Ein Gottsuchender in sommerlich-modischer Kleidung wandert frohen Mutes, aber auch mit jener Art guten Willens, welcher von einer nicht zu übersehenden Einfalt zeugt, durch die flimmernde Hitze einer Wüste. Nach langem Herumstapfen im tiefen Sand begegnet er schließlich, schon arg verschwitzt, inmitten der hohen, gleißenden Dünen endlich einem menschlichen Wesen, einem gut aussehenden Unbekannten im besten Alter. Dieser trägt einen dunklen Anzug aus teurem Tuch. Verwundert, aber auch erfreut darüber, jemanden in dieser Ödnis anzutreffen, hebt der Gottsuchende die Hand zum Gruß und geht auf den Fremden zu. Daraufhin ergibt sich folgender Dialog:
Gottsuchender (grüßt freundlich, fast erleichtert): “Ich ahnte doch, dass ich hier jemanden finden könnte.”
Unbekannter (reserviert aber höflich): “Das haben Sie ja nun. Kann ich Ihnen helfen?”
Gottsuchender (überrumpelt von der Frage): “Ja, nein … vielleicht. Wer sind Sie?”
Unbekannter (sieht dem Gottsuchenden offen und bestimmt an) : “Ich bin ein Teil von jener Kraft ….”
Gottsuchender (winkt ab, unterbricht ihn leicht amüsiert und ein wenig hochmütig): “Verschonen sie mich, ich kenne den Faust ziemlich gut. Worauf wollen Sie hinaus?”
Unbekannter (blinzelt): “Soso, Sie kennen Goethe. Gut für Sie, das kann nie schaden! Was Ihre Frage angeht, gefällt Ihnen meine Antwort nicht?”
Gottsuchender (zögert, platzt dann heraus): “Wollen Sie mir etwa weismachen, dass Sie … ?”
Unbekannter (unterbricht ihn freundlich aber bestimmt): “Guter Mann, Sie scheinen mir jemand zu sein, der nicht auf den Kopf gefallen ist. Von daher dürften Sie wissen, dass ich viele Namen habe.”
Gottsuchender (plötzlich gar nicht mehr spontan, sondern zurückhaltend, fast schüchtern): “Wie dem auch sei. Warten Sie auf jemanden?”
Unbekannter (hört auf zu lächeln, bleibt aber freundlich und scheint redseliger zu werden): “Nicht unbedingt. Es ist eher so, dass Leute wie Sie zu mir kommen, plötzlich hier auftauchen. Ganz von selbst. Ich habe es nicht nötig, zu warten. Ich bin einfach nur hier. Und durch den tiefen Sand bin ich, so wie Sie und all die Anderen vor Ihnen, schon lange nicht mehr gelaufen. Gut, was?”
(Fortsetzung folgt)








