden wollen einen Deiner Posts zu löschen, auch nicht in Teilen!

      Ich denke, dass Du das mit dem Enervieren richtig aufgenommen hast – vom Klang her sollte es auch etwas Naserümpfendes vermitteln (suggerieren).

      handlen (ausgesprochen: händeln) war so eine kleine anglizistische Spielerei, apropos spielerisch, meinerseits; in dem Zusammenhang fand ich es halt nett.

      Das ist aber nicht immer leicht.
      Stichwort „Entfremdung“.”

      Dahinter “verbirgt” sich: Depressionen, Burnout, ADS, Medikamenten-Abusus usw., die als Folgen eines nahezu ubiquitären Status von Technik und Konsum gesehen werden – weil Technik und Konsum eben eine extrauterine Geburt sind. Extrauterin, weil es etwas ist, dass uns aus dem Ruder, aus der Hand läuft; wir haben “es” zwar geschaffen, aber “es” hat keinen Bezug zu uns, genauso wenig wie wir einen Bezug zu “es” haben. Technik und Konsum sind – insofern – “größer” als wir.
      Dass die Intention des Verfassers – trotz aller Hindernisse – angekommen ist: na, wir sind halt aufnahmefähig und wir wollen halt verstehen (mit etwas Pathetik, aber nicht viel).

      “Wirbel um des Wirbels Willen” – stellt für mich auch einen Hinweis auf eher mangelnde Authentizität dar (die ich somit unterstellte).

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