Autorenschaft

Jetzt mal ganz von vorn; mir ist gerade danach:

Geschriebenes wurde und wird geschaffen um gelesen zu werden. Dessen Quelle ist immer ein Autor, ergo ein Mensch, dessen Absicht darin besteht, uns etwas mitzuteilen, indem er es festhält – und zwar schriftlich. Wenn nun Texte gewisser Autoren die Zeit, in der sie entstanden sind, überdauern, dann wohl in erster Linie deshalb, weil sie nicht nur den Zeitgeist ihrer Entstehungsepoche wiederspiegeln, sondern darüber hinaus auch etwas vermitteln, das gleichwohl für nachkommende Generationen und Epochen relevant ist oder zu sein scheint.

So erklärt sich zum Beispiel – selbst in Zeiten wie diesen – der Reiz der Werke eines Genies wie Shakespeare. Allein dessen altertümlich wirkende und von daher exotisch anmutende Sprache mag uns schon in den Bann ziehen. Ginge es aber nur um die sprachlichen Ausdrucksformen seiner Epoche, das Bühnenbild und die Kostüme, so hätte Shakespeare nicht “überlebt”. Da ist noch etwas anderes, etwas, das “uns” mit “ihm” und seiner Zeit verbindet. Ein Begriff, um dieses “Phänomen” zu umschreiben, wäre die in bestimmten Kreisen so oft zitierte “conditio humana”. So viel hat sich da nämlich nicht geändert seit den Zeiten von Federkiel und Rüschenkragen – und davor; versetze sich ein jeder auf seine Art in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte zurück. “Wie es Euch gefällt.”

Na ja, auf solche Binsenweisheiten kann nun wirklich jeder einigermaßen klare Kopf kommen, möge er auch ansonsten zu Literatur keinen besonderen Draht haben. Kurz: der gute Shakespeare hatte es halt drauf, Dramen und Gedichte zu schreiben, die etwas über uns und das Leben aussagen, in das wir “geworfen” wurden, ganz unabhängig von der Zeit, in der wir leben. Obwohl in seinen Stücken auch historische Personen und reale Geschehnisse vorkommen, ging es ihm – also dem Autor – nicht nur um diese an sich, das sei jetzt einfach mal behauptet.

Falls dem so sei, warum sollte es sich da mit religiösen Texten anders verhalten – egal mit welchen? “Überlebten” sie nicht aus dem selben Grund, da sie ähnlich wie ein Werk von Shakespeare etwas “Wesentliches” zu vermitteln scheinen? Sind auch sie nicht schlicht und einfach das Werk von Autoren – egal, wie eigenartig und befremdend ihre Sprache zuweilen rüberkommen mag? Von Autoren, deren Inhalte selbst heutzutage noch in so vielen Köpfen derart “lebendig” sind, dass sie nach wie vor gelesen, zitiert, gedeutet, missdeutet und vergewaltigt werden?

Also, ich kann mir da wohl nicht helfen. Selbst wenn religiöse Texte “anderen Kalibers” zu sein scheinen, da älter, “ehrwürdiger”, inspirierender, polemischer, transzendenter, umfassender, weiser und widersprüchlicher als gar die Texte des besagten Genies, so sind auch sie nicht “vom Himmel gefallen”, sondern …

… geschrieben worden.

Und zwar von Menschen.

Schreibe einen Kommentar

Faça o login usando um destes métodos para comentar:

Logotipo do WordPress.com

Você está comentando utilizando sua conta WordPress.com. Sair / Alterar )

Imagem do Twitter

Você está comentando utilizando sua conta Twitter. Sair / Alterar )

Foto do Facebook

Você está comentando utilizando sua conta Facebook. Sair / Alterar )

Foto do Google+

Você está comentando utilizando sua conta Google+. Sair / Alterar )

Conectando a %s