Arquivo da tag: Sucht

Denkt er sich

Eigentlich könnt’ ich mir ja was anderes reinzieh’n.

Denkt er sich, während er in den Laden läuft, in der Schlange steht, sein Futter holt und sich hin pflanzt.

OK, is’ halt praktisch. Solang’ ich nich’ jeden Tag … Hör bloß auf. Und der da vorn? Guck dir den doch an. Was der auf’m Tablett hat. So wie der frisst. Du fette Sau. Nee, so bin ich nich’ drauf. Ich spar’ nur Zeit und weiß, was ich hier krieg’. Immer. Überall. Egal, wo ich bin. Is’ doch geil.

Denkt er sich, verputzt den Stoff, rülpst verhalten, lässt den Restmüll liegen und hechtet hinaus. Ein Furz droht an, sich quer zu setzen.

OK, mal seh’n.
Zieh’ mir morgen was anderes rein.

Denkt er sich.
Nicht wirklich.

Genug Geld haben

Haben Sie schon einmal einen Drogensüchtigen gesehen, dem der Stoff ausgegangen ist? Er bewegt Himmel und Hölle, er würde 20 Meilen zu Fuß gehen oder einer Großmutter ihr Gespartes abnehmen, um schnellst möglich an den nächsten Schuss zu kommen. Die Wall Street funktioniert genauso. Die Monate vor der Auszahlung der Boni haben viel gemein mit der Nachbarschaft im Film ‘The Wire’, als den Leuten das Heroin ausgegangen ist und sie einen neuen Schuss brauchen.

Wer das sagt, ist kein verwirrter Soziologe und schon gar kein böser Kommunist, sondern jemand, der es als Hedge-Fonds-Trader zu einem ansehnlichen Vermögen “brachte”. Was natürlich seinen Preis hatte: Zunächst hielt er sich mit Alkohol unter Strom, dann stieg er auf andere “leistungsfördernde Substanzen” um. Als auch das nicht mehr zu Genüge knallte, half nur noch der ultimative Fix:

Die Kohle an sich.

Bis er die Schnauze voll hatte und nüchtern wurde:

The first year was really hard. I went through what I can only describe as withdrawal — waking up at nights panicked about running out of money, scouring the headlines to see which of my old co-workers had gotten promoted.

“Der hat gut reden”, höre ich jetzt einige von Euch murmeln. “Geld hat er wohl trotzdem noch genug”. Keine Frage, aber wenn es nur darum ginge, hätte ich mir dieses Post auch sparen können.

Genug Geld zu haben ist halt etwas anderes als immer mehr davon haben zu wollen, vor allem dann, wenn man schon genug davon hat.

Rauchen macht schlank? Yo!

Nun hat Nikotin ja nun doch schon eine Appetit hemmende Wirkung und wer aufhört, diesen Stoff zu konsumieren, verspürt mehr Lust auf Essen – keine Frage.

Man sollte sich deshalb schon vor dem Ausdrücken der letzten Zigarette im Klaren darüber sein, dass der Entzug des Störenfriedes den Stoffwechsel “aufmischt”; der Körper macht eine zwar drastische, aber ausgesprochen belebende Umstellung durch. Sie wirkt sich schon nach wenigen Tagen eben nicht nur auf den Geschmacks- und Geruchssinn aus, sondern auch auf alle Prozesse, die mit der körperlichen “Verwertung” von Nahrung verbunden sind.

Da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, während des Entzuges an Gewicht zuzulegen, ist es (mal wieder) wichtig, mit welcher inneren Einstellung man an die “Sache” herangeht. (Klingt banal, ist aber so!). Man sollte sich also schon vor dem Ausdrücken der letzten Kippe Gedanken über seine Ernährung machen und das “Aufhören” auch als Chance begreifen, die “Nahrungsaufnahme” in einem neuen Licht zu sehen. Eben nicht als Ersatz für Nikotin (das machen so einige, die der Kippe nachtrauern), sondern als Gewinn an Lebensqualität: Essen ist ein Genuss, wenn man es mit allen “beteiligten” Sinnen tut, anstatt damit einfach nur Frust abbauen zu wollen.

Rauchen macht schlank? Von wegen: sehe jeden Tag übergewichtige Personen auf der Strasse, die an der Kippe ziehen. Möchte nicht wissen, wie viele von denen auch deshalb nicht aufhören, weil sie Angst haben, sie würden “ohne” erst recht aufgehen wie ein Puffelskuchen. Hier gehen falsches Ernährungsverhalten und Nikotinsucht eine unheilvolle Allianz ein.

Als ob Fresserei ohne Sinn(e) nur ein Problem von Ex-Rauchern wäre …

Dampf ab!

Und dann ist ihm der Kragen geplatzt: “Ich kann es nicht mehr hören. Die Scheiße. Diese ganze Scheiße. Von denen, die drauf sind. Egal auf was. Scheiß Säufer. Scheiß Pillenfresser. Was die tun. Was die reden. Das ewige Jammern. Das Instrumentalisieren. Um an Nachschub zu kommen. Natürlich. Was denn sonst. Weiter reicht der Horizont ja nicht. Auch wenn sie über Gott und die Welt quatschen. Jammern. Besser gesagt. Wegmachen. Darum gehts doch immer. Die ganze Scheiße. Die Gewalt. Die Kacke. Die Idioten. Trau keinem, der drauf ist. Und nimm nichts von dem Ernst, was er sagt. Ist eh alles gelogen. Oder Schwachsinn. Die wollen Sprit. Stoff. Darum dreht es sich. Dafür tun die alles. Idioten. Vollidioten. Nur saufen, saufen, saufen, saufen. Oder Stoff, Stoff, Stoff. Scheißegal. So ist es doch. Arschlöcher.”

Cut, so ist es.

Den Bock zum Gärtner machen:

Rainer Unsinn

Tea For Real

Sie sind Teetrinker und leben in Brasilien? Da haben Sie sich ja was eingebrüht! Vor allem dann, wenn Sie weder auf Kräutertees, noch auf Mate abfahren und dazu auf dem Land wohnen. Aber selbst in den Metropolen ist die Beschaffung von gutem schwarzen Tee – um den geht’s hier nämlich – ein heikles Unterfangen.

Nicht, dass der Verkauf und Konsum dieser stimulierenden Droge in einem ausgewiesenem Kaffeeland wie diesem illegal wäre … Obwohl: die Kurse einer auch hier ansässigen, auf diesen Stoff spezialisierten Ladenkette mit Hauptsitz in Deutschland erwecken schon den Eindruck, man habe es mit Dealern zu tun, die gnadenlos fast jeden Preis für ein Tütchen Darjeeling verlangen. Es kann also zu einer erniedrigenden Erfahrung werden, eine dieser Filialen in einer Stadt wie São Paulo aufzusuchen, sich mit dem fast arroganten Verhalten so mancher Verkäufer auseinander zu setzen und sich wie ein mittelloser Junkie zu fühlen auf seiner Suche nach jenem Kraut, das – mit kochendem Wasser aufgebrüht – jenes begehrenswerte Getränk hervorzaubert, welches jedwede Art geistiger Aktivität auf anregende Art und Weise begleitet.

Shame on you Americans! Wie kann man dieses Gold nur im Hafen versenken und sogar noch stolz darauf sein?

Wie dem auch sei. Lassen Sie trotzdem nicht den Kopf hängen, sondern vertrauen sie Ihrem Instinkt. Vergeschwendern Sie nicht Ihr Geld! Denken Sie um! Wer suchet, der findet! Die Alternative ist eine englische Marke, die – obwohl sie ihren Stoff hier nur in Tüten verkauft – von sich zu Recht in Anspruch nehmen kann, die einizge hierzulande zu sein, deren Produkt dem Geschmack von lose aufgebrühten Darjeeling-Blättern zumindest ansatzweise entspricht.

Besagtes Label, welches seinen – hm – Darjeeling in violetter Verpackung auch in Deutschland vertreibt, mag eben dort bei Tea-Freaks kaum Beachtung finden. Von meiner Wenigkeit wurde sie zumindest geflissentlich ignoriert, als ich noch … sie wissen schon.

Dabei ist das Zeug wirklich nicht so schlecht.

Considering the fact, dass es sich um tea bags handelt.


Update (02.08.2013)

Besagtes Zeug ist leider schon seit einiger Zeit nicht mehr in den Märkten zu finden. Verstehe einer, weshalb die oben erwähnte englische Marke ausgerechnet ihre violette Verpackung aus diesen Breiten verbannt haben könnte. Andersfarbige Schächtelchen derselben sind nämlich noch da – also der ganze übliche Mist, das übliche Klischee. Na, dann kauft mal schön, Ihr Spacken.

Earl Grey my ass!

Und bist Du nicht willig …

Genuss ohne Freiheit ist wie ein durch äußere Gewalt herbeigeführtes Lächeln.

Getweetet von MartinOHamann