Arquivo da tag: São Paulo

Da wird was knapp …

… aber das mag Euch wenig jucken. Euch dort in Europa. – Uns aber schon.

Und selbst hiesige Dumpfbacken werden dann ihren Kopf in Kürze nicht mehr in den Sand stecken können. Geschweige denn unter die Dusche.

Und das juckt dann umso mehr.

São Paulo, kurz vor Zwölf

Im Supermarkt um die Ecke. Der Laden brummt. Ungewöhnlich, zu dieser Uhrzeit. Ein Bienenstock. Wieder draußen, die ersten Böller, das erste Gehupe. Noch sind die Straßen frei, wie an gewöhnlichen Feiertagen. Ja, heute ist einer, ausgerufen per Dekret, Grüße von der prefeitura. Noch sind die Straßen frei. Noch ist Zeit. Dennoch zügig nach Hause. Bevor sie anwälzt. Die Blechlawine der Torschluss-Panik. In wenigen Stunden. Kurz vor dem Spiel.

Oder auch nicht.

Das ist doch mal was …

Sprühregen.
Ganz, ganz fies.
Unter 10 Grad.
So was von mies.

Kalte Ohren.

Ich wiederhole:
Kalte Ohren.

Und kalte Nasen.

Ich wiederhole:
Kalte Nasen.

Dicke Jacken.
Kunstfaser.
Baumwolle.
Alles da.

Kapuzen.
Handschuhe gar.

So was von kalt.
Doch gar nicht alt.

Frische Luft.
Frisch und klar.

Nicht für lang.
Das ist wohl wahr.

Mar Revolto

Bill Soares, “Mar Revolto”, acrílica sobre tela, 260 x150cm – All rights reserved.

Bill Soares on Flickr

Pontifex-Stoff

Die Paróquia São Francisco ist eine historisch nicht gerade unbedeutende Kirche im Zentrum São Paulos. Vor fast genau vier Wochen, (selbst meine Frau kannte sie nicht – dabei ist sie hier geboren), wohnten wir eben genau dort einer Hochzeit bei und freuten uns für die Beiden. Es war eine “klassische “ Zeremonie, katholisch halt, wenn auch mit schon “moderateren Tönen”, ganz zu Anfang: da spielten ein paar Streicher hinter dem Altar eine schon sehr weltlich-kitschige Melodie – oder auch zwei, oder drei. Der Priester? Ein Mann im fortgeschrittenen Alter, mit volleren, wuschelig-grauen Haaren; einer, der zunächst als “Gewöhnlicher” in seinem “Heiligtum” herumlief um Verwandten und anderen bei den letzten Vorbereitungen behilflich zu sein, welcher also als “Solcher” nicht von Anfang an erkennbar war. Dass er dann später in seiner Robe wesentlich langweiliger rüberkam als “inkognito”, tut nichts zur Sache. Er (oder “es”) tat dem entspannten “Klima” in der Paróquia nämlich keinen Abbruch. Man begrüßte sich, flüsterte miteinander, sah nach vorn und zuweilen gar nach oben.

Da tat sich der “Himmel” dann doch schon auf, wenn auch nur ein wenig.

“Zero Tolerance” auf Brasilianisch

Von Glauco Cortez
Übersetzung: Peter Hilgeland

Nach fast 20 Jahren Regierungsverantwortung der PSDB im brasilianischen Bundesstaat São Paulo steigt die Anzahl der Morde weiterhin an. Es ist das Ergebnis eines urbanen Krieges zwischen der Polícia Militar und organisierten Drogenbanden. Man bedenke: Die Generation derjenigen, die heute gezielt Polizisten töten, wurde also zu einer Zeit geboren, in der die PSDB dort an die Macht kam.

Gouverneur Geraldo Alkmin ist als eines ihrer medialen Aushängeschilder für eine politische Ausrichtung mitverantwortlich, deren praktische Umsetzung von seiner Partei in São Paulo vorangetrieben wird. “Wir werden die Banditen mit Härte bekämpfen, sie werden uns nicht einschüchtern, Banditen gehören in den Knast.” So oder ähnlich pflegt er sich wöchentlich in den Medien zu äußern.

Dementsprechend gestaltet sich auch die Sicherheitspolitik seiner Regierung. Der Hardliner-Diskurs würde wohl noch besser greifen, wenn es möglich wäre, Elemente des Rechtsstaates zu verwässern und der Polícia Militar dadurch einen Freibrief zum Töten auszustellen. Für manche in Alckmins Partei wäre dies wohl ein akzeptabler Weg, um Gewalt erfolgreich zu bekämpfen. Nicht von ungefähr nominierte die PSDB Kandidaten für die vor kurzem gelaufenen Kommunalwahlen, deren Motto klarer nicht sein könnte: “Nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit.”

Angesichts der Tatsache, dass ein weiterhin rigides Vorgehen wenig Aussicht auf Erfolg zu haben scheint und darüber hinaus die Rückkehr zu einer Politik jenes Staatsterrors einleitet, wie er noch aus den Zeiten der Diktatur bekannt ist, manövriert sich Alckmins Partei hier in eine bedenkliche Lage. Dabei ist es offensichtlich, dass die “Strategie” der PSDB nicht greift. Die Situation hat sich nämlich in den fast zwanzig Jahren ihrer Regierung nur verschlechtert. Was ihr noch bleibt, ist das Schönreden von Gewaltstatistiken.

Der Polizei sei also empfohlen, weniger Gebrauch von der Schusswaffe zu machen und sich stattdessen mehr auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen. Die von der PSDB geführte Regierung handelte den Beamten nämlich einen ziemlich perversen, urbanen Krieg ein. Als Uniformierte haben sie es in den Städten mit nicht uniformierten, organisierten Kriminellen zu tun und werden dadurch zu einem leichten Ziel für Gewalt.

Dabei geht es nicht nur um die rechtspopulistischen Sprüche so mancher Konservativer, auch nicht so sehr um politische Unfähigkeit und Ignoranz, sondern vor allem um das wässrige, gescheiterte Konzept, die Bekämpfung des Drogenkonsums zu einer reinen Polizeiangelegenheit zu machen. [Ganz abgesehen von den Spezialkommandos, die unter anderem für die sogenannte “Crowd and Riot Control” zuständig sind]. – Es ist an der Zeit, dass endlich alternative Modelle zur Eindämmung dieses Problems in der brasilianischen Öffentlichkeit zur Sprache gebracht werden.

Quelle: Alexandre Vieira (flickr.com)

Wie viele Drogentote machten eigentlich in den letzten 10 Jahren Schlagzeilen? Ich erinnere mich noch an Cássia Eller, das war 2001, sonst aber an niemanden. Im Gegensatz dazu sei gefragt: Wie viele Menschen sind eigentlich nur in dieser Woche an den Folgen eines verdeckten Bürgerkrieges gestorben? Dutzende? Vielleicht sogar hunderte? Eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Problem ist dringend erforderlich, ohne Vorurteile, ohne Mystifizierung und ohne Tabus. Ein Festhalten an diesem Krieg ist nicht tragbar. Die Polizeiangehörigen und deren Familien haben es nicht verdient, in bürgerkriegsähnliche Zustände hineingezogen zu werden.

Räumung des Viertels Pinheirinho, Januar 2012. – (Quelle nicht bekannt)

Weshalb kapieren diese [selbsternannten] Genies von der PSDB eigentlich nicht, dass es um gerechte Einkommensverteilung geht, dass in die städtischen Randgebiete investiert werden muss und dass die öffentlichen Schulen dringend mehr finanzielle Mittel benötigen?

Die Zwangsräumung des Viertels Pinheirino mag einen Eindruck dessen vermitteln, was da noch so von der PSDB [und anderen Parteien] unter “Sicherheitspolitik” verstanden werden könnte, nämlich – wie in diesem Fall – die [sehr kurzfristig angekündigte] Vertreibung armer Teile der Bevölkerung aus ihren Behausungen [das weitläufige, verlassene Gelände wurde seit 2004 von obdachlosen Familien besetzt], um es einem Spekulanten zugänglich machen zu können.

Wer arm ist, gilt nun mal als potentieller Verbrecher …

Während all dieser Jahre war die PSDB nicht dazu in der Lage [oder nicht willens?], staatliche Strukturen zu schaffen, die beispielsweise ihren Teil dazu hätten beitragen können, die wahren Ursachen für die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen durch Drogenbanden einzudämmen.

Solange es keine umfangreiche Bildungs- und Sozialpolitik gibt und solange keine wirklich sachliche Auseinandersetzung über Drogen statt findet, ist ein Ende dieses Krieges nicht absehbar.

Glauco Cortez ist Sozialwissenschaftler, Journalist und Autor mehrerer Sachbücher.

Itaim-Bibi

Der erste Eindruck war nicht gerade berauschend. Ein gesichtsloses Viertel der sogenannten “gehobenen Mittelklasse”. Vor allem die “famosen” Restaurants haben mich wenig interessiert. Nicht nur wegen der Preise. Ich fand (und finde) das Ganze ziemlich versnobt oder, besser gesagt, einfach fútil.

Ich vermute, dass Itaim-Bibi seine erste, richtige Blütezeit Ende der Sechziger oder im Verlauf der Siebziger erlebt hat. Familien aus der einfachen Mittelschicht kamen zu Wohlstand und viele von denen konnten sich plötzlich große Appartments leisten. Das geht mir jedenfalls durch den Kopf, wenn ich gewissen älteren Damen oder Herren auf der Straße, im Supermarkt und sonstwo begegne, die mittlerweile von ihrer Rente zehren, immer noch in den besagten Appartments wohnen und sich wohl gerne an jene “guten Zeiten” erinnern, in denen sie hier ansässig wurden und in der die ersten, “anspruchsvolleren” Wohnkomplexe entstanden. Momentan erlebt das Viertel wieder einen Boom – wohl seinen letzten. Wo noch Platz ist, wird geplant, abgerissen und gebaut, was Markt und Grundstücke noch herzugeben imstande sind.

Obwohl hier eine ganze Menge gutsituierter Familien wohnt, kann man nicht gerade behaupten, dass sich deren Sprößlingen viele Möglichkeiten bieten. Von Parks und Spielplätzen keine Spur. Dem Nachwuchs bleibt nur die Wahl, sich auf den gesicherten Grundstücken der Wohngebäude zu tummeln. Auf der Straße zu spielen oder Fahrrad zu fahren ist undenkbar. Der gnadenlose Verkehr lärmt sich den ganzen Tag über durch die Blocks. Dementsprechend teuer sind auch die wenigen Krippen, Kindergärten und Schulen. Und das nicht, weil sie pädagogisch besonders wertvolle Arbeit leisten würden.

Warum also? Na?

Genau: weil sie halt in Itaim-Bibi sind.

Teuer sind auch viele andere Geschäfte und Dienstleistungen. Von der Modeboutique über den Supermarkt bis zum einfachen Haarschnitt. Wer hier wohnt, sollte sich auf jeden Fall ein wenig umtun und Preise vergleichen. Wer aber auf teuren Schnickschnack steht, ist wiederum genau richtig. Wem die Brieftasche locker sitzt, der kann sich hier mit allem möglichen Zeug eindecken. Und später in einem der Nobel-Restaurants bei einem gepflegten Roten über den Sinn des Lebens nachdenken.

Soweit der erste Eindruck, denn ganz so schlimm ist es dann nun doch wieder nicht.

Wer sich nämlich erst mal mit dem Viertel vertraut gemacht hat, kommt man auch damit zurecht, irgendwie … Man arrangiert sich und findet sie, jene kleine Handvoll guter und günstiger Restaurants. Oder einen fähigen Friseur mit vernünftigen Preisen. Oder freundliche Geschäftsinhaber, die sich auskennen. Oder einige wenige Bäckereien, wo man am Wochenende in angenehmer Atmosphäre an der Straße sitzen, einen Kaffee genießen und sich unter die Leute mischen kann. Überhaupt, wer die stressfreie Seite kennen lernen möchte, der sollte sich das Viertel an einem Samstagnachmittag oder an einem Sonntag zu Gemüte führen. Da geht’s dann schon wesentlich ruhiger zu. Man trifft viele Anwohner mit Kind und Kegel, Hund und Freundin, also im Grunde eine ganze Menge Leute, die wohl genau eben solche Momente doch zu schätzen scheinen, da sie in diesen Stunden immerhin den Versuch wagen, ihre Arbeitswelten und Termine und Verabredungen und Sonstiges für ein Weilchen hinter sich zu lassen.

Trotzdem: wer nicht irgendwann wieder von hier wegzieht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Cercado Por Imbecis

Porque alguns de nós (inclusive eu) agimos como imbecis quando dirigimos? Caminhando numa calçada repleta de gente, não sinto a necessidade urgente de empurrar os pedestres ao meu redor, quando eles interditam meu caminho. (Tudo bem, às vezes eu sinto tal necessidade, mas eu não o faço). Na verdade, aprecio a experiência de caminhar em uma calçada urbana movimentada. Pode até ser agradável observar as pessoas e desfrutar das cenas e do ambiente sonoro de uma cidade, enquanto percorro meu trajeto de A a B.

No entanto, atrás do volante do carro, as coisas são diferentes. Quando dirigimos, não enxergamos os outros como pessoas. Nós os enxergamos como competidores numa corrida imaginária para lugar nenhum. Se alguém o ultrapassa ou o corta, você considera a ação como um ataque pessoal ao seu caráter e à sua liberdade. A resposta será imediata e desproporcional. Isso sem mencionar pedestres e ciclistas. Eles são vistos como cidadãos de segunda classe, não parecem aptos o suficiente para dirigir um carro e são tratados como meros obstáculos. O ambiente percebido ao redor dos motoristas, e até a cidade em si, desaparece na obscuridade e se torna apenas uma distração na reta final de uma corrida frenética.

"Os Imbecis e EU!" (Fonte: progressivetransit.wordpress.com)

É impressionante (até assustador) como o carro, sendo o nosso meio preferido de transporte, é capaz de causar efeitos tão profundos em nossas personalidades. Há muitos motivos psicológicos para isso:

– Duas toneladas de aço nos fazem sentir mais seguros do que realmente somos.

– Não enxergamos as pessoas que conduzem os outros carros, nós as percebemos como objetos inanimados.

– Não somos capazes de nos comunicar. Nós, seres humanos, os criadores da língua moderna, da literatura, da filosofia e da ciência, estamos sendo reduzidos a resmungos e gestos a partir do momento em que entramos num carro. O som da buzina pode significar “desculpe” ou “sai da frente, seu FDP !!!”.

– Nós enlouquecemos com o poder. Consigo atingir uma velocidade de 100 km/h em poucos segundos, mas “a fera” fica presa em congestionamentos que impedem a sua libertação. Como os ambientalistas, ciclistas e outros ousam limitar a minha liberdade a 60, 100 ou 120 km/h?

– Nós nos sentimos desconectados da nossa cidade. Dirigimos de A a B e só estamos aqui por causa das ruas. Toda aquela tralha (semáforos, faixas de pedestre, crianças, ciclistas, animais) atrapalha e precisa sair do caminho.

Tal comportamento não nos leva a lugar algum. Como podemos aprender a cooperar, se a presença de outros cidadãos nos irrita tanto? Como criamos comunidades no espaço urbano, se há tanto ódio fluindo pelas veias das nossas cidades? Mas não recrimino os motoristas por esbravejarem. Quando não existem outras opções para o transporte, eles parecem presos na armadilha da direção.

Texto original de Derek Edwards: “Surrounded By Jerks”, em Progressive Transit.
Tradução: Peter Hilgeland

A fim de diminuir a pressão, o autor deste texto resolveu morar próximo ao seu local de trabalho e aumentou o uso da bicicleta como meio de transporte. Resultado: ele dirige menos, mas quando usa o carro, sente-se mais tolerante em relação aos outros e é capaz de enfrentar um engarrafamento com dignidade.

Post Scriptum (25.05.2013)
Acabei de achar um outro texto que trata do mesmo assunto, o foco é “mais amplo”, é um ótimo complemento do post acima: “O trânsito, uma metáfora da vida”, do blog de Leo Rossatto.

Das ist doch mal was …

Kommt mir bekannt vor, von A bis Z:

Abwechslung, Gedanken, klarer Kopf, Wetter …

Nur dass es heute nieselt.

Und dass es nicht Tag ist,
sondern Abend.

Und dass es nicht Frühling ist,
sondern Herbst.

Und dass ich keinen Schnee zu riechen meine.

Und dass ich kein Heimweh habe.
Zumindest nicht heute.

Aber sonst …

Autogrammstunde

Wenn brasilianische Punker neues Vinyl in einer stadtbekannten Buchhandlung präsentieren, dann sieht das ungefähr so aus:

Muketa di Rato und Dead Fish auf einer Scheibe

"Mukeka di Rato" und "Dead Fish"

Aus einem Photostream von Marcelo Shina.