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Itaim-Bibi

Der erste Eindruck war nicht gerade berauschend. Ein gesichtsloses Viertel der sogenannten “gehobenen Mittelklasse”. Vor allem die “famosen” Restaurants haben mich wenig interessiert. Nicht nur wegen der Preise. Ich fand (und finde) das Ganze ziemlich versnobt oder, besser gesagt, einfach fútil.

Ich vermute, dass Itaim-Bibi seine erste, richtige Blütezeit Ende der Sechziger oder im Verlauf der Siebziger erlebt hat. Familien aus der einfachen Mittelschicht kamen zu Wohlstand und viele von denen konnten sich plötzlich große Appartments leisten. Das geht mir jedenfalls durch den Kopf, wenn ich gewissen älteren Damen oder Herren auf der Straße, im Supermarkt und sonstwo begegne, die mittlerweile von ihrer Rente zehren, immer noch in den besagten Appartments wohnen und sich wohl gerne an jene “guten Zeiten” erinnern, in denen sie hier ansässig wurden und in der die ersten, “anspruchsvolleren” Wohnkomplexe entstanden. Momentan erlebt das Viertel wieder einen Boom – wohl seinen letzten. Wo noch Platz ist, wird geplant, abgerissen und gebaut, was Markt und Grundstücke noch herzugeben imstande sind.

Obwohl hier eine ganze Menge gutsituierter Familien wohnt, kann man nicht gerade behaupten, dass sich deren Sprößlingen viele Möglichkeiten bieten. Von Parks und Spielplätzen keine Spur. Dem Nachwuchs bleibt nur die Wahl, sich auf den gesicherten Grundstücken der Wohngebäude zu tummeln. Auf der Straße zu spielen oder Fahrrad zu fahren ist undenkbar. Der gnadenlose Verkehr lärmt sich den ganzen Tag über durch die Blocks. Dementsprechend teuer sind auch die wenigen Krippen, Kindergärten und Schulen. Und das nicht, weil sie pädagogisch besonders wertvolle Arbeit leisten würden.

Warum also? Na?

Genau: weil sie halt in Itaim-Bibi sind.

Teuer sind auch viele andere Geschäfte und Dienstleistungen. Von der Modeboutique über den Supermarkt bis zum einfachen Haarschnitt. Wer hier wohnt, sollte sich auf jeden Fall ein wenig umtun und Preise vergleichen. Wer aber auf teuren Schnickschnack steht, ist wiederum genau richtig. Wem die Brieftasche locker sitzt, der kann sich hier mit allem möglichen Zeug eindecken. Und später in einem der Nobel-Restaurants bei einem gepflegten Roten über den Sinn des Lebens nachdenken.

Soweit der erste Eindruck, denn ganz so schlimm ist es dann nun doch wieder nicht.

Wer sich nämlich erst mal mit dem Viertel vertraut gemacht hat, kommt man auch damit zurecht, irgendwie … Man arrangiert sich und findet sie, jene kleine Handvoll guter und günstiger Restaurants. Oder einen fähigen Friseur mit vernünftigen Preisen. Oder freundliche Geschäftsinhaber, die sich auskennen. Oder einige wenige Bäckereien, wo man am Wochenende in angenehmer Atmosphäre an der Straße sitzen, einen Kaffee genießen und sich unter die Leute mischen kann. Überhaupt, wer die stressfreie Seite kennen lernen möchte, der sollte sich das Viertel an einem Samstagnachmittag oder an einem Sonntag zu Gemüte führen. Da geht’s dann schon wesentlich ruhiger zu. Man trifft viele Anwohner mit Kind und Kegel, Hund und Freundin, also im Grunde eine ganze Menge Leute, die wohl genau eben solche Momente doch zu schätzen scheinen, da sie in diesen Stunden immerhin den Versuch wagen, ihre Arbeitswelten und Termine und Verabredungen und Sonstiges für ein Weilchen hinter sich zu lassen.

Trotzdem: wer nicht irgendwann wieder von hier wegzieht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Keine Gedanken

Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euer “Freund” ist und wer nicht.
Macht Euch keine Gedanken darüber, wer Euch “folgt” und wer nicht.

Macht Euch lieber Gedanken, weshalb ihr Euch darüber Gedanken macht.

Árvores na neve

Pois somos como troncos de árvores na neve.
Como parece, apenas estão deitados na superfície escorregadia,
e um pequeno empurrão deveria deslocá-los.
Não, não é possível fazer isso porque eles estão firmemente unidos a terra.
Mas, veja, até isto é mera aparência.

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee.
Scheinbar liegen sie glatt auf,
und mit einem kleinen Anstoß sollte man sie wegschieben können.
Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden.
Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Franz Kafka, “Die Bäume”
Aus: “Die Erzählungen – Originalfassung”, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Tradução: Peter Hilgeland

Was mir gerade zu “Kindheit” einfällt:

Es ist eine kleine, einem lebenden Exemplar täuschend ähnliche Gummispinne, die ich meiner Mutter schenkte und die seitdem ein eher bescheidenes Dasein fristet – angesichts dessen, was voranging: ich fand sie im Zuckertopf der Küche eines Projektes zur nachschulischen Betreuung heranwachsender Jugendlicher. Ich adoptierte sie, denn mein Gesichtsausdruck in jenem Moment, als ich da ihre dunkle, vielbeinige Gestalt auf all dem hellen Zucker sah, brachte mich nicht nur den kleinen Rabauken, sondern auch mir selbst ein wenig näher. Meine Mutter will sie nicht mehr missen, sie hat sie auf den Kühlschrank gelegt, von wo aus sie seitdem für Verständnis wirbt.

These über die Freundschaft

Freunde,
die nie Fehler machen,
sind keine.

Apropos Politik

“Politik-Gedöns” zu kommentieren bringt’s in den meisten Fällen nun wirklich nicht. Gutti is bald wech – der spannt erst mal im Ausland ab; Merkel dagegen bleibt und sitzt aus – wie einst ihr Mentor; das Kachelmann-Theater ist für’n Arsch und diese ganze Menge an Sarrazins lässt sich auch nicht so leicht niederposten.

Und in der Zwischenzeit beißen sich Wutbürger aller Couleur am Euro die Zähne aus …

Apropos Schreiben

Wenn in geselliger Runde jemand zu schreiben oder schreiben zu wollen behauptete, fragte ich nach, worüber sie denn schreiben wollten. Die Antwort blieben sie mir meistens schuldig. Ich fand das seltsam. Schon damals – und seither immer mehr – habe ich es komisch gefunden, daß unsere Kultur Menschen en masse hervorbringt, die schreiben können und wollen, aber nichts zu sagen haben. Warum wollen sie schreiben, wenn sie offen und ehrlich zugeben, daß es nichts gibt, was sie vermitteln könnten? Können sie nichts anderes tun?

Gaarder, J.: Der Geschichtenerzähler. München 2002.

(… davon ausgehend, dass es sich bei der “geselligen Runde” auch um das sogenannte Web 2.0 im Allgemeinen und die Blogosphäre im Besonderen handelt …)

Gut gezwinkert!

Perpetuum Mobile

Ursache und Wirkung als ein in sich geschlossener Kreis wiederkehrender Abläufe.

Kraft und Gegenkraft.
Geist und Materie.
These und Antithese.
Begrüßung und Abschied.
Geburt und Tod.

Und umgekehrt.

Ohne Anfang und ohne Ende.

Bücher, die man nur einmal liest

Mit den meisten Büchern, die man gelesen hat, ist es so wie mit Menschen, an die man sich erinnert: sie sind wie frühere Freunde, verflossene Bekannte und Kollegen oder gar wie Unbekannte, die man einst auf der Straße traf; sie alle haben aber gleichwohl im Regal unseres Lebens ihren Platz.

Was es nicht geben darf

Selbstverständlich gibt es
Den gewinnbaren Krieg.
Frag nur den Herrn General

Selbstverständlich gibt es
Den heiligen Krieg.
Frag nur den Herrn Theologen

Selbstverständlich gibt es
Den gerechten Krieg
Frag nur den Herrn Politiker

Selbstverständlich gibt es
Den notwendigen Krieg
Frag nur den Herrn Bestatter

Aber einen
Krieg, der alle Kriege beendet
Wird es nicht geben dürfen

Frag nur den Herrn von der Waffenlobby

Gefunden bei Gitano2, dezent frisiert.