Arquivo do mês: outubro 2012

“Zero Tolerance” auf Brasilianisch

Von Glauco Cortez
Übersetzung: Peter Hilgeland

Nach fast 20 Jahren Regierungsverantwortung der PSDB im brasilianischen Bundesstaat São Paulo steigt die Anzahl der Morde weiterhin an. Es ist das Ergebnis eines urbanen Krieges zwischen der Polícia Militar und organisierten Drogenbanden. Man bedenke: Die Generation derjenigen, die heute gezielt Polizisten töten, wurde also zu einer Zeit geboren, in der die PSDB dort an die Macht kam.

Gouverneur Geraldo Alkmin ist als eines ihrer medialen Aushängeschilder für eine politische Ausrichtung mitverantwortlich, deren praktische Umsetzung von seiner Partei in São Paulo vorangetrieben wird. “Wir werden die Banditen mit Härte bekämpfen, sie werden uns nicht einschüchtern, Banditen gehören in den Knast.” So oder ähnlich pflegt er sich wöchentlich in den Medien zu äußern.

Dementsprechend gestaltet sich auch die Sicherheitspolitik seiner Regierung. Der Hardliner-Diskurs würde wohl noch besser greifen, wenn es möglich wäre, Elemente des Rechtsstaates zu verwässern und der Polícia Militar dadurch einen Freibrief zum Töten auszustellen. Für manche in Alckmins Partei wäre dies wohl ein akzeptabler Weg, um Gewalt erfolgreich zu bekämpfen. Nicht von ungefähr nominierte die PSDB Kandidaten für die vor kurzem gelaufenen Kommunalwahlen, deren Motto klarer nicht sein könnte: “Nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit.”

Angesichts der Tatsache, dass ein weiterhin rigides Vorgehen wenig Aussicht auf Erfolg zu haben scheint und darüber hinaus die Rückkehr zu einer Politik jenes Staatsterrors einleitet, wie er noch aus den Zeiten der Diktatur bekannt ist, manövriert sich Alckmins Partei hier in eine bedenkliche Lage. Dabei ist es offensichtlich, dass die “Strategie” der PSDB nicht greift. Die Situation hat sich nämlich in den fast zwanzig Jahren ihrer Regierung nur verschlechtert. Was ihr noch bleibt, ist das Schönreden von Gewaltstatistiken.

Der Polizei sei also empfohlen, weniger Gebrauch von der Schusswaffe zu machen und sich stattdessen mehr auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen. Die von der PSDB geführte Regierung handelte den Beamten nämlich einen ziemlich perversen, urbanen Krieg ein. Als Uniformierte haben sie es in den Städten mit nicht uniformierten, organisierten Kriminellen zu tun und werden dadurch zu einem leichten Ziel für Gewalt.

Dabei geht es nicht nur um die rechtspopulistischen Sprüche so mancher Konservativer, auch nicht so sehr um politische Unfähigkeit und Ignoranz, sondern vor allem um das wässrige, gescheiterte Konzept, die Bekämpfung des Drogenkonsums zu einer reinen Polizeiangelegenheit zu machen. [Ganz abgesehen von den Spezialkommandos, die unter anderem für die sogenannte “Crowd and Riot Control” zuständig sind]. – Es ist an der Zeit, dass endlich alternative Modelle zur Eindämmung dieses Problems in der brasilianischen Öffentlichkeit zur Sprache gebracht werden.

Quelle: Alexandre Vieira (flickr.com)

Wie viele Drogentote machten eigentlich in den letzten 10 Jahren Schlagzeilen? Ich erinnere mich noch an Cássia Eller, das war 2001, sonst aber an niemanden. Im Gegensatz dazu sei gefragt: Wie viele Menschen sind eigentlich nur in dieser Woche an den Folgen eines verdeckten Bürgerkrieges gestorben? Dutzende? Vielleicht sogar hunderte? Eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Problem ist dringend erforderlich, ohne Vorurteile, ohne Mystifizierung und ohne Tabus. Ein Festhalten an diesem Krieg ist nicht tragbar. Die Polizeiangehörigen und deren Familien haben es nicht verdient, in bürgerkriegsähnliche Zustände hineingezogen zu werden.

Räumung des Viertels Pinheirinho, Januar 2012. – (Quelle nicht bekannt)

Weshalb kapieren diese [selbsternannten] Genies von der PSDB eigentlich nicht, dass es um gerechte Einkommensverteilung geht, dass in die städtischen Randgebiete investiert werden muss und dass die öffentlichen Schulen dringend mehr finanzielle Mittel benötigen?

Die Zwangsräumung des Viertels Pinheirino mag einen Eindruck dessen vermitteln, was da noch so von der PSDB [und anderen Parteien] unter “Sicherheitspolitik” verstanden werden könnte, nämlich – wie in diesem Fall – die [sehr kurzfristig angekündigte] Vertreibung armer Teile der Bevölkerung aus ihren Behausungen [das weitläufige, verlassene Gelände wurde seit 2004 von obdachlosen Familien besetzt], um es einem Spekulanten zugänglich machen zu können.

Wer arm ist, gilt nun mal als potentieller Verbrecher …

Während all dieser Jahre war die PSDB nicht dazu in der Lage [oder nicht willens?], staatliche Strukturen zu schaffen, die beispielsweise ihren Teil dazu hätten beitragen können, die wahren Ursachen für die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen durch Drogenbanden einzudämmen.

Solange es keine umfangreiche Bildungs- und Sozialpolitik gibt und solange keine wirklich sachliche Auseinandersetzung über Drogen statt findet, ist ein Ende dieses Krieges nicht absehbar.

Glauco Cortez ist Sozialwissenschaftler, Journalist und Autor mehrerer Sachbücher.

Touch it!

Tablets und Smartphones sind ja schon ganz nett und praktisch. Wer wollte das bestreiten? Abgesehen davon scheint mir deren Gebrauch aber auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf das Weltbild und damit auch auf das “allgemeine Befinden” ihrer Nutzer zu haben.

Der gute Michelangelo hätte vermutlich weniger Zeit mit Malen verbracht, wenn es damals schon Touchscreens gegeben hätte. Von anderen Auswirkungen moderner Kommunikationstechnik ganz zu schweigen. Es sei aber trotzdem zu vermuten, dass ein Genie wie er dennoch (unter diesen rein hypothetischen Umständen) von der symbolischen Wirkung einer Darstellung des “sich Herantastens an etwas Höheres” nach wie vor fasziniert gewesen wäre. Nur hätte er wohl andere Ausdrucksformen für diesen Gedanken gefunden. Adams (und Gottes) Finger hätte er vielleicht nicht gemalt. Er wäre sich ja selbst jedes Mal ein bisschen wie Adam (oder Gott) vorgekommen, wenn er eines dieser Geräte benutzt hätte.

Selbst jemand wie er wäre also wohl vor der Gefahr, sich elektronisch erzeugten Allmachtsphantasien hinzugeben, nicht ganz gefeit gewesen.

Noite de Cinema

figurenbrut.blogger.de

Do blog de Marco Finkenstein.

Força de Vontade

A vida começa no final da sua zona de conforto.
Aprender um idioma também.

(A teacher´s impression reloaded).

Força de Vontade

Não sei se dá,
mas tento /
(a pedra nunca é leve /
quando a gente é vento)

Marcos Bassini

Dampf ab!

Und dann ist ihm der Kragen geplatzt: “Ich kann es nicht mehr hören. Die Scheiße. Diese ganze Scheiße. Von denen, die drauf sind. Egal auf was. Scheiß Säufer. Scheiß Pillenfresser. Was die tun. Was die reden. Das ewige Jammern. Das Instrumentalisieren. Um an Nachschub zu kommen. Natürlich. Was denn sonst. Weiter reicht der Horizont ja nicht. Auch wenn sie über Gott und die Welt quatschen. Jammern. Besser gesagt. Wegmachen. Darum gehts doch immer. Die ganze Scheiße. Die Gewalt. Die Kacke. Die Idioten. Trau keinem, der drauf ist. Und nimm nichts von dem Ernst, was er sagt. Ist eh alles gelogen. Oder Schwachsinn. Die wollen Sprit. Stoff. Darum dreht es sich. Dafür tun die alles. Idioten. Vollidioten. Nur saufen, saufen, saufen, saufen. Oder Stoff, Stoff, Stoff. Scheißegal. So ist es doch. Arschlöcher.”

Cut, so ist es.

It´s alive!

Copyright © 2012 Shoebox

12.09.95: “Unternehmen” Auschwitz Reloaded

Ist schon erstaunlich, was man so alles im Internet “ausgräbt”, wenn man sich gezielt entsprechender Suchbegriffe bedient. In hiesigen Fall handelte es sich um einen Anflug von Nostalgie, gepaart mit dem nach wie vor sehr lebendigen Interesse an einem “Thema”, welches ernsthaft durch eine erste von zwei Fahrten an einen ganz bestimmten Ort geweckt wurde. Da hält man dann “das Ausgegrabene in Händen” und trifft nicht nur sich selbst und ehemalige Mitschüler in Form handgeschriebenener und später digitalisierter Texte wieder, sondern man setzt sich vor allem jenen Eindrücken und den damit einhergehenden Gedanken und Gefühlen erneut aus, welche einen dort vor 17 Jahren umtrieben und von denen das damals Geschriebene einen mehr als unzulänglichen Eindruck vermittelt:

Nach 9 Uhr nähern wir uns dem sogenannten Stammlager Auschwitz I. Vor dem Lagereingang befindet sich ein großer Platz: ein Massengrab mit 700 Toten, jenen Menschen, die die Befreiung durch die russische Armee nicht mehr erlebten, und jenen Menschen, die nach der Befreiung an den Folgen von Unterernährung und Mißhandlung noch gestorben sind. Mit einem erschreckenden Dokumentarfilm beginnt die Führung durch das Lager. Herr Jurek Demski ist ein lebendiges und leidenschaftliches Lexikon. Er führt uns – ständig kommentierend – durch die Ausstellung, die in den Blocks des Lagers verteilt ist. Information und persönlicher Eindruck sind eine Überdosis. Man kann zwangsläufig nicht alles behalten, was man hört und man ist erschlagen von dem, was man sieht.

Was ich immer noch vor mir sehe, ist ein großer Raum mit fast 2 Tonnen Menschenhaar hinter Glas. Haar, hauptsächlich von Frauen. Rohstofflieferant für Matratzen, Decken, Kissenfüllungen und besondere Arten von Strümpfen. Wohlgemerkt: Rohstoff. Ein bezeichnender Zwischenfall: Unsere Führung redet von der Häftlingsfeuerwehr. Irgend jemand räuspert sich: “Werksfeuerwehr”. Kein Kommentar! Nachmittags bestand die Möglichkeit zum Besuch der Länderausstellungen im Museum. Ich nehme sie nicht wahr. Abends. Man kann darüber streiten, ob es geschmackvoll war, zu grillen und über den Konsum von Bier eine Atmosphäre zu schaffen, die es gestattete, den Tag zu verdrängen.

Den Bock zum Gärtner machen:

Rainer Unsinn

Digitale Demenz? Immer schlimmer!

Die Aufmerksamkeitsspanne! Der Digitalnutzer! Wird immer kürzer. Sagt ein Wissenschaftler. Nein, ein Wissenschaftler! Nur noch Häppchen werden wahrgenommen. Das Kurzzeitgedächtnis: wie ausgelöscht! Ja, ausgelöscht. Nein, das Kurzzeitgedächtnis. Es werden immer nur die ersten drei Wörter eines Satzes – die ersten drei! Und danach ist alles vergessen. Ist ja auch egal. Was gibt’s sonst Neues? Ach so: Eine Studie über digitale Demenz ist da! Stimmt, find’ ich auch langweilig. Was ist eigentlich bei Facebook los? Ich bin durstig. Oder hungrig. Ein paar Häppchen wären jetzt schön. Mhm, Häppchen. Und sonst so? Aufs Klo könnte ich auch wieder mal. Oder war ich nicht schon Montag? Nein, heute ist ja heute. Wann wohl der Peter aus der Kriegsgefangenschaft kommt?

Titanic-Newsticker, 28.08.2012