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Moment mal!

Der “Moment” ist eingefangen, gezähmt und zur Plakette der dauerfeuernden Imformationsabteilung “Konsum” geworden, so dass bei allen Versuchen wenigstens temporäre Zufriedenheit im Nichtstun zu erlangen, erstmal die Mauern der biersüffelnden, waschmittelschnüffelnden und bergstraßenfahrenden Verheißungen nieder gerissen werden müssen, die einem den schönen Moment der Gegenwärtigkeit vernebeln. Die Welt wird nicht kleiner, sondern schneller – wir leider auch und nicht größer. Wir werden fragmentiert, teilchenbeschleunigt, aus dem Zusammenhang gerissen und in immer neue Verpackungen gestopft, beinahe unfähig uns auszupacken und anzuhalten. Ich habe Angst davor, von der Vergangenheit in die Zukunft ohne Gegenwart leben zu müssen.

Argwohn tut Not.

Finger weg!

Sehr geehrte Chefredakteure, Programmleiter, Fernsehdirektoren, Eventdenker, Kaufhauschefs! Sehr verehrte Planer von Freizeitparks, Loveparades, Expo’s und all dem anderen Nonsens! Laßt die Finger weg von unserer Langeweile! Sie ist unser letztes Ich-Fenster, aus dem wir noch ungestört, weil unkontrolliert in die Welt schauen dürfen! Hört auf, uns mit euch bekannt zu machen! Hört auf, euch für uns etwas auszudenken! Sagt uns nicht länger, was wir wollen! Bleibt uns vom Leib, schickt uns keine portofreien Antwortkarten und gebt uns keine Fragebögen in die Hand, interviewt uns nicht, filmt uns nicht, laßt uns in Ruhe! Laßt uns herumstehen, denn Herumstehen ist Freiheit! Und gebt euch zufrieden damit, wenn wir das, was uns interessant vorkommt, vielleicht niemandem erzählen wollen.

Kleiner, aber feiner Auszug aus der Dankrede von Wilhelm Genazino.

Schneeschmelze sei Dank!