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Pontifex-Stoff

Die Paróquia São Francisco ist eine historisch nicht gerade unbedeutende Kirche im Zentrum São Paulos. Vor fast genau vier Wochen, (selbst meine Frau kannte sie nicht – dabei ist sie hier geboren), wohnten wir eben genau dort einer Hochzeit bei und freuten uns für die Beiden. Es war eine „klassische “ Zeremonie, katholisch halt, wenn auch mit schon „moderateren Tönen“, ganz zu Anfang: da spielten ein paar Streicher hinter dem Altar eine schon sehr weltlich-kitschige Melodie – oder auch zwei, oder drei. Der Priester? Ein Mann im fortgeschrittenen Alter, mit volleren, wuschelig-grauen Haaren; einer, der zunächst als “Gewöhnlicher” in seinem “Heiligtum” herumlief um Verwandten und anderen bei den letzten Vorbereitungen behilflich zu sein, welcher also als “Solcher” nicht von Anfang an erkennbar war. Dass er dann später in seiner Robe wesentlich langweiliger rüberkam als “inkognito”, tut nichts zur Sache. Er (oder „es“) tat dem entspannten „Klima” in der Paróquia nämlich keinen Abbruch. Man begrüßte sich, flüsterte miteinander, sah nach vorn und zuweilen gar nach oben.

Da tat sich der “Himmel” dann doch schon auf, wenn auch nur ein wenig.

These über die Freundschaft

Freunde,
die nie Fehler machen,
sind keine.

Ein Buch, das an jemanden erinnert

Es war einmal ein Sozialwissenschaftler, der sich sehr viel Zeit dafür nahm, um sein Studium dann aber doch endlich, dafür jedoch auch mit einer immerhin ziemlich gut bewerteten Diplomarbeit abzuschließen.

Wir kennen uns seit gut 25 Jahren und immer, wenn ich ihn nach längeren oder kürzeren Abständen innerhalb dieses bis dato doch ziemlich bemerkenswert langen Zeitraumes erneut traf, begegnete ich zwangsläufig auch dem Fach, welchem er sich bis heute – auch nach seinem erworbenen Diplom – verschrieben hat. Obwohl er ein durchaus angenehmer Gesprächspartner und Zeitgenosse sein konnte und es nach wie vor noch zu sein scheint, bezweifle ich ernsthaft, ob mir, abgesehen von meiner Kenntnis über seine Neigung zu soziologischer Literatur und der damit verbundenen, von ihm sehr ernst genommenen wissenschaftlichen Arbeit wirklich klar ist, mit wem ich es da zu tun hatte und noch habe.

Über persönliche Dinge zu reden fällt ihm nach wie vor schwer. Hier auf mögliche Gründe eingehen zu wollen, macht keinen Sinn, wäre sogar absurd. In der Vergangenheit neigte ich dazu, ihm dies zuweilen übel zu nehmen, was wiederum in den meisten Fällen zu einem Abbruch des Kontaktes führte, auf die eine oder andere kindische Weise. Heute ist mir klar, dass sein Begriff von „Freundschaft“ eben ein anderer ist als der meinige. Was wiederum die Chance bietet, illusorische Gänsefüßchen zu streichen, also die eigentliche Bedeutung des Begriffes ernst zu nehmen und dessen wahre Bedeutung bei zukünftigen Begegnungen konstuktiv umzusetzen.

Nicht, dass er mir dieses Buch empfohlen hätte, ich habe es eher zufällig gefunden. Dessen Autor hätte ich allerdings ohne ihn wohl erst wesentlich später kennen gelernt. Von daher war es schon so was wie eine „Kaufempfehlung“, wenn auch eine sehr indirekte:

Niklas Luhmann, SHORT CUTS, Verlag Zweitausendeins

Kein „geschlossenes Werk“, sondern „Ansätze“, bestehend aus einem Interview und verschiedenen Essays, auf jeden Fall sehr lesenswert, gerade für unbedarfte Laien wie Dich und mich.

Alte Freundschaft, in einem Satz

Es gibt Momente, die muss man einfach festhalten, so wie heute, also dann, wenn ein alterndes, müdes Gewächs – genährt von guten Erinnerungen, gestört von unkrautartigen Ressentiments und geplagt von der Dürre nüchterner Schlussfolgerungen – sich, kaum beachtet, wieder in einen grazilen, lebenshungrigen Sprössling verwandelt.