Arquivo da tag: Zitate

Hallo Sie!

Der große Vorteil der deutschen Sprache ist das Siezen. Sie wissen gar nicht, wie gut Sie es haben. Geben Sie das nicht auf. Lassen Sie sich das nicht nehmen. Es zeugt von Respekt. Distanz. Zurückhaltung. Eleganz. Understatement. Und das Beste ist: Sie können viel eleganter Nein sagen, als wenn jemand über die aufgesetzte angelsächsische Kumpelschiene kommt.

Da motzt zwar einer nur über sich “heranwanzende Vorgesetzte”, aber …

Und mit Vous, Lei und Usted scheint´s nicht viel anders zu sein; das sehen so manche Franzosen, Italiener und Spanier wohl ähnlich …

Genug Geld haben

Haben Sie schon einmal einen Drogensüchtigen gesehen, dem der Stoff ausgegangen ist? Er bewegt Himmel und Hölle, er würde 20 Meilen zu Fuß gehen oder einer Großmutter ihr Gespartes abnehmen, um schnellst möglich an den nächsten Schuss zu kommen. Die Wall Street funktioniert genauso. Die Monate vor der Auszahlung der Boni haben viel gemein mit der Nachbarschaft im Film ‘The Wire’, als den Leuten das Heroin ausgegangen ist und sie einen neuen Schuss brauchen.

Wer das sagt, ist kein verwirrter Soziologe und schon gar kein böser Kommunist, sondern jemand, der es als Hedge-Fonds-Trader zu einem ansehnlichen Vermögen “brachte”. Was natürlich seinen Preis hatte: Zunächst hielt er sich mit Alkohol unter Strom, dann stieg er auf andere “leistungsfördernde Substanzen” um. Als auch das nicht mehr zu Genüge knallte, half nur noch der ultimative Fix:

Die Kohle an sich.

Bis er die Schnauze voll hatte und nüchtern wurde:

The first year was really hard. I went through what I can only describe as withdrawal — waking up at nights panicked about running out of money, scouring the headlines to see which of my old co-workers had gotten promoted.

“Der hat gut reden”, höre ich jetzt einige von Euch murmeln. “Geld hat er wohl trotzdem noch genug”. Keine Frage, aber wenn es nur darum ginge, hätte ich mir dieses Post auch sparen können.

Genug Geld zu haben ist halt etwas anderes als immer mehr davon haben zu wollen, vor allem dann, wenn man schon genug davon hat.

In Memoriam

CC BY-SA 2.0 DE Hans Weingartz

CC BY-SA 2.0 DE Hans Weingartz

Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.

Harry Rowohlt, 27.03.1945 – 15.06.2015

Virtueller Spickzettel

Durch mich fließt ein nicht abreißender Info-, Anreißer- und Teaser-Strom, der mein früheres Halbwissen durch ein Fake-Wissen ersetzt hat: Überall rede ich mit, denn das Internet, insbesondere der Social-Media-Feed, ist ein fortlaufender, sich ständig selbst aktualisierender Spickzettel.

Hauptsache, man gibt seinen Senf dazu. Selbst zu Dingen, die man nicht kennt…

Sprach-Welt

Sprache ist einerseits beherrschende Konvention, andererseits unser eigenster Besitz. Sie ist das Produkt kollektiver Geschichte, und dennoch trägt jeder seine eigene Vorstellung zu jedem Wort, jeder sein eigenes, in persönlicher Geschichte verankertes Verhältnis zu den Namen der Dinge in sich, auch wenn die Eigenart dieses Verhältnisses nur sehr selten artikuliert wird und unter der verhärteten Schicht der Verständigungsfunktion in unterschiedlich tiefem Schlummer liegt. Jede Begegnung mit Fremdsprache ist eine Herausforderung dieser Sprach-Welt, der persönlichen wie der kollektiven, wobei allerdings letztere durch die schlichte Notwendigkeit eines Konsenses weniger betroffen ist.

Esther Kinsky

Auch nicht schlecht:

Nachdem keine amerikanische Zeitschrift will, dass ich für sie auf den Deutschen rumhacke, weiß ich nicht, was ich tun soll. Außer eben in Deutschland auf den Deutschen rumzuhacken.

Eric T. Hansen

Dann schon eher zum Psychiater …

Es kann ja grundsätzlich nicht falsch sein, über Sprachentwicklungen nachzudenken. Zumal die Zeit fließt und die Sprache in ihr es auch tun sollte. Aber ist es sinnvoll, das Kind mit dem Bade auszuschütten (vgl. hier oder hier)? Wenn sich jemand von einem Drucker diskriminiert fühlt, sollte er keinen Linguisten bemühen, sondern eher einen Psychiater oder wahlweise einen VHS-Kurs für Computertechnik.Und warum sollten aus dem Englischen entlehnte Wörter, Computer etwa, verballhornt werden? Und soll der Plural von “Wort” ab jetzt Wörta heißen, weil das “er” diskriminierend wäre? Und aus gleichem Grund heißt das Wort nun Diskriminiaung? Und ist Mutta die entdiskriminiate Form von Vata?

Unerhörte Worte!

Fachtermini

Fachtermini müssen sein. Sie fördern das Ego und schaffen oft sogar strategische Vorteile. Jeder Privatarzt, der die sowieso schon überhöhte Rechnung für den ahnungslosen Patienten pimpen will, weiß das. Jeder Gasetagenheizungswarter, der noch ein Ersatzteil mehr auf die sowieso schon lange Liste setzen will, weiß das auch. Jeder sadistische Bezirksamtsbürokrat erst recht. Jeder Marketingwichser. Jeder Automechaniker. Baumarktmitarbeiter. Sternekoch. Banker. Alle ballern mit Fachsprache um sich, dass es eine wahre Freude ist. Je mehr desto klug. Und je dümmer der Kunde desto Kohle weg. Binse. Eine bekannte.

via kiezneurotiker

Der Mutter zur Hand

Der Mann als Vater hat ganz offensichtlich in den Augen gewisser Männer und Frauen keine eigene, selbstständige Beziehung zu seinem Kind. Er „geht der Mutter zur Hand“, wenn er das Kind betreut. Wäre ich ein Mann, so machte mich ein solch vergiftetes Lob unglaublich wütend. Warum ist es für diese Leute offenbar unmöglich, die Beziehung eines Mannes zu seinem Kind, seine Vaterschaft, als etwas Eigenständiges und Wertvolles anzuerkennen, das nicht durch die Mutter vermittelt ist und werden muss?

Um weitere Missverständnisse auszuschließen: Ich vertrete hier nicht die Position derjenigen, die lautstark „Väterrechte“ einklagen (nicht selten verbunden mit Tiraden gegen den “Feminismus”, von dem sie keine Ahnung haben). Gerade die Reduktion der Vaterschaft auf das „Recht am Kind“ ist Teil der symbolischen Ordnung, die Männer von ihren Kindern und ihrer Vaterschaft entfremdet. Wo der Vater seine Beziehung zum Kind als „Hilfskraft“ der Mutter beginnt, muss es zwangsläufig zu jenem Entfremdungsprozess kommen, der in so vielen schmerzlichen Fällen dazu führt, dass Vater und Kind einander verlieren. Männer also müssten meiner Überzeugung nach darauf beharren, dass ihre Vaterschaft in der Öffentlichkeit, im Berufsleben und im sozialen Umfeld als bedeutender Einschnitt anerkannt und gewürdigt wird. Es braucht Bilder vom Vater, der nicht weiter am Rande steht, wie Joseph (der sich zu einer Vaterschaft bekannte, obwohl er nicht gezeugt hatte) auf jedem traditionell ikonographischen Bild der “Heiligen Familie”. „Der Vater und das Kind“ – diese Beziehung müsste viel häufiger dargestellt, in ihrer Vielfalt erzählt und gedeutet werden, um die symbolische Ordnung zu ändern. Das Problem als Rechtsfrage zu betrachten, führt dagegen in die Sackgasse, weil es die Beziehung zum Kind weiterhin und vor allem als Machtfrage denkt. Das weist nur zurück auf jenem „abwesenden Vater“, der das „Gesetz des Vaters“ symbolisiert, aber beziehungsunfähig und lieblos bleibt.

Jutta S. Pivecka

Dianetisches Zäpfchen

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht mit Fakten und Wahrheiten die verheerenden Wirkungen von Drogen bekannt zu machen und auch aufzuzeigen wie “legale” Drogen immer mehr in die Gesellschaft bewusst eingeführt werden.

Das ist aber nett. Und so engagiert. Und so nützlich. Vor allem dann, wenn man dabei gleich seinen eigenen Stoff dezent in den medialen Anus einführen – äh, pardon – unter die Leute bringen kann.