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Vielfalt der Stimmen?

Schade, dass die Buchbranche im Oktober nur einen Teil der grandiosen Kreativität Brasiliens kennenlernen wird. Das ist, als liefe man durch den Urwald im Amazonas oder die Straßen von Salvador da Bahia und schaltete den Ton ab.

Michaela Metz, Süddeutsche Zeitung

Knechte, Mönche und Banditen

Der Buchhandel ist ja nicht mehr Vermittler von Literatur, sondern der verlängerte Arm der Verlage. Jurymitglieder (als Glücksverheißende) gleichen ihrem Vorbild, dem Gott Shiva, was ihre vielen verlängerten Arme angeht. Selten gilt der Preisvorschlag einer solchen Gottheit einem Autor, der nicht vorher seine Opfer gebracht hat.

Und was die Buchhandlungen angeht, sie sind von der Besatzung her in den allermeisten Fällen doch nur noch katastrophal. Der Buchpreis sagt ihnen vielleicht gerade noch was, und vielleicht noch der Büchnerpreis. Dann wird’s schon eng.

Berlin ist eine Ausnahme. Es gibt natürlich auch anderswo in Deutschland noch gute Buchhandlungen, aber man muss sie mit der Lupe suchen. Die großen Buchhandlungen aber, die Buchkaufhäuser, sind eigentlich nur noch die Endabnehmer einer Bestsellerstrategie. Dort sind die Buchverkäufer die Knechte der Bücherstapel, die Mönche der Bestenlisten und die Banditen ihrer Unbelesenheit.

Sie machen alles kaputt, was es noch durch die kalkulatorisch und kapitalistisch überhitzten Lektorate geschafft hat, obwohl sie, ähnlich wie die Verlage, sich ständig neue Ausreden einfallen lassen, dass sie mit dem Verkauf von Mist Kultur und Literatur unterstützen. Das ist völliger Unsinn.

Gerhard Falkner ist Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzer. Das ganze Interview findet man bei litaffin.