Arquivo do mês: janeiro 2011

Knechte, Mönche und Banditen

Der Buchhandel ist ja nicht mehr Vermittler von Literatur, sondern der verlängerte Arm der Verlage. Jurymitglieder (als Glücksverheißende) gleichen ihrem Vorbild, dem Gott Shiva, was ihre vielen verlängerten Arme angeht. Selten gilt der Preisvorschlag einer solchen Gottheit einem Autor, der nicht vorher seine Opfer gebracht hat.

Und was die Buchhandlungen angeht, sie sind von der Besatzung her in den allermeisten Fällen doch nur noch katastrophal. Der Buchpreis sagt ihnen vielleicht gerade noch was, und vielleicht noch der Büchnerpreis. Dann wird’s schon eng.

Berlin ist eine Ausnahme. Es gibt natürlich auch anderswo in Deutschland noch gute Buchhandlungen, aber man muss sie mit der Lupe suchen. Die großen Buchhandlungen aber, die Buchkaufhäuser, sind eigentlich nur noch die Endabnehmer einer Bestsellerstrategie. Dort sind die Buchverkäufer die Knechte der Bücherstapel, die Mönche der Bestenlisten und die Banditen ihrer Unbelesenheit.

Sie machen alles kaputt, was es noch durch die kalkulatorisch und kapitalistisch überhitzten Lektorate geschafft hat, obwohl sie, ähnlich wie die Verlage, sich ständig neue Ausreden einfallen lassen, dass sie mit dem Verkauf von Mist Kultur und Literatur unterstützen. Das ist völliger Unsinn.

Gerhard Falkner ist Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzer. Das ganze Interview findet man bei litaffin.

Grandfather Clock

The first look means a doubt: is there someone inside drawing the hands? Of course not but we had to check it out. First me, then my daughter. Both of us were driven by the same childish curiosity. This very nice piece of design is located in the basement of the museum, close to a stairway, almost hidden. So, don’t you just pass by but take some time out.

“Grandfather Clock”, Maarten Baas, Rijksmuseum Amsterdam, Dec.10, 2010, 11:38 a.m.

Infoburger

Belanglose Informationen oder Meinungen auszutauschen ist das Händeschütteln mündlicher oder schriftlicher Kommunikation. So kann ich jemanden begrüßen, aber ich lerne niemanden dadurch kennen. Doch genau das will ich, wenn ich auf Menschen zugehe. Sie kennen lernen. Etwas über sie erfahren. Auf eine Ebene unter Floskeln, Plausch und Höflichkeiten gelangen. Ich bin kein Anhänger des kommunikativen Fast Foods, welches allerorten aufgetischt wird. Selbstverständlich ist es bequem, wenn man eine Kommunikationsebene miteinander teilt, auf der man unabhängig von Sympathie mit einer Menge Menschen gleichermaßen eine Menge Lebenszeit totschlagen kann. Reden, ohne etwas zu sagen. Sich kennen, ohne miteinander vertraut sein zu müssen. Das ist bequem. Cheeseburger sind das auch. Und während das eine auf Dauer den Körper ruiniert, versaut das andere auf Dauer soziale Kompetenzen und man kann so weit verkommen, dass man selbst Partnerschaften mit der Belanglosigkeit einer mittleren Pommes mit Cola Light lebt. Das hat niemand verdient und das will ich in meinem Leben nicht. Also gehe ich ab einem gewissen Punkt offen mit dem um, was unter meiner Schicht H&M-Mensch steckt und investiere in mein Gegenüber.

Quelle? Wie man’s nimmt: ein spontan vor einiger Zeit als Entwurf gespeicherter “Schläfer”, der irgendwo auch hier zu finden ist – nun aber eben wach gerüttelt und damit erneut zugänglich.