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Virtueller Spickzettel

Durch mich fließt ein nicht abreißender Info-, Anreißer- und Teaser-Strom, der mein früheres Halbwissen durch ein Fake-Wissen ersetzt hat: Überall rede ich mit, denn das Internet, insbesondere der Social-Media-Feed, ist ein fortlaufender, sich ständig selbst aktualisierender Spickzettel.

Hauptsache, man gibt seinen Senf dazu. Selbst zu Dingen, die man nicht kennt…

Heinz Erhardt Reloaded

Täglich fließt die Timeline fort.
Von hier nach dort, zu keinem Ort.
Sie steht nie still, auch sonntags nicht
und wenn’s mal in der Birne sticht,
kann man was posten, gar verfassen.
Man kann’s aber auch bleiben lassen.

Täglich fließt der Bach durchs Tal.
Mal fließt er breit, mal fließt er schmal.
Er steht nie still, auch sonntags nicht,
und wenn mal heiß die Sonne sticht,
kann man in seine kühlen Fluten fassen.
Man kann’s aber auch bleiben lassen.
(Heinz Erhardt, “Der Bach”)

Schlafwandlerisch

Wieder twittern,
irgendwann?!

Na dann …

Bin so müde, gar nicht wach,
Konto nur mit Ach und Krach.

Wecker nicht gestellt,
werd’ um nichts geprellt.

Schlaf, Timeline, schlaf!
Wer ist hier das Schaf?

Twitterreim, kleinstmöglichst

Das ist zu klein,
um wahr zu sein.

Hundertvierzig Zeichen,
die fast niemals reichen.

Virtueller Suizid?

Ein Twitter-Account zu löschen mag in den Augen so mancher einem virtuellen Suizid gleichkommen. Vor allem dann, wenn man schon seit anderthalb Jahren dabei ist, fast täglich irgendwelchen guten, weniger guten oder – schlimmer noch – nichtssagenden Senf zu posten und sich dabei nicht nur an das Folgen und Gefolgt-Werden, sondern auch an das ganze “soziale Umfeld” gewöhnt hat, an das ganze Lesen und Gelesen-Werden, an das Links-Klicken, an das Überspringen, an das Rauf-und-Runter-Scrollen, an jenes kommunikative Dschungelcamp aus Replys und Retweets …

ES dann vorgestern zu löschen, war gerade deshalb eine klärende Erfahrung. Ein leises Bedauern schwingt selbstweetend mit, dergestalt, als verließe man etwas Reales, wobei es sich doch nur um eine illusorische Heimat handelt, einen Hafen der virtuellen Gewöhnung.

In puncto Gewöhnung mag der gute Stancer da schon Recht haben:

Twitter ist halt wie eine liebgewonnene wenn auch blöde Angewohnheit, man wird es einfach nicht los. Es gibt schlimmeres.

Natürlich gibt es Schlimmeres. Das Löschen eines Twitter-Accounts ist aber trotzdem nicht mit einem Suizid, also – nach Stancers Worten – mit dem “Sprung vor einen einfahrenden Zug” zu vergleichen, sondern eher damit, nicht weiter in ihm zu verweilen.

To get things straight:

Man kann physischen Suizid begehen, indem man vor einen Zug springt. Man kann auch sozialen Suizid begehen, indem man Dinge tut, die gesellschaftlich allgemein anerkannten Verhaltensregeln widersprechen. In beiden Fällen hat man es aber mit einem echten sozialen Umfeld zu tun, bestehend aus echten Menschen in echten Lebenssituationen, mit denen man als Handelnder, Betroffener oder Zaungast – selbst im Falle eines Selbstmordes – interagiert, lebensnah!

Soziale Netzwerke entfernen dagegen weder Leichen von den Gleisen, noch sind sie in der Lage, auf abweichendes Verhalten positiv oder negativ direkt Einfluss zu nehmen, also vor Ort! Digital getippte Wörter mögen in bestimmten Fällen bewusstseinsverändernde Wirkungen erzeugen und die Lesenden zu konkreten Aktionen veranlassen. Sie sind aber eher die Ausnahme als die Regel.

Die Regel ist ein Overflow an Information, mit welchem wir unsere konkreten Lebensumstände jedoch in keinster Weise zu lösen in der Lage sind, sondern der uns höchstens der Befriedigung persönlicher Eitelkeiten und Wunschvorstellungen dient oder uns über unsere Einsamkeit hinwegtröstet, wenn wir mal wieder am Bahnhof stehen und uns, alles andere ignorierend, tippend und checkend an einem Device festhalten. Sollte in diesem Augenblick dann jemand vor einen einfahrenden Zug springen, dann nehmen wir es zur Kenntnis und posten ein Tweet in Echtzeit auf die Timeline.

Offline 1

Notiert am 05.06.2010

Auf einer kleinen überdachten Veranda an diesem angenehm kühlen, verregneten Samstag die großblättrigen subtropischen Gewächse eines Gartens zu bewundern, der ständig von urwüchsiger Mata Atlântica “bedroht” wird, und dabei einen Laptop ohne Internet-Zugang auf dem Schoß zu haben, ist eine klärende Erfahrung. Der Laptop wird zur Schreibmaschine, der Schreiber ist kein Blogger, Tweeter, Forist, Surfer, sondern ein Individuum ohne virtuelle Resonanz, ohne “Öffentlichkeit”, ohne das mögliche, aber nicht unbedingt wahrscheinliche Feedback anderer, also ohne den “Spiegel”, den er sich selbst laufend vorhält, wenn er sich einloggt.

Wäre unser Ego nicht so gestrickt, dann würde es vieles im Internet nicht geben: so viele sinnlose Posts, so viele blödsinnigen, nichtssagenden Kurz-Kommentare auf Twitter oder Facebook, oder wo auch immer. Und dieser Text ist halt auch nicht so, wie er wäre, wenn es sich um eine persönliche Tagebuch-Notiz handeln würde; er verschwindet nicht in einer Schublade: jene dubiose Öffentlichkeit, die mir in diesem zauberhaften Augenblick mangels einer nicht vorhandenen Internet-Verbindung “versagt” ist, beeinflusst genau eben das, was ich gerade schreibe. Schließlich nehme ich die “Schreibmaschine” morgen mit nach Hause, um das “hässliche analoge Entlein” wieder in einen “digitalen Schwan” verwandeln zu können. Oder so ähnlich …

Kurz: ja, ich bin eitel! Ich poste nicht nur, weil ich gerne schreibe, sondern eben auch deshalb, weil ich mir wünsche, dass andere lesen mögen, was ich hier gerade herunter tippe.

Machen wir uns nichts vor: welchen anderen Sinn könnte ein Blog haben?

Quanto ao Twitter …

… descobrí uma coisa: o verdadeiro desafio – para mim – é usar e abusar dos 140 caractéres, inteiramente. Nâo quero perder nenhum. Se for mais, preciso ajustar, repensar, é claro. Se for menos? Bom, isso depende do material. Se for bom mesmo, não preciso ajustar nada. Mas, isso raramente acontece, infelizmente …

The last frontier?

Wenn Blogs ein letzter Höhepunkt und damit auch der Abgesang auf das geschriebene und gedruckte Wort sein sollten, dann wäre Twitter the last frontier. Die letzte Herausforderung an den Buchstabenmenschen. Eine Minute Konzentration, in Echtzeit übertragen. Direkt von der Front. Nonsens ist natürlich vorprogrammiert: “Gerade mit Lona gefrühstückt. Butter ranzig”. Kann aber auch die Chance sein, mal wirklich auf den Punkt zu kommen.