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Über den Zweck der Kleidung

Also, jetzt mal ganz von vorn:

Eine Kleidung ist schon immer das gewesen, was sie auch heute noch ist. Sie schützt nicht nur, sie ist Kultur, sie signalisiert die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe und sie ist – natürlich – darüber hinaus auch eine Form des Zur-Schau-Stellens persönlicher oder kollektiver Eitelkeiten.

So weit, so gut.

Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass ihre Zweckentfremdung im Kontext der Globalisierung neue Auswüchse angenommen hat und dass deren negative Folgen nicht von der Hand zu weisen sind.

Zum Trost sei angemerkt, dass selbst in Zeiten mulitinationaler Logos niemand vor Überraschungen gefeit ist und es nach wie vor auch Formen positiver Zweckentfremdung geben kann. So zum Beispiel dann, wenn Hipster und Muslime die Klamotten tauschen:

hipstermuslims

Ecce Homo For Real

Kein Telefon, Gewitter, Schneetreiben, Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen, Stromausfall, Ungewissheit, Sich-Selbst-Überlassen-Sein, Einsamkeit.

Spontane Entscheidungen, unerwartete Begegnungen, neue Sichtweisen, erfreuliche Überraschungen, Vertrauen, Für-Andere-Da-Sein, Gemeinsamkeit.

Absolute Sicherheit gibt es nicht und das ist auch gut so. Trotz möglicher Risiken und negativer Nebenwirkungen. Das Leben entspricht nicht immer dem, was sich jene Leute darunter vorstellen mögen, die in den Aufzügen klimatisierter Bürogebäude auf ihren Stock warten oder keinen Gedanken an Turbulenzen bei transatlantischen Flügen verschwenden, in einer Hollywood-Blase treibend, die sie aus einem kleinen Schirm dankbar aufsaugen. Armselige Weltfremdheit in 10 Kilometern Höhe.

Und so weiter …

Und Ihr, liebe Brüder und Schwestern, liebe Theisten und Atheisten, Wissenschaftler und gläubige Fanatiker, die Ihr denkt, absolute Wahrheiten gefunden zu haben: seid gegrüsst von der Koinzidenz, der Macht des Zufalls, dem Faktor der Unberechenbarkeit eines lebendigen Universums, welches uns hervorgebracht hat und dessen Mysterium sich weder mir noch einem von Euch je in Gänze erschliessen wird.

Findet Euch damit ab.

Infoburger

Belanglose Informationen oder Meinungen auszutauschen ist das Händeschütteln mündlicher oder schriftlicher Kommunikation. So kann ich jemanden begrüßen, aber ich lerne niemanden dadurch kennen. Doch genau das will ich, wenn ich auf Menschen zugehe. Sie kennen lernen. Etwas über sie erfahren. Auf eine Ebene unter Floskeln, Plausch und Höflichkeiten gelangen. Ich bin kein Anhänger des kommunikativen Fast Foods, welches allerorten aufgetischt wird. Selbstverständlich ist es bequem, wenn man eine Kommunikationsebene miteinander teilt, auf der man unabhängig von Sympathie mit einer Menge Menschen gleichermaßen eine Menge Lebenszeit totschlagen kann. Reden, ohne etwas zu sagen. Sich kennen, ohne miteinander vertraut sein zu müssen. Das ist bequem. Cheeseburger sind das auch. Und während das eine auf Dauer den Körper ruiniert, versaut das andere auf Dauer soziale Kompetenzen und man kann so weit verkommen, dass man selbst Partnerschaften mit der Belanglosigkeit einer mittleren Pommes mit Cola Light lebt. Das hat niemand verdient und das will ich in meinem Leben nicht. Also gehe ich ab einem gewissen Punkt offen mit dem um, was unter meiner Schicht H&M-Mensch steckt und investiere in mein Gegenüber.

Quelle? Wie man’s nimmt: ein spontan vor einiger Zeit als Entwurf gespeicherter “Schläfer”, der irgendwo auch hier zu finden ist – nun aber eben wach gerüttelt und damit erneut zugänglich.

Tea For Real

Sie sind Teetrinker und leben in Brasilien? Da haben Sie sich ja was eingebrüht! Vor allem dann, wenn Sie weder auf Kräutertees, noch auf Mate abfahren und dazu auf dem Land wohnen. Aber selbst in den Metropolen ist die Beschaffung von gutem schwarzen Tee – um den geht’s hier nämlich – ein heikles Unterfangen.

Nicht, dass der Verkauf und Konsum dieser stimulierenden Droge in einem ausgewiesenem Kaffeeland wie diesem illegal wäre … Obwohl: die Kurse einer auch hier ansässigen, auf diesen Stoff spezialisierten Ladenkette mit Hauptsitz in Deutschland erwecken schon den Eindruck, man habe es mit Dealern zu tun, die gnadenlos fast jeden Preis für ein Tütchen Darjeeling verlangen. Es kann also zu einer erniedrigenden Erfahrung werden, eine dieser Filialen in einer Stadt wie São Paulo aufzusuchen, sich mit dem fast arroganten Verhalten so mancher Verkäufer auseinander zu setzen und sich wie ein mittelloser Junkie zu fühlen auf seiner Suche nach jenem Kraut, das – mit kochendem Wasser aufgebrüht – jenes begehrenswerte Getränk hervorzaubert, welches jedwede Art geistiger Aktivität auf anregende Art und Weise begleitet.

Shame on you Americans! Wie kann man dieses Gold nur im Hafen versenken und sogar noch stolz darauf sein?

Wie dem auch sei. Lassen Sie trotzdem nicht den Kopf hängen, sondern vertrauen sie Ihrem Instinkt. Vergeschwendern Sie nicht Ihr Geld! Denken Sie um! Wer suchet, der findet! Die Alternative ist eine englische Marke, die – obwohl sie ihren Stoff hier nur in Tüten verkauft – von sich zu Recht in Anspruch nehmen kann, die einizge hierzulande zu sein, deren Produkt dem Geschmack von lose aufgebrühten Darjeeling-Blättern zumindest ansatzweise entspricht.

Besagtes Label, welches seinen – hm – Darjeeling in violetter Verpackung auch in Deutschland vertreibt, mag eben dort bei Tea-Freaks kaum Beachtung finden. Von meiner Wenigkeit wurde sie zumindest geflissentlich ignoriert, als ich noch … sie wissen schon.

Dabei ist das Zeug wirklich nicht so schlecht.

Considering the fact, dass es sich um tea bags handelt.


Update (02.08.2013)

Besagtes Zeug ist leider schon seit einiger Zeit nicht mehr in den Märkten zu finden. Verstehe einer, weshalb die oben erwähnte englische Marke ausgerechnet ihre violette Verpackung aus diesen Breiten verbannt haben könnte. Andersfarbige Schächtelchen derselben sind nämlich noch da – also der ganze übliche Mist, das übliche Klischee. Na, dann kauft mal schön, Ihr Spacken.

Earl Grey my ass!

Moment mal!

Der “Moment” ist eingefangen, gezähmt und zur Plakette der dauerfeuernden Imformationsabteilung “Konsum” geworden, so dass bei allen Versuchen wenigstens temporäre Zufriedenheit im Nichtstun zu erlangen, erstmal die Mauern der biersüffelnden, waschmittelschnüffelnden und bergstraßenfahrenden Verheißungen nieder gerissen werden müssen, die einem den schönen Moment der Gegenwärtigkeit vernebeln. Die Welt wird nicht kleiner, sondern schneller – wir leider auch und nicht größer. Wir werden fragmentiert, teilchenbeschleunigt, aus dem Zusammenhang gerissen und in immer neue Verpackungen gestopft, beinahe unfähig uns auszupacken und anzuhalten. Ich habe Angst davor, von der Vergangenheit in die Zukunft ohne Gegenwart leben zu müssen.

Argwohn tut Not.

Angesammelt

Kenn Dein Limit!

Was solche “Aktionswochen” bewirken können, sei mal dahingestellt. Malt man sich aber nur für einen Augenblick aus, wie viele leere Pullen bundesweit jeden Tag allein in die Container wandern, dann scheint sich die Frage zu erübrigen, welches Rauschmittel sich nach wie vor bester Beliebtheit erfreut, für glänzende Umsätze sorgt und dessen exzessiver Konsum nur zu oft ein Verhalten herbeiführt, das sich in Form von Gewaltdelikten und Verkehrsunfällen in den Statistiken niederschlägt.