Ecce Homo For Real

Kein Telefon, Gewitter, Schneetreiben, Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen, Stromausfall, Ungewissheit, Sich-Selbst-Überlassen-Sein, Einsamkeit.

Spontane Entscheidungen, unerwartete Begegnungen, neue Sichtweisen, erfreuliche Überraschungen, Vertrauen, Für-Andere-Da-Sein, Gemeinsamkeit.

Absolute Sicherheit gibt es nicht und das ist auch gut so. Trotz möglicher Risiken und negativer Nebenwirkungen. Das Leben entspricht nicht immer dem, was sich jene Leute darunter vorstellen mögen, die in den Aufzügen klimatisierter Bürogebäude auf ihren Stock warten oder keinen Gedanken an Turbulenzen bei transatlantischen Flügen verschwenden, in einer Hollywood-Blase treibend, die sie aus einem kleinen Schirm dankbar aufsaugen. Armselige Weltfremdheit in 10 Kilometern Höhe.

Und so weiter …

Und Ihr, liebe Brüder und Schwestern, liebe Theisten und Atheisten, Wissenschaftler und gläubige Fanatiker, die Ihr denkt, absolute Wahrheiten gefunden zu haben: seid gegrüsst von der Koinzidenz, der Macht des Zufalls, dem Faktor der Unberechenbarkeit eines lebendigen Universums, welches uns hervorgebracht hat und dessen Mysterium sich weder mir noch einem von Euch je in Gänze erschliessen wird.

Findet Euch damit ab.

21 Respostas para “Ecce Homo For Real

  1. Klingt nach Neuorientierung, ja tatsächlich, wie Du geschrieben hast, nach “Chaos”. Aber nur für die Anderen, denn Du fühlst Dich genau damit wohl. – “Findet Euch damit ab.”

    Es gibt auch Widerstände seitens der Anderen, wie kann sich jemand im “Chaos” (Nicht-Gesicherten) einrichten? – “Findet Euch damit ab.” – Irgendwo hast Du wohl auch Respekt vor der Lebensweise der Anderen (“Euch” – groß geschrieben); der andersherum so nicht immer unbedingt entgegengebracht wird, für Dein “Chaos”.

    Beziehungsweise:
    Du hast es begriffen, dass undurchdringliches Nicht-Vorhersehbares das Leben ausmacht.
    Den Anderen muss man (Du) es erst noch zurufen: “Findet Euch damit ab.”

    Gefällt mir “Schön”!

    • Vorab sei angemerkt, dass ich mit dem Text nicht so richtig zufrieden bin; er mag ein wenig zu spontan geschrieben und zu appelativ sein, was wiederum für Missverständnisse sorgen könnte: ich lege Wert auf “Normalität”, da sie uns die Sicherheit für (lebens-)notwendige Routine gewährt. Mögen wir also alle von Überschwemmungen, Erdbeben und dergleichen verschont bleiben. Gerade angesichts dessen, was zur Zeit in der Region von Rio und anderen Teilen der Erde passiert, wäre eine davon abweichende Haltung nur als Zynismus zu deuten.

      Kurz, so war es nicht gemeint.
      Ich fühle mich aber “wohl” bei dem Gedanken, dass das Leben für Überraschungen positiver Natur gut ist und “Normalität” diesbezüglich ein Begriff ist, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Tut man dies, so ist man wohl auch in der Lage dazu, mit negativen Überraschungen besser umgehen zu können. Inspiriert durch einen Satz in Deinem obigen Kommentar: Sich mit der Nicht-Vorhersehbarkeit als ein Bestandteil des Lebens abzufinden ist geboten.

      Mein Gedanke mündet letzten Endes in der Kritik an absoluten Weltbildern, weil deren Verfechter sich in einer falschen “Normalität” einrichten und damit sich selbst und anderen nur das Leben schwer machen.

  2. “Mein Gedanke mündet letzten Endes in der Kritik an absoluten Weltbildern, weil deren Verfechter sich in einer falschen “Normalität” einrichten und damit sich selbst und anderen nur das Leben schwer machen.” – Voll zu unterschreiben!
    ———————-
    Das mit den Überschwemmungen und der damit verbundenen Nähe zu Deiner eigenen Erfahrungswelt, hatte ich vermutet. Ich wollte aber nicht zu sehr auf die Tränendrüse drücken (und damit womöglich gar noch psychologisieren).

    Dem etwas fahrigen Stil – den ich durchaus auch so wahrgenommen habe – des Posts ist wohl zu schulden, dass mir nicht hundertprozentig klar war inwiefern da wirklich Aktualität des Erlebens Deinerseits dahinter steht beziehungsweise inwiefern das Ganze eher eine Meta-Analyse (aufgrund einer gewissen lokalen Verbundenheit) vorstellt.

    Von daher auch die Berücksichtigung mehrerer Betrachtungsebenen meinerseits.

    Insgesamt finde ich aber eben den über dem Ganzen stehenden Appell Erwartet das Unerwartete (so ungefähr) sehr ansprechend – auch in seiner (Deiner) Umsetzung. – Kleinigkeiten sind immer zu verbessern, aber wem sage ich das!😉

    • Das ist es:

      Obwohl meine “unmittelbare Erfahrungswelt” das Post auslöste, gelang es mir nicht, einen nahtlosen Übergang von deren Beschreibung zum weiteren Inhalt des Textes herzustellen. Mir wurde übrigens auch gerade klar, dass besagte Schwierigkeit schlicht und einfach damit zu tun hat, dass ich anfangs “auf etwas anderes hinaus wollte”. Ein gutes Beispiel dafür, wie man einen Faden verliert und dabei einen anderen findet. Lösung: ersteren abtrennen und aufheben, vielleicht für ein neues Post, wer weiss … Gut Ding will Weile haben …

      Danke für die Anregung!

      P. S.
      Während der Korrektur dieses Kommentars fiel übrigens der Strom aus. (Kein Scherz!). Wenn das mal nicht Ironie des Schicksals, will sagen, des Zufalls ist …

      • Gern geschehen.

        P.S.:
        Aha, Du glaubst also noch an Zufälle…

        • … worauf Du Dich verlassen kannst!

        • Hängt vielleicht davon ab, wie man “Nicht-Vorhersagbarkeit” auslegt. Anders gesagt sollte man sich fragen, ob “Zufall” nicht auch etwas mit “Freiheit” zu tun hat.

          • Vor allem mit (dem Begriff) Willensfreiheit.

            Jetzt wird´s dann aber brutal philosophisch. Und ich muss Dir ehrlich sagen, ich kenne mich in dem Bereich etwas mehr oder auch etwas weniger aus – egal. Soviel jedenfalls, dass ich mich nicht getraue, da auch nur annähernd eine völlig klare Entscheidung kundzutun.

            Bisher(!) gefällt mir persönlich eigentlich die Kompromiss-Vorstellung ganz gut, grob formuliert: dass das einzelne Leben in seinen großen Zügen, Rahmenbedingungen vom Schicksal vorherbestimmt ist. Im Kleinen, in täglichen Entscheidungen aber, zum Beispiel, haben wir hingegen durchaus die Freiheit zu entscheiden und zu “manipulieren”.

          • Man muss nicht viel “Ahnung” von Philosophie haben – das habe ich nicht – um sich die Thematik vor Augen zu führen.

            In einer Welt, in der alles vorherbestimmt ist, kann es kein Chaos (allgemein betrachtet) und damit auch keinen freien Willen geben (in Bezug auf den Menschen).

            Es gibt da einen Begriff, der mich konsequent daran hindert, von einem deterministischen Weltbild auszugehen: Verantwortung.

  3. Übrigens: Was für ein schickes Gravatar (wirklich!). Simplify your life? Dein Blog-Banner im Quadrat sozusagen.
    Dein liebes “altes” Theme gefällt mir übrigens auch sehr gut. – Hermine würde sagen: Ich habe gern mein Geregeltes.

    • Danke für das Kompliment!

      Das mit dem Gravatar kam aus einer kurzen Eingebung: “Simplify your Blog.” Weshalb über ein Gravatar nachdenken, wenn ich mich nicht von meinem Header trennen kann. Hab’s ja versucht, vor kurzem, mit anderen Themes. Notes IL und vor allem Twenty Ten. War nicht zufriedenstellend. Dachte mir also: “Im Zweifel für den Angezweifelten.” Ist schon in Ordnung.

  4. Welch eine nette Fehlleistung meinerseits: Blog auf Life auszuweiten.

    Deine Themes-Wechsel habe ich registriert, dachte mir aber nur, aha, kenn´ ich doch von mir.

  5. Antwort zu deterministisches Weltbild und so:

    Habe ich das richtig verstanden, Deine Meinung ist also, es gibt Chaos und es gibt den Freien Willen des Menschen (, was wiederum Handlungsfreiheit impliziert)?

    Den Gedanken, dass sich Verantwortung und ein deterministisches Weltbild gegenseitig ausschließen, finde ich sehr sympathisch. ( Bist Du dann bei Kant mit seinem kategorischen Imperativ?)

    • Ich schätze halt, dass das Element des Zufalls (also des Chaos) in der Evolution auch etwas mit dem Begriff der Willensfreiheit des Menschen zu tun haben könnte – unabhängig von “Konstanten”, die als gegeben hinzunehmen sind: von den allgemeingültigen Naturgesetzen bis zu der sozialen und kulturellen Herkunft eines jeden von uns.

      Falls das etwas mit Kant zu tun haben sollte, so war mir das bis dato nicht beKant. (Ich vermute übrigens, dass diese Thematik nicht unbedingt den Schwerpunkt und damit auch die Bedeutung seines Werkes ausmacht, aber das ist jetzt auch nicht so wichtig … )

      Von meiner, möglicherweise beschränkten “pseudophilosophischen Anschauungsweise” ausgehend, würde ein deterministisches Weltbild nichts anderes bedeuten, als dass beispielsweise Auschwitz und Hiroshima, passieren MUSSTEN. Jedes Verbrechen, von Kinderschändung bis Massenmord würde sich somit rechtfertigen (!) lassen.

      Ich protestiere:

      Was für eine billige Ausrede in Bezug auf die Conditio Humana soll das denn bitte sein?

      Einspruch!

  6. Deinem Einspruch ist natürlich gerne stattgegeben.

    Was die Kanten🙂 des Gegenstandsbereiches von Kants Philosophie angeht, war wahrscheinlich dieses ad. deterministisches Weltbild und so irreführend. Was Chaos und Evolution angeht gibt es natürlich andere zuständige Strategen. – Von daher betrifft der erste Teil deiner Antwort wirklich nicht die Hauptsache Kants.

    Ich hatte vielmehr – unausgesprochen – immer noch die Kommentare bzw. Antworten von zuvor im Hinterkopf und wollte an dieser Stelle nur etwas auf Richtig-verstanden? hin abklopfen.

    Was Kant angeht (wie immer: alles sehr verkürzt):
    Kant ist schon (für mich) entscheidend, was die Thematik angeht.
    Kant hat eine klare Differenzierung gebracht im Hinblick auf Empiriker und Rationalisten: Sinnenwesen (vgl. Empiriker) verhalten sich gemäß eines Kausalgesetzes – das ist kein freier Wille (und damit auch keine Handlungsfreiheit).
    Vernunftwesen handeln gemäß einer praktischen Vernunft. Mittels dieser praktischen Vernunft trifft der Mensch eine moralische Wahl. Also handelt der Mensch in diesem Falle aus freiem Willen heraus. (vgl.u.) Die praktische Vernunft speist sich aus einem Moralgesetz, welches Kant im Rang eines Naturgesetzes sieht!

    Den Glauben verfrachtet er übrigens in den Leerraum zwischen Vernunft und Erfahrung, den beide (eben) nicht erklären können – aber das würde jetzt wirklich wieder zu weit führen das auch noch auseinanderzuklamüsern.

    Womit wir wieder – wie ich finde – bei meinem Kompromiss von zu Anfang angelangt sind:
    dass das einzelne Leben in seinen großen Zügen, Rahmenbedingungen vom Schicksal vorherbestimmt ist. Im Kleinen, in täglichen Entscheidungen aber, zum Beispiel, haben wir hingegen durchaus die Freiheit zu entscheiden und zu “manipulieren”. (Etwas staksig, aber immerhin.)

    Andersherum (vgl.o.): Folge ich nur meinen Trieben (z.B. Mord-Lust u.ä.m…) bin ich unfrei.
    Wir sind hier wieder beim Unterschied zwischen Handeln, Tun und Verhalten: Ich verhalte mich, wenn ich nur wie im Reiz-Reaktions-Muster durch die Welt tappe. – Ich handle gerade dann, wenn ich meiner Lust, z.B. Anderen-schaden-wollen, willentlich widerstehe beziehungsweise eben dieser Lust entgegen handle (s. hierzu Kant: Kategorischer Imperativ).

    Zum Schluss; ganz deiner Meinung: Kein Mensch kann und darf sich mit seinem Glauben oder mit sonst irgendeiner höheren Macht oder irgend so etwas für seine Untaten entschuldigen!

    • Vorab: das mit den “zuständigen Strategen” halte ich in diesem Zusammenhang für mehr als zutreffend. Und eine nicht nur sprachliche Verwandschaft mit den von Dir kommentierten erfundenen Experten ist nicht zu verkennen. (Das Post fand ich übrigens ziemlich gut!)

      Was Kant angeht, so gestehe ich freimütig, dass ich selbst das Wenige, welches ich von ihm gelesen, nicht in Gänze verstanden habe. Es blieben aber doch nach besagten Versuchen meinerseits Rudimente seiner Aussagen haften, denen ich mich nie wieder werde entziehen können, die also mein Weltbild, wenn auch auf sehr “unakademische” Art und Weise, entscheidend mitprägen.

      Und den gerade oben verfassten Absatz würde ich übrigens ganz gerne so einigen selbsternannten oder mit Doktortiteln und Professuren versehenen “Experten” unter die Nase halten, die glauben, Kant wirklich verstanden zu haben. Viele von denen tun halt eben auch nur so als ob, da bin ich sicher. Womit wir wieder am Anfang dieses Kommentars angelangt sind.

      Was Deinen eigenen Kommentar angeht: den halte ich für sehr anregend, aber ich würde gerne zu einem anderen Zeitpunkt darauf eingehen. Heute nicht, es ist schon spät genug.

    • Dein Versuch, etwas von dem, was Dir in Bezug auf Kant klar geworden ist, in Kürze wiederzugeben, muss im Rahmen eines Blog-Kommentars ganz zwangsläufig etwas staksig ausfallen. Da würde ich mir keinen Kopf machen. Liegt halt in der Natur der Sache, will sagen, des Mediums.

      Wie dem auch sei, dem Inhalt Deiner Aussagen konnte ich bis auf wenige Details folgen. Sie waren auf jeden Fall von einer Komplexität, die einige weiter reichende Assoziationen geradezu herausfordern, (wobei allerdings die Gefahr bestünde, sich in verschiedenen gedanklichen Richtungen zu verlieren).

      Von daher beschränke ich mich auf etwas Wesentliches, für das ich Dir danke! Du hast sehr treffend versucht klar zu machen, dass Kant – bei aller kritischen Schärfe seiner Beobachtungen – kein Positivist war. Du ziehst – wie er – eine Trennlinie zwischen “Vernunft” und “empirischer Beobachtung”. “Staksig formuliert”, versteht sich … Ganz abgesehen von Deiner (oder von mir aus auch “seiner” Aussage), dass man nicht frei sein kann, wenn man nicht dazu in der Lage ist, jener “Matrix” zu entgehen (oder zumindest über sie zu reflektieren), die Du als “Reiz-Reaktionsmuster” bezeichnest.

      • Das habe ich schon so manches Mal bedauert, dass dieses Medium Blog halt eben doch z.B. in puncto Ausführlichkeit limitiert. – Ein ganzes Blog zu einem Thema? Aber diese “Lösung”, dass damit alles “erledigt” wäre, wäre ja doch nur eine Illusion. Nicht umsonst streiten und befruchten sich die Gelehrten, Künstler, Naturwissenschaftler, Psychologen, Philosophen …, usf.usf. , seit Jahrzehnten und Jahrhunderten und Jahrtausenden über ihre (Unterbereiche ihrer) Gegenstandsbereiche.

        Und dann ist naturgemäß die Zeit, die fürs Bloggen übrig bleibt, begrenzt. Ich habe gesehen, du bist schon wieder so lange auf…

        Ich komme in letzter Zeit immer mehr zu der Überzeugung, dass meine persönliche, anfängliche Blog-Einstellung schon ein ganz guter Ansatz ist: eine gute oder zumindest eine persönliche Welle schlagen, dazu ist das Bloggen – neben dem realen Leben – eine weitere Möglichkeit. Also nicht umfassend, vielmehr anstupsend…

        Aber das ist nun wirklich schon wieder ein komplett anderes Thema…

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