Arquivo do mês: outubro 2010

Antievolutionär

Ich glaube, dass es ein höheres Wesen gibt, und dass man diesem höheren Wesen, das ich mich nicht scheue als Gott zu bezeichnen, doch zubilligen muss, dass es sich auf verschiedenen Wegen den Menschen offenbart. Zum Beispiel durch verschiedene Propheten. Ich finde diese konfessionelle Feindlichkeit unter den Völkern etwas Unmögliches, denn das ist doch nur eine Bevormundung von Gott, wenn man ihm sagt: “Du kannst nur als der christliche Gott in Erscheinung treten.” Wenn Gott wirklich allmächtig ist, warum kann er sich dann nicht durch Echnaton, Moses, Jesus, Mohammed, Buddha und Konfuzius den Menschen kundtun?

Was mich so aufregt, ist der Fundamentalismus, denn der ist ausgesprochen antievolutionär. Das Leben ist ja eine Evolution nicht nur im Biologischen, sondern auch im Geistigen …

Die Dnge, die wir heute erkennen können, konnte man vor Tausenden Jahren nicht erkennen, und deswegen finde ich, ist das evolutionäre Denken auch in religiôser Hinsicht so wichtig und der Fundamentalismus eine Bremse. Ich verurteile die Fundamentalisten nicht, ich möchte ihnen helfen, ihren starren Standpunkt zu überwinden, hat doch der Fundamentalismus immer dann seine breiteste Anerkennung gefunden, wenn es den Menschen schlechtging.

Walter Pöldinger, (1929 – 2002), Psychiater, im Gespräch mit Brigitte Zöller. Aus: “Begegnungen”,
© 1994, Springer-Verlag/Wien

Tea For Real

Sie sind Teetrinker und leben in Brasilien? Da haben Sie sich ja was eingebrüht! Vor allem dann, wenn Sie weder auf Kräutertees, noch auf Mate abfahren und dazu auf dem Land wohnen. Aber selbst in den Metropolen ist die Beschaffung von gutem schwarzen Tee – um den geht’s hier nämlich – ein heikles Unterfangen.

Nicht, dass der Verkauf und Konsum dieser stimulierenden Droge in einem ausgewiesenem Kaffeeland wie diesem illegal wäre … Obwohl: die Kurse einer auch hier ansässigen, auf diesen Stoff spezialisierten Ladenkette mit Hauptsitz in Deutschland erwecken schon den Eindruck, man habe es mit Dealern zu tun, die gnadenlos fast jeden Preis für ein Tütchen Darjeeling verlangen. Es kann also zu einer erniedrigenden Erfahrung werden, eine dieser Filialen in einer Stadt wie São Paulo aufzusuchen, sich mit dem fast arroganten Verhalten so mancher Verkäufer auseinander zu setzen und sich wie ein mittelloser Junkie zu fühlen auf seiner Suche nach jenem Kraut, das – mit kochendem Wasser aufgebrüht – jenes begehrenswerte Getränk hervorzaubert, welches jedwede Art geistiger Aktivität auf anregende Art und Weise begleitet.

Shame on you Americans! Wie kann man dieses Gold nur im Hafen versenken und sogar noch stolz darauf sein?

Wie dem auch sei. Lassen Sie trotzdem nicht den Kopf hängen, sondern vertrauen sie Ihrem Instinkt. Vergeschwendern Sie nicht Ihr Geld! Denken Sie um! Wer suchet, der findet! Die Alternative ist eine englische Marke, die – obwohl sie ihren Stoff hier nur in Tüten verkauft – von sich zu Recht in Anspruch nehmen kann, die einizge hierzulande zu sein, deren Produkt dem Geschmack von lose aufgebrühten Darjeeling-Blättern zumindest ansatzweise entspricht.

Besagtes Label, welches seinen – hm – Darjeeling in violetter Verpackung auch in Deutschland vertreibt, mag eben dort bei Tea-Freaks kaum Beachtung finden. Von meiner Wenigkeit wurde sie zumindest geflissentlich ignoriert, als ich noch … sie wissen schon.

Dabei ist das Zeug wirklich nicht so schlecht.

Considering the fact, dass es sich um tea bags handelt.


Update (02.08.2013)

Besagtes Zeug ist leider schon seit einiger Zeit nicht mehr in den Märkten zu finden. Verstehe einer, weshalb die oben erwähnte englische Marke ausgerechnet ihre violette Verpackung aus diesen Breiten verbannt haben könnte. Andersfarbige Schächtelchen derselben sind nämlich noch da – also der ganze übliche Mist, das übliche Klischee. Na, dann kauft mal schön, Ihr Spacken.

Earl Grey my ass!

Eine Geschichte von Gott

Als Gott nach langem Zögern wieder mal nach Haus ging, war es schön sagenhaftes Wetter!

Und das erste was Gott tat, war, die Fenster sperrangelweit zu öffnen, um sein Häuschen gut zu lüften.

Und Gott dachte: Vor dem Essen werd’ ich mir noch kurz die Beine vertreten.

Und er lief den Hügel hinab zu jenem Dorf von dem er genau wusste, dass es da lag.

Und das erste, was Gott auffiel war, dass da mitten im Dorf während seiner Abwesenheit etwas geschehen war, was er nicht erkannte.

Mitten auf dem Platz stand eine Masse mit einer Kuppel und einem Pfeil, der pedantisch nach oben wies.

Und Gott rannte mit Riesenschritten den Hügel hinab, stürmte die monumentale Treppe hinauf und befand sich in einem unheimlichen, nasskalten, halbdunklen muffigen Raum.

Und dieser Raum hing voll mit allerlei merkwürdigen Bildern; viele Mütter mit Kind mit Reifen überm Kopf und ein fast sadistisches Standbild von einem Mann an einem Lattengerüst.

Und der Raum wurde erleuchtet von einer Anzahl fettiger, gelblich-weißer chamoistriefender Substanzen, aus denen Licht leckte.

Er sah auch eine höchst unwahrscheinliche Menge kleiner Kerle herumlaufen; mit dunkelbraunen und schwarzen Kleidern und dicken Büchern unter müden Achseln, die selbst aus einiger Entfernung leicht moderig rochen.

“Komm mal her! Was ist das hier?”
“Was ist das hier! Das ist eine Kirche, mein Freund! Das ist das Haus Gottes, mein Freund.”
“Ah… Wenn das hier das Haus Gottes ist, Junge, warum blühen hier dann keine Blumen, warum strömt dann hier kein Wasser und warum scheint dann hier die Sonne nicht, Bürschchen?!”
“Das weiß ich nicht.”
“Kommen hier viele Menschen her, Knabe?”
“Hm, es geht in letzter Zeit ein bisschen zurück, mein Freund.”
“Und woher kommt das deiner Meinung nach? Oder hast du keine?”
“Es ist der Teufel. Der Teufel ist in die Menschen gefahren. Die Menschen denken heutzutage, dass sie selbst Gott sind und sitzen lieber auf ihrem Hintern in der Sonne.”

Und Gott lief fröhlich pfeifend aus der Kirche auf den Platz.

Da sah er auf einer Bank einen kleinen Kerl in der Sonne sitzen. Und Gott schob sich neben das Männlein, schlug die Beine übereinander und sagte:

“…Kollege!”

Herman van Veen