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Der Mutter zur Hand

Der Mann als Vater hat ganz offensichtlich in den Augen gewisser Männer und Frauen keine eigene, selbstständige Beziehung zu seinem Kind. Er „geht der Mutter zur Hand“, wenn er das Kind betreut. Wäre ich ein Mann, so machte mich ein solch vergiftetes Lob unglaublich wütend. Warum ist es für diese Leute offenbar unmöglich, die Beziehung eines Mannes zu seinem Kind, seine Vaterschaft, als etwas Eigenständiges und Wertvolles anzuerkennen, das nicht durch die Mutter vermittelt ist und werden muss?

Um weitere Missverständnisse auszuschließen: Ich vertrete hier nicht die Position derjenigen, die lautstark „Väterrechte“ einklagen (nicht selten verbunden mit Tiraden gegen den “Feminismus”, von dem sie keine Ahnung haben). Gerade die Reduktion der Vaterschaft auf das „Recht am Kind“ ist Teil der symbolischen Ordnung, die Männer von ihren Kindern und ihrer Vaterschaft entfremdet. Wo der Vater seine Beziehung zum Kind als „Hilfskraft“ der Mutter beginnt, muss es zwangsläufig zu jenem Entfremdungsprozess kommen, der in so vielen schmerzlichen Fällen dazu führt, dass Vater und Kind einander verlieren. Männer also müssten meiner Überzeugung nach darauf beharren, dass ihre Vaterschaft in der Öffentlichkeit, im Berufsleben und im sozialen Umfeld als bedeutender Einschnitt anerkannt und gewürdigt wird. Es braucht Bilder vom Vater, der nicht weiter am Rande steht, wie Joseph (der sich zu einer Vaterschaft bekannte, obwohl er nicht gezeugt hatte) auf jedem traditionell ikonographischen Bild der “Heiligen Familie”. „Der Vater und das Kind“ – diese Beziehung müsste viel häufiger dargestellt, in ihrer Vielfalt erzählt und gedeutet werden, um die symbolische Ordnung zu ändern. Das Problem als Rechtsfrage zu betrachten, führt dagegen in die Sackgasse, weil es die Beziehung zum Kind weiterhin und vor allem als Machtfrage denkt. Das weist nur zurück auf jenem „abwesenden Vater“, der das „Gesetz des Vaters“ symbolisiert, aber beziehungsunfähig und lieblos bleibt.

Jutta S. Pivecka

Was mir gerade zu “Kindheit” einfällt:

Es ist eine kleine, einem lebenden Exemplar täuschend ähnliche Gummispinne, die ich meiner Mutter schenkte und die seitdem ein eher bescheidenes Dasein fristet – angesichts dessen, was voranging: ich fand sie im Zuckertopf der Küche eines Projektes zur nachschulischen Betreuung heranwachsender Jugendlicher. Ich adoptierte sie, denn mein Gesichtsausdruck in jenem Moment, als ich da ihre dunkle, vielbeinige Gestalt auf all dem hellen Zucker sah, brachte mich nicht nur den kleinen Rabauken, sondern auch mir selbst ein wenig näher. Meine Mutter will sie nicht mehr missen, sie hat sie auf den Kühlschrank gelegt, von wo aus sie seitdem für Verständnis wirbt.