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Árvores na neve

Pois somos como troncos de árvores na neve.
Como parece, apenas estão deitados na superfície escorregadia,
e um pequeno empurrão deveria deslocá-los.
Não, não é possível fazer isso porque eles estão firmemente unidos a terra.
Mas, veja, até isto é mera aparência.

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee.
Scheinbar liegen sie glatt auf,
und mit einem kleinen Anstoß sollte man sie wegschieben können.
Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden.
Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Franz Kafka, “Die Bäume”
Aus: “Die Erzählungen – Originalfassung”, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Tradução: Peter Hilgeland

Ein Buch, das an jemanden erinnert

Es war einmal ein Sozialwissenschaftler, der sich sehr viel Zeit dafür nahm, um sein Studium dann aber doch endlich, dafür jedoch auch mit einer immerhin ziemlich gut bewerteten Diplomarbeit abzuschließen.

Wir kennen uns seit gut 25 Jahren und immer, wenn ich ihn nach längeren oder kürzeren Abständen innerhalb dieses bis dato doch ziemlich bemerkenswert langen Zeitraumes erneut traf, begegnete ich zwangsläufig auch dem Fach, welchem er sich bis heute – auch nach seinem erworbenen Diplom – verschrieben hat. Obwohl er ein durchaus angenehmer Gesprächspartner und Zeitgenosse sein konnte und es nach wie vor noch zu sein scheint, bezweifle ich ernsthaft, ob mir, abgesehen von meiner Kenntnis über seine Neigung zu soziologischer Literatur und der damit verbundenen, von ihm sehr ernst genommenen wissenschaftlichen Arbeit wirklich klar ist, mit wem ich es da zu tun hatte und noch habe.

Über persönliche Dinge zu reden fällt ihm nach wie vor schwer. Hier auf mögliche Gründe eingehen zu wollen, macht keinen Sinn, wäre sogar absurd. In der Vergangenheit neigte ich dazu, ihm dies zuweilen übel zu nehmen, was wiederum in den meisten Fällen zu einem Abbruch des Kontaktes führte, auf die eine oder andere kindische Weise. Heute ist mir klar, dass sein Begriff von “Freundschaft” eben ein anderer ist als der meinige. Was wiederum die Chance bietet, illusorische Gänsefüßchen zu streichen, also die eigentliche Bedeutung des Begriffes ernst zu nehmen und dessen wahre Bedeutung bei zukünftigen Begegnungen konstuktiv umzusetzen.

Nicht, dass er mir dieses Buch empfohlen hätte, ich habe es eher zufällig gefunden. Dessen Autor hätte ich allerdings ohne ihn wohl erst wesentlich später kennen gelernt. Von daher war es schon so was wie eine “Kaufempfehlung”, wenn auch eine sehr indirekte:

Niklas Luhmann, SHORT CUTS, Verlag Zweitausendeins

Kein “geschlossenes Werk”, sondern “Ansätze”, bestehend aus einem Interview und verschiedenen Essays, auf jeden Fall sehr lesenswert, gerade für unbedarfte Laien wie Dich und mich.

Bücher, die man nur einmal liest

Mit den meisten Büchern, die man gelesen hat, ist es so wie mit Menschen, an die man sich erinnert: sie sind wie frühere Freunde, verflossene Bekannte und Kollegen oder gar wie Unbekannte, die man einst auf der Straße traf; sie alle haben aber gleichwohl im Regal unseres Lebens ihren Platz.

Immer wieder lesenswert

Vorab sei gesagt: Ich hab’s wirklich versucht, mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich den Inhalt des besagten Buches am besten hätte zusammenfassen können. Zum Schluss meiner Überlegungen blieb dann aber doch nur der im Grunde alles andere als resignierende Griff ins Regal. In der Einleitung (Untertitel: “Die Wahrheit ist unteilbar”) fanden sich dann nach sehr, sehr kurzem Blättern folgende Abschnitts-Schnipsel:

Kann man an die Existenz oder gar an die tätige Anwesenheit eines Gottes in einem Universum glauben, das sich nach einigen Jahrhunderten naturwissenschaftlicher Forschung unserem Verstand als erklärbar zu präsentieren begonnen hat? Diese einfache, aber alles entscheidende Frage bildet den Hintergrund dieses Buches.

Es ist in der Überzeugung geschrieben, dass die Verbindung religiöser und wissenschaftlicher Aussagen über die Welt zu einem einheitlichen Weltbild heute möglich geworden ist. In der Überzeugung, dass sie nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist, wenn der Schwund der Glaubwürdigkeit, dem die religiôse Verkündung heute in der breiten Öffentlichkeit ausgesetzt ist, nicht weiter fortschreiten soll.

Im Zentrum der Darstellung steht das weit über den Spezialfall der Biologie hinaus geltende, für die gesamte heutige Naturwissenschaft grundlegende Konzept der Evolution. Bemerkenswerterweise liefert gerade dieses geistige Konzept einen entscheidenden Schlüssel zu einem besseren, in mancher Hinsicht ganz neuen Verständnis uralter theologischer Aussagen, bis hin zu der Behauptung von der Realität einer jenseitigen Wirklichkeit. Dieser Gedanke war der entscheidende Anstoß zur Entstehung dieses Buchs, das unter diesen Umständen mit einer relativ ausführlichen Darstellung des modernen Evolutionsbegriffs beginnt.

Gut zwei Jahrzehnte vor Dawkins Streitschrift “Der Gotteswahn” schneidet der oben zitierte Autor schon das gleiche Thema an. Ob Dawkins das Buch wohl kennt? Gute Frage! Falls nicht, so sei ihm ernshaft angeraten, dies umgehend nachzuholen. allein schon deshalb, weil es ihm die Gelegenheit böte, seinen positivistisch verklemmten Horizont zu erweitern:

Hoimar von Ditfurth, “Wir sind nicht nur von dieser Welt”, Verlag Hoffmann und Campe, leider nicht mehr im regulären Buchhandel erhältlich.

Lieblingsbuch?

So ein Blödsinn! Kein Lieblingsbuch, höchstens Favoriten. Darauf wiederum im Detail eingehen zu wollen, macht aber keinen Sinn. Punkt.

Das nächste Buch?

Keine Ahnung. Ein kleines, in den Regalen versprengtes Häufchen an- und ungelesener Bände buhlt noch um meine Gunst.

 

Dicker Schinken

Zuerst waren es nur der Ort der Handlung und der Name des Autors, die neugierig machten. Nie was von jenem gelesen, dessen Umgang mit meiner Muttersprache an die grazile Art und Weise erinnert, mit der eine ältere Dame aus besseren Kreisen eine Tasse Tee in der Hand zu halten pflegt.

So dachte ich zwar immer wieder daran, die letzten Jahre, an jenen Ort, den er dort beschreibt, aber dieser Author, dem ich doch seit der Schulzeit tunlichst aus dem Wege gegangen war, der? Du liebe Güte! Bevor ich den lese, dann schon lieber alles andere, aber doch nicht so ein schwermütig-seitenschweres Werk.

So wich ich ihm denn aus, bis ich an einem verschneiten Dezembertag gegenüber eines allzu bekannten Rathauses eine kleine Buchhandlung betrat und danach fragte. Die Buchhändlerin nahm mein Ersuchen freundlichst zur Kenntnis, zufrieden darüber, mir weiterhelfen zu können. Es sei sogar eine besonders schöne Taschenbuchausgabe, die sie da vorrätig habe.

Und so überflog ich den Inhalt und fand da Dinge wie “Von der Taufschale und vom Grossvater in zwiefacher Gestalt”, “Ehrbare Verfinsterung”, “Gedankenschärfe”, “Exkurs über den Zeitsinn”, “Ewigkeitssuppe und plötzliche Klarheit” und einiges Rätselhaft-Verführerisches mehr.

Der letzte Hauch eines Zögerns verflog im Nu; ich lese, wenn auch in Etappen, jedoch mit zunehmender Leichtigkeit. In kürzeren oder längeren Lesepausen stellt er sich dann wieder ein, der Wunsch nach dem Zauberberg. Nichts von jenem Muss, ein einmal begonnenes Buch zu beenden, sondern Durst auf Verführung. Sich von dem kunstvoll gewebten Netz seiner Sätze einfangen zu lassen und lebendige Rudimente einer maroden und skurrilen Vergangenheit zu erahnen..

Knechte, Mönche und Banditen

Der Buchhandel ist ja nicht mehr Vermittler von Literatur, sondern der verlängerte Arm der Verlage. Jurymitglieder (als Glücksverheißende) gleichen ihrem Vorbild, dem Gott Shiva, was ihre vielen verlängerten Arme angeht. Selten gilt der Preisvorschlag einer solchen Gottheit einem Autor, der nicht vorher seine Opfer gebracht hat.

Und was die Buchhandlungen angeht, sie sind von der Besatzung her in den allermeisten Fällen doch nur noch katastrophal. Der Buchpreis sagt ihnen vielleicht gerade noch was, und vielleicht noch der Büchnerpreis. Dann wird’s schon eng.

Berlin ist eine Ausnahme. Es gibt natürlich auch anderswo in Deutschland noch gute Buchhandlungen, aber man muss sie mit der Lupe suchen. Die großen Buchhandlungen aber, die Buchkaufhäuser, sind eigentlich nur noch die Endabnehmer einer Bestsellerstrategie. Dort sind die Buchverkäufer die Knechte der Bücherstapel, die Mönche der Bestenlisten und die Banditen ihrer Unbelesenheit.

Sie machen alles kaputt, was es noch durch die kalkulatorisch und kapitalistisch überhitzten Lektorate geschafft hat, obwohl sie, ähnlich wie die Verlage, sich ständig neue Ausreden einfallen lassen, dass sie mit dem Verkauf von Mist Kultur und Literatur unterstützen. Das ist völliger Unsinn.

Gerhard Falkner ist Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzer. Das ganze Interview findet man bei litaffin.

Antievolutionär

Ich glaube, dass es ein höheres Wesen gibt, und dass man diesem höheren Wesen, das ich mich nicht scheue als Gott zu bezeichnen, doch zubilligen muss, dass es sich auf verschiedenen Wegen den Menschen offenbart. Zum Beispiel durch verschiedene Propheten. Ich finde diese konfessionelle Feindlichkeit unter den Völkern etwas Unmögliches, denn das ist doch nur eine Bevormundung von Gott, wenn man ihm sagt: “Du kannst nur als der christliche Gott in Erscheinung treten.” Wenn Gott wirklich allmächtig ist, warum kann er sich dann nicht durch Echnaton, Moses, Jesus, Mohammed, Buddha und Konfuzius den Menschen kundtun?

Was mich so aufregt, ist der Fundamentalismus, denn der ist ausgesprochen antievolutionär. Das Leben ist ja eine Evolution nicht nur im Biologischen, sondern auch im Geistigen …

Die Dnge, die wir heute erkennen können, konnte man vor Tausenden Jahren nicht erkennen, und deswegen finde ich, ist das evolutionäre Denken auch in religiôser Hinsicht so wichtig und der Fundamentalismus eine Bremse. Ich verurteile die Fundamentalisten nicht, ich möchte ihnen helfen, ihren starren Standpunkt zu überwinden, hat doch der Fundamentalismus immer dann seine breiteste Anerkennung gefunden, wenn es den Menschen schlechtging.

Walter Pöldinger, (1929 – 2002), Psychiater, im Gespräch mit Brigitte Zöller. Aus: “Begegnungen”,
© 1994, Springer-Verlag/Wien

Liebe Weltverbesserer!

Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden. Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selbst zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei. Sei du selbst, so ist die Welt reich und schön! Sei nicht du selbst, sei Lügner und Feigling, so ist die Welt arm und scheint dir der Verbesserung bedürftig.

Gerade jetzt, in dieser wunderlichen Zeit, wird das Lied von der Weltverbesserung wieder so heftig gesungen, so heftig gebrüllt. Wie übel und trunken es doch klingt, hört ihr es nicht? Wie wenig zart, wie wenig glücklich, wie so wenig klug und weise es klingt!

Es wird von euren Feinden gesungen, in einem Chor, wo einer wider den anderen singt, einer den anderen totsingen möchte. Merkt ihr nicht: überall, wo das Lied angestimmt wird, da sind Fäuste in der Tasche geballt, da geht es um Eigennutz und um Selbstsucht – ach nicht um die Selbstsucht des Edlen, der sein Selbst zu erhöhen und zu stählen sucht, sondern um Geld und Geldbeutel, um Eitelkeiten und Einbildungen.

Höret auf die Stimme, die aus euch selbst kommt! Wenn sie schweigt, diese Stimme, so wisset, dass etwas schief steht, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass ihr auf dem falschen Wege seid.

Geklaut aus “Zarathustras Wiederkehr”, Hermann Hesse

Kurze Zitate sind besser als lange. Gerade und vor allem im Netz. Trotzdem komme ich mir in diesem Falle vor wie ein mieser Schnipsler. Das hat das Hesse-Bändchen “Eigensinn macht Spass” (Suhrkamp-Verlag) nun wirklich nicht verdient. Denke aber schon, dass das Wesentliche ganz gut herausgepickt wurde. Bis auf ein Detail, den Preis, den man für die Suche nach dem Selbst bezahlen muss. Auf die eigene Stimme zu hören, ist mit unangenehmen Risiken und Nebenwirkungen verbunden: man hat Zweifel, man ist einsam, man leidet. Selbstfindung ist ein schmerzhafter Prozess. Kein Wunder, dass man dazu neigt, ihn zu meiden wie den Zahnarzt.

Und dann ist da noch die Sprache: der Begriff der Selbstsucht ist ja heutzutage – und nicht ganz grundlos – eher negativ behaftet. Stichwort Hedonismus. Und wenn vom “Edlen” die Rede ist, der sein Selbst zu “stählen” sucht, dann mag sich Befremden breit machen. Missdeutung und Missbrauch sind nicht ausgeschlossen. Hierzu ein Deutungsvorschlag: “Edle” sind eben keine Übermenschen, sondern gerade jene, die versuchen, das zu sein was sie sind, mit all ihren Eigenarten. Und “gestählt” werden sie, wenn sie auf der Suche nach ihrer menschlichen Individualität dazu in der Lage sind, den Konsequenzen ins Gesicht zu sehen und sich daraus ergebendes Leiden auf sich zu nehmen und es zu verarbeiten.