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In Memoriam

Willy Brandt (Herbert Ernst Karl Frahm), 18.12.1913 – 08.10.1992 - http://www.flickr.com/photos/philgeland/

Willy Brandt / Herbert Ernst Karl Frahm, 18.12.1913 – 08.10.1992 – Photo: http://www.flickr.com/photos/philgeland/

P.S.
No need to understand German. Not really. Shortest interview ever:

12.09.95: “Unternehmen” Auschwitz Reloaded

Ist schon erstaunlich, was man so alles im Internet “ausgräbt”, wenn man sich gezielt entsprechender Suchbegriffe bedient. In hiesigen Fall handelte es sich um einen Anflug von Nostalgie, gepaart mit dem nach wie vor sehr lebendigen Interesse an einem “Thema”, welches ernsthaft durch eine erste von zwei Fahrten an einen ganz bestimmten Ort geweckt wurde. Da hält man dann “das Ausgegrabene in Händen” und trifft nicht nur sich selbst und ehemalige Mitschüler in Form handgeschriebenener und später digitalisierter Texte wieder, sondern man setzt sich vor allem jenen Eindrücken und den damit einhergehenden Gedanken und Gefühlen erneut aus, welche einen dort vor 17 Jahren umtrieben und von denen das damals Geschriebene einen mehr als unzulänglichen Eindruck vermittelt:

Nach 9 Uhr nähern wir uns dem sogenannten Stammlager Auschwitz I. Vor dem Lagereingang befindet sich ein großer Platz: ein Massengrab mit 700 Toten, jenen Menschen, die die Befreiung durch die russische Armee nicht mehr erlebten, und jenen Menschen, die nach der Befreiung an den Folgen von Unterernährung und Mißhandlung noch gestorben sind. Mit einem erschreckenden Dokumentarfilm beginnt die Führung durch das Lager. Herr Jurek Demski ist ein lebendiges und leidenschaftliches Lexikon. Er führt uns – ständig kommentierend – durch die Ausstellung, die in den Blocks des Lagers verteilt ist. Information und persönlicher Eindruck sind eine Überdosis. Man kann zwangsläufig nicht alles behalten, was man hört und man ist erschlagen von dem, was man sieht.

Was ich immer noch vor mir sehe, ist ein großer Raum mit fast 2 Tonnen Menschenhaar hinter Glas. Haar, hauptsächlich von Frauen. Rohstofflieferant für Matratzen, Decken, Kissenfüllungen und besondere Arten von Strümpfen. Wohlgemerkt: Rohstoff. Ein bezeichnender Zwischenfall: Unsere Führung redet von der Häftlingsfeuerwehr. Irgend jemand räuspert sich: “Werksfeuerwehr”. Kein Kommentar! Nachmittags bestand die Möglichkeit zum Besuch der Länderausstellungen im Museum. Ich nehme sie nicht wahr. Abends. Man kann darüber streiten, ob es geschmackvoll war, zu grillen und über den Konsum von Bier eine Atmosphäre zu schaffen, die es gestattete, den Tag zu verdrängen.

Willy wählen!

Wenn man Vertreter der heute herrschenden SPD-Gruppe auf die 45,8% anspricht, die die SPD als vergleichsweise linke Partei mit einem offensiven Wahlkampf 1972 erreicht hatte, dann verweisen sie auf die angeblich total veränderten Umstände. Die Umstände haben sich jedoch nicht prinzipiell verändert, die SPD hat sich verändert. Sie hätte auch damals die Wahl nicht gewonnen, wenn sie sich der Wirtschaft und den Rechtskonservativen so angepasst hätte, wie sie das heute tut.

Albrecht Müller war 1972 für den Wahlkampf der SPD verantwortlich und ist Autor des Buches “Willy wählen – Zur Aktualität der Wahl ’72”, erschienen im Plöger Verlag.