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Dicker Schinken

Zuerst waren es nur der Ort der Handlung und der Name des Autors, die neugierig machten. Nie was von jenem gelesen, dessen Umgang mit meiner Muttersprache an die grazile Art und Weise erinnert, mit der eine ältere Dame aus besseren Kreisen eine Tasse Tee in der Hand zu halten pflegt.

So dachte ich zwar immer wieder daran, die letzten Jahre, an jenen Ort, den er dort beschreibt, aber dieser Author, dem ich doch seit der Schulzeit tunlichst aus dem Wege gegangen war, der? Du liebe Güte! Bevor ich den lese, dann schon lieber alles andere, aber doch nicht so ein schwermütig-seitenschweres Werk.

So wich ich ihm denn aus, bis ich an einem verschneiten Dezembertag gegenüber eines allzu bekannten Rathauses eine kleine Buchhandlung betrat und danach fragte. Die Buchhändlerin nahm mein Ersuchen freundlichst zur Kenntnis, zufrieden darüber, mir weiterhelfen zu können. Es sei sogar eine besonders schöne Taschenbuchausgabe, die sie da vorrätig habe.

Und so überflog ich den Inhalt und fand da Dinge wie „Von der Taufschale und vom Grossvater in zwiefacher Gestalt“, „Ehrbare Verfinsterung“, „Gedankenschärfe“, „Exkurs über den Zeitsinn“, „Ewigkeitssuppe und plötzliche Klarheit“ und einiges Rätselhaft-Verführerisches mehr.

Der letzte Hauch eines Zögerns verflog im Nu; ich lese, wenn auch in Etappen, jedoch mit zunehmender Leichtigkeit. In kürzeren oder längeren Lesepausen stellt er sich dann wieder ein, der Wunsch nach dem Zauberberg. Nichts von jenem Muss, ein einmal begonnenes Buch zu beenden, sondern Durst auf Verführung. Sich von dem kunstvoll gewebten Netz seiner Sätze einfangen zu lassen und lebendige Rudimente einer maroden und skurrilen Vergangenheit zu erahnen..