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Ziemlich breit!

„Ich wäre lieber breit aufgestellt worden“, sagte J. Gauck im „ARD-Gespräch“ vor seiner ersten Kandidatur.

Da hätte ich gern zugesehen.

Deutsche Sprak schwere Sprak

Was treibt Ihr eigentlich auf Facebook?

Ach, Ihr seid “post privacy“? Kinder, jedes mal wenn ich künftig diesen Blödsinn höre, erschieße ich ein Küken. Das hat der Herr Zuckerberg nämlich extra für Torfsammler wie Euch erfunden. Das ist nicht cool und nicht Kult, hat weder Hand noch Fuß, sondern ist ein dreister PR-Gag, mit dem Millionen dazu gebracht werden sollen, ihr Innerstes nach außen zu kehren, damit andere das zu Geld machen. Ihr seid der Schlachtabfall, aus dem Facebook sein berühmtes Hundefutter produziert. Dabei könnt Ihr die Hunde nicht einmal leiden, die sich diese Leckerlis schmecken lassen. Ihr würdet sie sogar fürchten, hättet ihr euer Hirn nicht gleich mit in den Fleischwolf geworfen.

Und, springt der Reflex schon an? “Alles Blödsinn”? “Gequatsche eines Gestrigen”? “Man kann ja doch nichts machen”? “Es sind doch alle da”? “Ich habe nichts zu verbergen”?

Klickstdu hier oder hier.

Árvores na neve

Pois somos como troncos de árvores na neve.
Como parece, apenas estão deitados na superfície escorregadia,
e um pequeno empurrão deveria deslocá-los.
Não, não é possível fazer isso porque eles estão firmemente unidos a terra.
Mas, veja, até isto é mera aparência.

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee.
Scheinbar liegen sie glatt auf,
und mit einem kleinen Anstoß sollte man sie wegschieben können.
Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden.
Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Franz Kafka, „Die Bäume“
Aus: „Die Erzählungen – Originalfassung“, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Tradução: Peter Hilgeland

Mehr Hirn, mehr Poesie

Wer Texten vorwirft, dass er sie nicht versteht, wirft nun einmal zunächst sich selbst etwas vor. Was kann ein Text für das Lesevermögen seiner jeweiligen Leserinnen und Leser? Sicherlich gibt es Texte, deren Inhalt und Güte sich nur jenen erschließen, die über eine gewisse Leseerfahrung und Bildung verfügen – und über die Frage, ob dies so sein muss, lässt sich streiten. Dies jedoch ist nicht der Kern des Vorwurfs, der Jahr um Jahr gegen komplexe Texte allgemein und gegen Lyrik insbesondere vorgebracht wird. Diejenigen, die nicht bereit sind, sich mit einem kurzen Text länger zu befassen, als die reine Erfassung der Buchstaben braucht, machen Texten zum Vorwurf, dass sie sie nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Sie werfen einem Text somit vor, dass er Arbeit macht.

Jörg Sundermeier

Apropos Schreiben

Wenn in geselliger Runde jemand zu schreiben oder schreiben zu wollen behauptete, fragte ich nach, worüber sie denn schreiben wollten. Die Antwort blieben sie mir meistens schuldig. Ich fand das seltsam. Schon damals – und seither immer mehr – habe ich es komisch gefunden, daß unsere Kultur Menschen en masse hervorbringt, die schreiben können und wollen, aber nichts zu sagen haben. Warum wollen sie schreiben, wenn sie offen und ehrlich zugeben, daß es nichts gibt, was sie vermitteln könnten? Können sie nichts anderes tun?

Gaarder, J.: Der Geschichtenerzähler. München 2002.

(… davon ausgehend, dass es sich bei der „geselligen Runde“ auch um das sogenannte Web 2.0 im Allgemeinen und die Blogosphäre im Besonderen handelt …)

Gut gezwinkert!

Kognitive Dissonanz

„Toll, alle meine Freunde, ich bin vernetzt und beliebt. Doof irgendwie, mit dem Datenschutz, aber naja, die anderen machen das doch auch. Hey super, die Susi hat mir was geschrieben. Gesichtserkennung, hm, vielleicht ja ganz witzig, aber irgendwie fühl ich mich auch unwohl damit. Oh guck mal, der Tobi macht ne Party! Mensch, wolltet ihr mir nicht beim Umzug helfen, wo wart ihr denn? Och nö, schon wieder so ein Stalker, was kann man denn da machen? Hehe, witzig, was da jemand wieder gepostet hat, like ich doch glatt mal. Mann, die Werbung geht mir langsam echt auf den Sack, ich dachte, die wär personalisiert?! Ich bin ganz freiwillig hier, es ist meine eigene Entscheidung. Aber wenn ich den Account zumachen würde, würde ich schon Bekannte verlieren, und würde auch gar nicht mehr mitbekommen, was los ist. Ekliger Typ eigentlich, dieser Zuckerberg. Hey, die Susi hat Fotos gepostet, richtig schöne! Oh, schon halb fünf?!“

Der sanfte Facebook-Totalitarismus, aber ganz freiwillig, nur ein ganz bisschen Gruppendruck.

Auszug aus einem Kommentar von „rarara“, Juni 2011

Immer wieder lesenswert

Vorab sei gesagt: Ich hab’s wirklich versucht, mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich den Inhalt des besagten Buches am besten hätte zusammenfassen können. Zum Schluss meiner Überlegungen blieb dann aber doch nur der im Grunde alles andere als resignierende Griff ins Regal. In der Einleitung (Untertitel: „Die Wahrheit ist unteilbar“) fanden sich dann nach sehr, sehr kurzem Blättern folgende Abschnitts-Schnipsel:

Kann man an die Existenz oder gar an die tätige Anwesenheit eines Gottes in einem Universum glauben, das sich nach einigen Jahrhunderten naturwissenschaftlicher Forschung unserem Verstand als erklärbar zu präsentieren begonnen hat? Diese einfache, aber alles entscheidende Frage bildet den Hintergrund dieses Buches.

Es ist in der Überzeugung geschrieben, dass die Verbindung religiöser und wissenschaftlicher Aussagen über die Welt zu einem einheitlichen Weltbild heute möglich geworden ist. In der Überzeugung, dass sie nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist, wenn der Schwund der Glaubwürdigkeit, dem die religiôse Verkündung heute in der breiten Öffentlichkeit ausgesetzt ist, nicht weiter fortschreiten soll.

Im Zentrum der Darstellung steht das weit über den Spezialfall der Biologie hinaus geltende, für die gesamte heutige Naturwissenschaft grundlegende Konzept der Evolution. Bemerkenswerterweise liefert gerade dieses geistige Konzept einen entscheidenden Schlüssel zu einem besseren, in mancher Hinsicht ganz neuen Verständnis uralter theologischer Aussagen, bis hin zu der Behauptung von der Realität einer jenseitigen Wirklichkeit. Dieser Gedanke war der entscheidende Anstoß zur Entstehung dieses Buchs, das unter diesen Umständen mit einer relativ ausführlichen Darstellung des modernen Evolutionsbegriffs beginnt.

Gut zwei Jahrzehnte vor Dawkins Streitschrift „Der Gotteswahn“ schneidet der oben zitierte Autor schon das gleiche Thema an. Ob Dawkins das Buch wohl kennt? Gute Frage! Falls nicht, so sei ihm ernshaft angeraten, dies umgehend nachzuholen. allein schon deshalb, weil es ihm die Gelegenheit böte, seinen positivistisch verklemmten Horizont zu erweitern:

Hoimar von Ditfurth, „Wir sind nicht nur von dieser Welt“, Verlag Hoffmann und Campe, leider nicht mehr im regulären Buchhandel erhältlich.

Was es nicht geben darf

Selbstverständlich gibt es
Den gewinnbaren Krieg.
Frag nur den Herrn General

Selbstverständlich gibt es
Den heiligen Krieg.
Frag nur den Herrn Theologen

Selbstverständlich gibt es
Den gerechten Krieg
Frag nur den Herrn Politiker

Selbstverständlich gibt es
Den notwendigen Krieg
Frag nur den Herrn Bestatter

Aber einen
Krieg, der alle Kriege beendet
Wird es nicht geben dürfen

Frag nur den Herrn von der Waffenlobby

Gefunden bei Gitano2, dezent frisiert.

Deutsch – Italiano

Das Ziel ist nicht ein Ort,
sondern eine Art,
die Dinge zu sehen.

La meta non é un luogo
ma un modo
di vedere le cose.

Grazie a Buntglas.

Öffentlich, privat, oder was?

Das typische Symptom neoliberaler Beraubung besteht darin, dass der öffentliche Raum nicht mehr als ein positiver Raum definiert wird, der den Individuen Ressourcen bereitstellt, über die sie alleine nicht verfügen. Der Staat und alles was zum öffentlichen Raum gehört, wird nicht mehr als ein Versorger und Ermöglicher gesehen, sondern ausschließlich als eine Verbotsinstanz.

Dem entspricht eine Umkehrung des Appell-Typus gegenüber den Individuen. An sie wird von von der Öffentlichkeit nicht mehr appelliert in einem Sinn, der ihnen etwas Neues ermöglicht. „Jetzt nimm dich mal zusammen und sei ein bisschen eleganter als sonst, denn jetzt bist du in der Öffentlichkeit.“ Das wäre in etwa die klassische Anrufung des italienischen Platzes in der Renaissance.

Heute hingegen dreht sich der Appell dann um und spricht die Individuen nur noch als Privatpersonen an, nicht als öffentliche Rollen;, nicht mehr als Citoyens, sondern nur noch als Bourgeois oder als Idioten im Sinn der griechischen Polis, die nur noch ihre Privatbelange pflegen.

Das ist das Gefährliche, wo sich eine narzisstische Kulturentwicklung mit einem Repressivwerden des Staats paart.

Robert Pfaller, gefunden auf TELEPOLIS.