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Sobre a tolerância

A tolerância ilimitada leva ao desaparecimento da tolerância. Se estendermos a tolerância ilimitada, mesmo para aqueles que são intolerantes, e se não estamos preparados para defender uma sociedade tolerante contra o ataque dos intolerantes, então os tolerantes serão destruídos e tolerância com eles. – Esta formulação, não implica que devemos sempre suprimir as filosofias intolerantes, contanto que possamos combatê-las por argumentos racionais e mantê-las sob controle pela opinião pública.

Mas devemos reivindicar o direito de suprimi-las, se necessário até mesmo pela força, e isso pode facilmente acontecer se elas não estiverem preparadas em debater no nível de argumentação racional, ao começar por criticar todos os argumentos e proibindo seus seguidores de ouvir argumentos racionais, devido ela ser uma filosofia enganosa, ensinando-os a responder a argumentos com uso de punhos ou pistolas.

Devemos, portanto, reivindicar, em nome da tolerância, o direito de não tolerar os intolerantes. Devemos enfatizar que qualquer movimento que pregue a intolerância deva ser colocado fora da lei, e devemos considerar a incitação à intolerância e perseguição devido a ela, como criminal, da mesma forma como devemos considerar a incitação ao assassinato, ou seqüestro, ou para a revitalização do comércio de escravos como criminoso.

Karl Raimund Popper: “A Sociedade Aberta e seus inimigos”

Über den Zweck der Kleidung

Also, jetzt mal ganz von vorn:

Eine Kleidung ist schon immer das gewesen, was sie auch heute noch ist. Sie schützt nicht nur, sie ist Kultur, sie signalisiert die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe und sie ist – natürlich – darüber hinaus auch eine Form des Zur-Schau-Stellens persönlicher oder kollektiver Eitelkeiten.

So weit, so gut.

Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass ihre Zweckentfremdung im Kontext der Globalisierung neue Auswüchse angenommen hat und dass deren negative Folgen nicht von der Hand zu weisen sind.

Zum Trost sei angemerkt, dass selbst in Zeiten mulitinationaler Logos niemand vor Überraschungen gefeit ist und es nach wie vor auch Formen positiver Zweckentfremdung geben kann. So zum Beispiel dann, wenn Hipster und Muslime die Klamotten tauschen:

hipstermuslims

Sprach-Welt

Sprache ist einerseits beherrschende Konvention, andererseits unser eigenster Besitz. Sie ist das Produkt kollektiver Geschichte, und dennoch trägt jeder seine eigene Vorstellung zu jedem Wort, jeder sein eigenes, in persönlicher Geschichte verankertes Verhältnis zu den Namen der Dinge in sich, auch wenn die Eigenart dieses Verhältnisses nur sehr selten artikuliert wird und unter der verhärteten Schicht der Verständigungsfunktion in unterschiedlich tiefem Schlummer liegt. Jede Begegnung mit Fremdsprache ist eine Herausforderung dieser Sprach-Welt, der persönlichen wie der kollektiven, wobei allerdings letztere durch die schlichte Notwendigkeit eines Konsenses weniger betroffen ist.

Esther Kinsky

Der Mutter zur Hand

Der Mann als Vater hat ganz offensichtlich in den Augen gewisser Männer und Frauen keine eigene, selbstständige Beziehung zu seinem Kind. Er „geht der Mutter zur Hand“, wenn er das Kind betreut. Wäre ich ein Mann, so machte mich ein solch vergiftetes Lob unglaublich wütend. Warum ist es für diese Leute offenbar unmöglich, die Beziehung eines Mannes zu seinem Kind, seine Vaterschaft, als etwas Eigenständiges und Wertvolles anzuerkennen, das nicht durch die Mutter vermittelt ist und werden muss?

Um weitere Missverständnisse auszuschließen: Ich vertrete hier nicht die Position derjenigen, die lautstark „Väterrechte“ einklagen (nicht selten verbunden mit Tiraden gegen den “Feminismus”, von dem sie keine Ahnung haben). Gerade die Reduktion der Vaterschaft auf das „Recht am Kind“ ist Teil der symbolischen Ordnung, die Männer von ihren Kindern und ihrer Vaterschaft entfremdet. Wo der Vater seine Beziehung zum Kind als „Hilfskraft“ der Mutter beginnt, muss es zwangsläufig zu jenem Entfremdungsprozess kommen, der in so vielen schmerzlichen Fällen dazu führt, dass Vater und Kind einander verlieren. Männer also müssten meiner Überzeugung nach darauf beharren, dass ihre Vaterschaft in der Öffentlichkeit, im Berufsleben und im sozialen Umfeld als bedeutender Einschnitt anerkannt und gewürdigt wird. Es braucht Bilder vom Vater, der nicht weiter am Rande steht, wie Joseph (der sich zu einer Vaterschaft bekannte, obwohl er nicht gezeugt hatte) auf jedem traditionell ikonographischen Bild der “Heiligen Familie”. „Der Vater und das Kind“ – diese Beziehung müsste viel häufiger dargestellt, in ihrer Vielfalt erzählt und gedeutet werden, um die symbolische Ordnung zu ändern. Das Problem als Rechtsfrage zu betrachten, führt dagegen in die Sackgasse, weil es die Beziehung zum Kind weiterhin und vor allem als Machtfrage denkt. Das weist nur zurück auf jenem „abwesenden Vater“, der das „Gesetz des Vaters“ symbolisiert, aber beziehungsunfähig und lieblos bleibt.

Jutta S. Pivecka

Music And Politics

If ever I would stop thinking about music and politics

I would tell you that sometimes it’s easier to desire
And pursue the attention and admiration of a 100 strangers
Than it is to accept the love and loyalty
Of those closest to me
And I would tell you that sometimes
I prefer to look at myself
Through someone else’s eyes
Eyes that aren’t clouded with the tears of knowing
What an asshole I can be, as yours are

If ever I would stop thinking about music and politics

I might be able to listen in silence to your concerns
Rather than hearing everything as an accusation
Or an indictment against me
And I would tell you that sometimes
I use sex to avoid communication
It’s the best escape when we’re down on our luck
But I can express more emotions than laughter, anger, and let’s fuck

If ever I would stop thinking about music and politics

I would tell you that I pooped in my own dog dish
And sometimes I would rather face not eating
Than face licking it clean
And admitting when I’m selfish
And I’d tell you that I’m suffering
From the worst type of loneliness
The loneliness of being misunderstood
Or more poignantly
The loneliness of being afraid
To allow myself to be understood

If ever I would stop thinking about music and politics

I would tell you that the personal revolution
Is far more difficult
Than the first step in any revolution

If ever I would stop thinking about music and politics

I would tell you that music is the expression of emotion
And that politics is merely the decoy of perception

Music And Politics Lyrics © Universal Music Publishing Group

In Memoriam

Oscar Niemeyer, 1907 – 2012  (Photo: AFP)

Corporate Pavlov


Found in a shoebox. Which reminds me of a dead Russian guy.

12.09.95: “Unternehmen” Auschwitz Reloaded

Ist schon erstaunlich, was man so alles im Internet “ausgräbt”, wenn man sich gezielt entsprechender Suchbegriffe bedient. In hiesigen Fall handelte es sich um einen Anflug von Nostalgie, gepaart mit dem nach wie vor sehr lebendigen Interesse an einem “Thema”, welches ernsthaft durch eine erste von zwei Fahrten an einen ganz bestimmten Ort geweckt wurde. Da hält man dann “das Ausgegrabene in Händen” und trifft nicht nur sich selbst und ehemalige Mitschüler in Form handgeschriebenener und später digitalisierter Texte wieder, sondern man setzt sich vor allem jenen Eindrücken und den damit einhergehenden Gedanken und Gefühlen erneut aus, welche einen dort vor 17 Jahren umtrieben und von denen das damals Geschriebene einen mehr als unzulänglichen Eindruck vermittelt:

Nach 9 Uhr nähern wir uns dem sogenannten Stammlager Auschwitz I. Vor dem Lagereingang befindet sich ein großer Platz: ein Massengrab mit 700 Toten, jenen Menschen, die die Befreiung durch die russische Armee nicht mehr erlebten, und jenen Menschen, die nach der Befreiung an den Folgen von Unterernährung und Mißhandlung noch gestorben sind. Mit einem erschreckenden Dokumentarfilm beginnt die Führung durch das Lager. Herr Jurek Demski ist ein lebendiges und leidenschaftliches Lexikon. Er führt uns – ständig kommentierend – durch die Ausstellung, die in den Blocks des Lagers verteilt ist. Information und persönlicher Eindruck sind eine Überdosis. Man kann zwangsläufig nicht alles behalten, was man hört und man ist erschlagen von dem, was man sieht.

Was ich immer noch vor mir sehe, ist ein großer Raum mit fast 2 Tonnen Menschenhaar hinter Glas. Haar, hauptsächlich von Frauen. Rohstofflieferant für Matratzen, Decken, Kissenfüllungen und besondere Arten von Strümpfen. Wohlgemerkt: Rohstoff. Ein bezeichnender Zwischenfall: Unsere Führung redet von der Häftlingsfeuerwehr. Irgend jemand räuspert sich: “Werksfeuerwehr”. Kein Kommentar! Nachmittags bestand die Möglichkeit zum Besuch der Länderausstellungen im Museum. Ich nehme sie nicht wahr. Abends. Man kann darüber streiten, ob es geschmackvoll war, zu grillen und über den Konsum von Bier eine Atmosphäre zu schaffen, die es gestattete, den Tag zu verdrängen.

Zwischen allen Stühlen?

Ob ich der einzige bin, der nicht so recht weiß, was von der ganzen “Beschneidungsdebatte” zu halten ist? Das ist wohl nicht der Fall. Mir persönlich fällt ein eindeutiges “Ja” oder “Nein” dazu jedenfalls eher schwer. Ganz abgesehen davon, dass diese Diskussion “aus der Ferne betrachtet” schon ein wenig skurril wirkt: in den brasilianischen Medien ist dieses Thema nämlich nicht von “öffentlichem Interesse”. Wie dem auch sei, mir passiert immer das Gleiche, egal ob ich nun Argumente von Befürwortern oder von Gegnern dazu lese oder höre; meine Reaktion auf deren in den meisten Fällen vehement vorgetragene Statements ist nur zu oft ein “Ja, aber …”, es scheint mir, dass beide “Lager” sowohl recht als auch unrecht haben mögen.

Der Unwille, mich einem “Lager” konsequent anzuschließen und die damit verbundene “innere Zerissenheit” spiegelt sich treffend in folgen Auszügen einer Diskussion wieder, die man auf einem “Psycho-Blog” in voller Länge einsehen kann – (ganz abgesehen von einer Menge anderer Beiträge und Links). Der erste Auszug stammt von Frank Werner Pilgram, einem sogenannten “Gegner”, dem ich schon zu Anfang des zitierten Abschnitts zustimme, denn …

… jeder Kult, der in Frage gestellt werden kann, hat seine ursprüngliche, kollektive Verbindlichkeit bereits verloren und verfällt dem Anachronismus. Deshalb wird er von seinen Parteigängern um so trotziger und blutiger behauptet. Aus der Notwendigkeit, leidvolle Trennungen (wie die von der Mutter) zu symbolisieren, konstruieren sie sich die Rechtfertigung einer Überbietung durch Opfer – statt deren zivilisierende Übersetzung und Sublimierung zu befördern. Da wird Kunst schlicht mit Kult, aus dem sie zwar kommt, über den sie aber wesentlich und qualitativ durch die sukzessive Aufhebung der Opfer hinausgeht, verwechselt und kurzgeschlossen. […] Am Ende läuft es dann doch nur auf die alte, simple Identifikation mit dem Aggressor hinaus, über die viele in ihrem Leben eben nicht hinauskommen: das Trauma, das ihnen in passiver Position angetan wurde, aktiv weiterzugeben.

Insofern ist es vielleicht gar nicht schlecht, daß heute zu diesem Anlaß und in unserem Gemeinwesen „keine 10 Männer zusammenzubringen sind“, denn deren ebenso homophobe wie verdrängt homophile Bündelei ist es ja vor allem, die mit solch affirmativ aufgefaßten Abraham-Isaak-Unterwerfungen installiert werden soll. Liegt doch der progressive Sinn dieser alttestamentarischen Geschichte nicht in ihrer kultisch-initiatorischen pars pro toto Re-Inszenierung, sondern in der Opfersubstitution, die dort zugunsten einer gesetzlichen Ordnung ermöglicht wird. In den Worten prophetischer Kritik: „Denn ich habe Lust an der Liebe, und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer.“ (Hosea 6.6) Unnötig zugefügter, zumal früher Schmerz bildet Kriegergesellschaften, keine human-erotischen Zivilisationen.

Wenn schließlich in der berechtigten Kritik der medizinisch-medialen Rationalisierung noch die Phantasie eines ‚Geburtsfilmchens’ herhalten muß, um die sadistisch ausgeübte Praxis der Beschneidung als unumgänglichen Akt der Subjekt- und Kulturbildung zu rechtfertigen, offenbart dies in der Tat einen misogynen Platonismus, der die sterbliche, verletzliche Leiblichkeit haßt und, weil dies glücklicherweise so nicht mehr ganz gesellschaftsfähig ist, ersatzweise auf den Rechtspositivismus, der sich erdreistet hat, jene zu schützen, einschlägt.

Aber, “und da haben wir den Salat”, auch die Antwort eines gewissen Karl-Josef Pazzini hat es in sich. Sie versucht, auf etwas einzugehen, dass meiner Meinung nach in der ganzen Debatte zu oft übersehen wird, nämlich die eigentlichen Ursachen für die Beschneidung und mögliche Faktoren, welche – jenseits aller religiös motivierten Begründungen – die Aufrechterhaltung dieser Praxis begünstigen könnten. Außerdem zweifelt Herr Pazzini an der Wirksamkeit rechtlicher Verbote, da …

… es nicht an sich ein Fortschritt in der Menschlichkeit ist, wenn die Beschneidung abgeschafft wäre. Nähmen wir es für ein „Symptom“, dann müssten wir doch konzedieren, dass es sich um eine kreative Lösung eines Konfliktes handelt. Was ist der Konflikt, für was ist die Beschneidung eine Lösung? Ein „Symptom“ bekommt man nicht durch Richtersprüche aus der Welt oder auch nicht durch Vulgärrationalismus.

Ein Symptom ist verflochten mit einem Kontext; das direkte Angehen eines Symptoms bringt (psychoanalytisch gedacht) in der Regel nichts. Und zu dem hier zu verhandelnden „Symptom“ gehört doch auch, dass es bei Semiten auftaucht. Gegen die einen gab es Kreuzzüge, gegen die anderen den Versuch der Vernichtung mitten in Europa. Entgleiste Grausamkeit, Gewalttätigkeit. Und gerechtfertigt wurde das z.T. mit deren Unmenschlichkeit, Minderwertigkeit, Grausamkeit.

[…]

Ich halte die Beschneidung nicht für notwendig. Für notwendig halte ich die kulturelle, gesellschaftliche Auseinandersetzung damit, was meinem Erkenntnisstand nach vermutlich durch Beschneidung symbolisiert wird.

[…]

Machen sich Muslime und Juden „festlich brutal“ über ihren Nachwuchs her? Wollten Sie das sagen? Dann würde ich sagen, dass mir dererlei „Argumente“ bekannt vorkommen.

Pro hin, Kontra her, es wäre zu wünschen, dass alle “Beteiligten” und damit vor allem auch die “offiziellen Medien” sich des Themas mehr auf solch konstruktive Art und Weise annehmen würden wie es die oben Zitierten tun.

Game Over …


Aus der schlechtesten aller möglichen Welten.